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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-04 · Heft 6 (4.2.1868) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 6 (4.2.1868)
Date
1868-02-04
Page
Seite 108 (sequence 8)
Language
German
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108 fahre, ihre praktische Anwendung und zwar durch die in den letzten Tagen erfolgte Ertheilung von unentgeltlichen Auscultanten-Stellen beim hiesigen Landes¬ und Bezirksgerichte — an absolvirte Juristen mosaischer Religion. Also werden wir im Kurzen auch Juden als k. k. Beamte haben; daß dies unfern Greuters «an anderen Orten sagt man Hamans oder Ultramontanen) nicht behagt, werden Sie wohl begreifen. (Die Anstellung im öffentlichen Dienste betrifft alle cisleithanischen Länder Oesterreichs. Dagegen giebt es noch viele Beschränkungen der Juden, welche vorzugsweise nur noch in Galizien existiren, wie z. B. die Beschränkungen durch die Gemeindestatuten in dem passiven Wahlrecht in die Magistrate. Alle diese Ausschließungen haben durch das Staatsgrundgesetz ihren gesetzlichen Boden verloren, und sicherlich haben die galizischen Juden Energie genug, um ihr gutes Recht zur Verwirklichung zu bringen. Redakt. d. A. Z. d. I.) Lemberg, 19. Jan. Bekanntlich ist es der Abgeordnete Dr. Mühlfeld in Wien «kein Israelit) gewesen, welcher den Entwurf eines Religionsediktes, das, die freisinnigsten Grundsätze enthaltend, die lebhaftesten Verhandlungen und bereits bedeutende Erfolge bewirkte, vor den Reichstag gebracht hat. Dr. Mühlfeld ist jüngst in eine sehr gefährliche Krankheit verfallen — eine Befriedigung für die Ultramontanen — und die israelitische Gemeinde zu Lemberg sah sich von den Gefühlen der Dankbarkeit bewogen, eine gottesdienstliche Fürbitte an „den Arzt alles Fleisches" für die Genesung des Dr. Mühlfeld zu richten, worüber die öffentlichen Blätter Folgendes enthalten: Der feierliche Gottesdienst im lemberger israelitischen Tempel um Erstehung des göttlichen Beistandes für die Erhaltung des Lebens Dr. Mühlfeld's war äußerst zahlreich besucht. Prediger Löwenstein hielt eine kräftige Ansprache, und es wurden mehrere Psalmen gesungen, darunter insbesondere der bekannte, den die Juden in Erkrankungsfällen hochangesehener Männer beten und in welchem es heißt: „Gott lasse die Feinde nicht triumphiren, die da sich freuen und sagen, das Leben dieses Mannes geht zu Ende." Krakau, im Januar. Privatmitth). Es ist bereits auch in d. Bl. berichtet worden, daß ein Herr Dankiewicz als Prediger in polnischer Sprache von der hies. Gemeinde angestellt worden. Eine gewisse Klasse orthodoxer Juden hier sieht diese Anstellung mit feindlichen Augen, als eine Entweihung ihrer Synagoge an Vor einigen Tagen wurde Herr Dankiewicz am Abend beim Nachhausegehen von einigen jüdischen Straßenbuben mit Schneebällen traktirt. Daraus hat die hies. und die wiener Presse ein großes Lärmen gemacht, und bei Gelegenheit über jüdische Intoleranz losgelegt. Jndeß hielt Herr Dankiewicz Sonnabend seine erste Predigt, welcher eine große Anzahl bekannter Orthodoxer mit sichtlicher Befriedigung anwohnten. Man wird zugestchen, daß ein paar Schneebälle eine sehr harmlose Operation der Intoleranz ist. Donau fü r st e n t h ü m e r. Bonn, 23. Januar. Wir erhalten aus Bukarest vom 12. Jan. den Nothschrei eines 72jährigen Greises aus dem Volke, und glauben daher, denselben der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu dürfen. Wir geben ihn wörtlich so, wie er niedergeschrieben worden. Die geschehenen Greuelthaten, welche auch die rumänische Presse nicht ableugnen kann, sind so empörend, daß sie nicht alsbald mit Stillschweigen und Vergessenheit verdeckt werden dürfen, noch dazu, da auch nicht der geringste Schritt gethan wird, um den Mißhandelten und Beraubten irgend eine Entschädigung zu verschaffen. Dies beweist, daß die Regierung selbst entweder von Haß erfüllt ist, oder sich zu schwach fühlt, um die Vollstrecker solcher Unthaten, zur Rechenschaft zu ziehen. Dies muß constatirt werden! Das Schreiben lautet: Die Civilisation Rumänien's. Rumänien gestehet s e l b st, daß es Autonomie verdient; Rumänien sagt es allein, daß es nicht nur das 2., nein! — das 1. Frankreich mit all seiner Civilisation, Wissenschaft und Humanität sei; Rumänien ist ein neugeborner Staat von 5 Millionen «etwa Einwohner?) nein! ein Staat von ebensoviel der größten und reifsten Diplomaten, da von Angeleschu angesangen bis Teslareschu fast alles das so schwere Alphabeta der Diplomatie Haarbreit nicht nur geläufig buchstabiren kann, sondern davon auch Prämissen und Nachsätze mit gutem Erfolg bilden kann, Prämissen und Nachsätze, die in der großen Kette des Ruhmes mit eingereihet werden können; Rumänien ist ein Land der abstrakten Philoso-

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