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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-11 · Heft 7 (11.2.1868) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 7 (11.2.1868)
Date
1868-02-11
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 vom Geiste des alttestamentlichen Prophetenthums?" Ich will Ihnen nur einen Beweis geben für viele. Das Evangelium sagt wiederholt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" — und das alte Testament sagt: „Gehet nicht als Verleumder umher unter dem Volke" — nun sehen Sie zu, wie Sie sich zum Richter über uns aufwerfen und wie Sie als Verleumder umhergehen. Nun könnte ich noch weiter gehen, und Ihnen sagen, worin Sie und Ihre Genossen „verfallen" sind — aber ich will eben nicht in Ihren Fehler verfallen. Wir können nicht jede Phrase des Pastors Grüner hier anführen und bekämpfen, sowohl weil uns der hier gestattete Raum doch viel zu werhvoll ist, als daß wir ihn an die veralteten Ansichten dieses Mannes verschwenden sollten, als auch weil, was uns man gern glauben wird, uns die Unlust an solchem, für die betreffenden Bekehkehrungseiferer doch erfolglosen Thun abhält. Nur Eines wollen wir zur Charakterisirung noch hervorheben. Herr Pastor Müller scheut bei der Bekehrung weder „Schwert, noch Kummer und Thränen," aber er scheint diese doch noch zu bedauern; Herr Pastor Grüner aber hat an diesen sein Wohlgefallen und fügt darum noch den Hohn hinzu. Er dreht den Spieß um und meint, nicht der christliche Fanatismus ist Schuld an „Schwert, Kummer und Thränen" bei der Bekehrung von Juden, sondern der jüdische Fanatismus, der sich eben nicht ohne „Schwert, Kummer und Thränen" bekehren lasten will, der die Bande der Familien durch die Abtrünnigen als zerrissen ansieht. Ein Mensch, der so Etwas behauptet, hat sicherlich kein Bewußtsein von dem, was Anhänglichkeit und Treue für die erkannte Wahrheit, für die seit vier Jahrtausenden ererbte Religion ist, so viel er auch mit „Wahrheit" und Opfer für sie koquettirt, der hat kein Bewußtsein von dem, was mit einen Abfall vom Glauben, mit einem Zuschwören zu einem anderen sich zwischen Herzen und Herzen drängt, was ein Vater- und ein Mutterherz empfinden müsse, wenn es sein Kind in das verfallen sieht, was ihm als eine schwerste Sünde erscheint. Nein, nicht di« Vertheidigung ist religiöser Fanatismus zu neunen, sondern der Angriff! Doch was sollen wir mit einem Manne von solcher Verblendung und derartigem engen Gesichtskreise noch weiter rechten! Die Anstellung jüdischer Lehrer an öffentlichen Lehranstalten in Preußen. Wir haben in der jüngsten Zeit aus Oesterreich eine Reihe von Mittheilungen zu bringen gehabt, welche hinlänglich beweisen, daß es der gegenwärtigen österreichischen Staatsregierung Ernst ist, die Consequenzeri des neuen Staatsgrundgesetzes betreffs der Gleichstellung der 1,200,000 im Kaiserstaate zählenden Juden faktisch durchzuführen, was bekanntlich den bezüglichen Bestimmungen der preußischen Staatsverfassung noch nicht zugekommen ist. Die großen Siege, welche im Jahre 1866 erfochten worden, und welche Preußen und seine Regierung auf einen ganz anderen Standpunkt rückten, waren doch nicht im Stande, den Standpunkt, welchen die betr. preußischen Ministerien den Juden gegenüber einnehmen, nämlich das Justiz- und das Unterrichts- Ministerium, zu verändern. Freilich ist dies nur ein Glied des ganzen Systems, das hier herrscht. Wir haben uns daher nicht zu verwundern, daß dieser Gegenstand immer wieder im Abgeordnetenhaus zur Sprache kömmt, daß er das letztere zu den, die Abänderung fordernden Auslassungen führt, die betr. Ministerien aber nicht nachgeben. Wir haben jüngst die Rede des Abg. Lesse betr. Anstellung von Richtern jüdischen Glaubens gebracht, auf welche der Justizminister. nicht einmal geantwortet. In der Sitzung vom 24. Januar brachte unserer wackerer Dr. Kosch auch die Unterrichtsfrage in Anregung, und die Verhandlung ist interessant genug, um hier ausführlich mitgetheilt zu werden. Abg. vr. Kosch: Ich komme hier auf die Fragen in Betreff der Anstellungsfähigkeit der Juden in dem Ressort des Justiz- und des Cultus-Ministers zurück, die in früheren Jahren hier öfter behandelt worden sind. Ich habe hierbei dem Herrn Cultus-Minister gegenüber die angenehme Pflicht des Dankes zu erfüllen, daß er den Paragraphen des königsberger Universitätsstatutes, wonach Katholiken und Juden bei der Universität keine Anstellung erhalten konnten, beseitigt hat. Ich glaube, daß der Herr Cultus-Minister wohl bald Gelegenheit haben wird, diese Veränderung auch praktisch durchzuführen, indem meines Wissens die Universität den Antrag eingereicht hat, einem befähigten Mitgliede der medicinischen Faeultät eine ordentliche Professur zu verleihen. Dem gegenüber sind aber leider zwei hochverdiente Lehrer an der Realschule in Posen 4a

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