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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-11 · Heft 7 (11.2.1868) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 7 (11.2.1868)
Date
1868-02-11
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 aber daß es nicht geschieht, ist lediglich Schuld der Regierung. Die städtischen Behörden haben beschlossen, diese Realschule und dieses Gymnasium confessionslos einzurichten; die Regierung hat dieses bis jetzt nicht genehmigt und wie der Herr Regierungs-Commissar eben gesagt hat, schwebt die Sache noch. Nun, meine Herren ich glaube, es ist beinahe ein Jahr, daß sie schwebt; wenn man aber bei solchen Interessen und bei solchen Angelegenheiten, wo es sich um die Ausbildung der Jugend handelt, um die Ausbildung derjenigen Jugend, die hauptsächlich dem Staate später Steuern zahlt, wo es sich darum handelt, daß solche Anstalten ohne Zuthun des Staates entstehen und besucht werden können-, wenn man da Seitens der Staats-Regierung Schwierigkeiten bereitet, was kann man von ihr in Bezug auf das Unterrichtsgesetz überhaupt erwarten? Meine Herren! Wenn der Herr Regierungs-Commissar gesagt hat, man muß praktisch verfahren, man kann nicht theoretischen Dingen sogleich Rechnung tragen, so glaube ich: hier ist der Fall umgekehrt. Wir in Breslau sind praktisch verfahren, wir haben erst das Gymnasium, die Realschule, fertig gebaut, die Kinder sind da, sie wollen hinein, aber die Regierung will sie nicht hineinlassen (Heiterkeit); sie will strengprotestantische oder strengkatholische, von strengjüdischen Anstalten hat sie nichts gesagt. Wenn wir nun, da es ja auch in Breslau eine bedeutende Anzahl von-Juden gibt, sagten: nun gut, da du nicht confessionslose Schulen, sondern nur strengconfessionelle -willst, so werden wir eine der Anstalten, die wir fertig haben, zu einer jüdischen machen; ob da die Regierung vielleicht nicht auch Auswege suchen und nicht zustimmen würde? Meine Herren! Es ist wirklich traurig, daß wir aus diesem Kreise, in welchem sich das Cultus - Ministerium schon seit einer Reihe von Jahren bewegt, nicht herauskommen können. Das Publicum, die Bevölkerung, das Volk in seinem gesunden Sinne hat ganz andere Anschauungen in Bezug auf Confessions-Berhältnisse, als sie bisher von Setten des Cultus- Ministeriums verlangt oder gelehrt worden. Wenn das so fortgeht, so könnte es zuletzt so weit kommen, daß der confessionelle Friede in Städten wie Breslau, wo die Confessionen ziemlich gleich stehen, gestört werden dürfte. Davon sind schon die Anzeichen da; ich möchte die Staats-Regierung warnen, länger zu zögern und sie ersuchen, den Anträgen der städtischen Behörden zu Breslau Rechnung zu tragen. Reg.-Comm. Dr. Lehn erbt: Ich will zunächst die Besorgniß des Vorredners beseitigen, daß , einer jüdischen Realschule etwa die Bestätigung versagt werden würde, wenn die Judenschaft in Breslau eine solche errichten wollte*). Auf das Princip näher einzugehen, scheint mir nicht geeignet; wenn der Herr Abgeordnete ferner auf die Stimmung im Volke hingewiesen, so muß ich doch bemerken, daß der Regierung genugsam Mittheilungen über dieselbe zugekommen sind, die im entgegengesetzten Sinne sich aussprachen. Die „Cöln. Zeit." enthält unter dem 24. Januar einen Correspondenz-Artikel aus Berlin, aus welchem wir Folgendes entnehmen: „Es ist schon lange her, daß Preußen hinsichtlich seines gesammten Schulwesens als Musterstaat für Europa galt. Bald nach Altenstein's Tode wurden im Interesse der Romantik und „Umkehr der Wissenschaft" von oben her Eingriffe gemacht, die trotz ihrer Unpopularität im ganzen Lande doch bis jetzt eher noch befestigt als zurückgenommen worden sind. Das zweite, mindestens eben so große Grundübel, die beständige Geldklemme für das gesammte Schulwesen, von der Universität bis zur Volksschule, hat etwas später, in Folge der alljährlich gesteigerten Ansprüche des Militär-Budgets seit 1856, und vollends seit 1860, seinen Höhepunkt erreicht. Das andauernde Zurückbleiben des preußischen Schulwesens gegen das in anderen deutschen Ländern, z. B. auch Baiern und namentlich Würtemberg und Baden, macht natürlich auf die gesammten liberalen Parteien einen peinlichen Eindruck. Das preußische Ministerium der Unterrichts-Angelegenheiten hat „Statistische Nachrichten über das Elementarschulweseu in Preußen für die Jahre 1862 bis 1864" veröffentlicht. In I. Fröbel's Süddeutscher Presse wurden darauf die hauptsächlichsten Resultate dieser Publication mit den einschlägigen Nachweisungen über die baierischen Elementarschulen verglichen. Der erste Punkt dieser Vergleichung ist die Zahl der Schulen auf eine bestimmte Bevölkerungsziffer. In dieser Beziehung ergiebt sich folgendes Resultat: Zahl der Elementarschulen auf 10000 Seelen der Bevölkerung: *) Das glauben wir vollständig; wenn die Juden auf ihre Kosten Anstalten gründen, die auch für die höhere und wissenschaftliche Ausbildung die strengste, aber auch traurigste Scheidung oder Absperrung der Confession bezwecken, würde man sie gewähren lassen. Redakt.

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