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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-04 · Heft 6 (4.2.1868) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 6 (4.2.1868)
Date
1868-02-04
Page
Seite 109 (sequence 9)
Language
German
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109 phen, die alles sä ^bstrsctum denken; Ruinänien ist ferner ein Land voll berühmter Journalisten, die über alles, sogar über den guten und weisen Landcsvater und die Regierung, in Folianten sich heiser schreien können, nur nicht über ein empörendes Unrecht, das einem Nichtchristen, einem Israeliten, von einem Christen widerfährt. — Dieses autonomisirte 1. Frankreich mm, diese philosophischen Diplomaten; dieses zufällig und schnell vorgeschrittene Rumänien, eben dieses Rumänien, welches allein erst kaum 9 Jahre her von der bloßen Gnade der 7 garantirenden Großmächte das heilige Geschenk der Freiheit gratis bekommen; dieses Rumänien, das seit dieser Frist erst seine traurige Schulzeit beendigt; eben dieses Rumänien, sage ich (o welches Wunder! —) geizt jetzt nicht nur allein mit seinen unerschöpflichen Reichthümern an Freiheit, indem es uns Israeliten hier neben seiner reich besetzten Tafel darben und verhungern läßt. Und nicht nur das; es stehet theilnahmlos, während in mancher seiner Städte man barbarische Geschichten des Mittelalters aus dem Schutt der Unwissenheit wieder hervorgräbt und in Folge dessen man unsere Mitbrüder auf mörderische Weise beraubt und maltraitirt. So geschah's vor einigen Tagen, daß die Christen in den Städten Kalarasi und Verlad, dort in Miniatur, hier in vierzigfachem vergrößerten Maßstabe auf Grund verleumderisch mittelalterlicher, aber unwissender Geschichten vom Blutdürsten der Israeliten, unzählige Juden dort unschuldigerweise maltraitirten, total mörderisch beraubten, ihre Häuser zerstörten, Synagogen der Erde gleich machten, und ihre heiligen Rollen schändlich in Stücke zerrissen. — Die Regierung hat zwar nach bereits vollbrachten Greuelthaten Gegenmaßregeln getroffen; aber was helfen Maßregeln für das Vergangene? Nicht minder beweint der berühmte Jeremiades Rumäniens Herr C. A. Rosetti diese traurigen Greuelscenen. Was nützen aber all seine traurigen Elegien, nachdem diese barbarischen Scenen bereits auf der Bühne dieses constitutionellen Landes aufgeführt und Mode geworden! Kann mit diesem journalistischen Tadel den unzähligen Verunglückten für ihr Hab und Gut, für ihre Häuser, ihre Synagogen und heiligen Rollen vergütet und beglichen werden? Können solche gemeine Raubthaten mit bloßen Federkielen aus dem Leben jener Verunglückten gestrichen und vertilget werden? Wollen die Herren Journalisten vielleicht mit bloßen Scheinthränen das lebendige Gedächtniß dieser Unglücklichen auslöschen? Warum nicht auch diese Beraubten vom Gut dieser Räuberbande schadlos halten? Warum nicht auch dem Nebel einen Schlagbaum setzen, und verhüten, daß diese Greuelthaten sich nicht irgend anderswo aus Mode und unbestraftem Egoismus wiederholen sollen? Warum nicht ferner die Räuber exemplarisch bestrafen? Oder sind wir damit schon befriediget, daß wir die Zielscheibe sind von beiden Parteien hier, Weißen und Rothen, die sich darin vereiniget, neben ihrem interessirten Zweikampf unser Leben und Gut zu opfern? — Sagt nicht Matthäi 12, 33 „Den Baum erkennt man an der Frucht"? Nun, wenn Europa jetzt die Greuelthaten in Kalerasch und Verlad erfahren wird, wird es nicht so heißen: Rumänien ist mit hundert Jahren verfrühet zu seiner Constitution gelangt; ihm wäre es vielleicht besser, viele Jahre noch unter dem drückenden Joche des Absolutismus zu seufzen; ihm stände es besser, lange lange noch vernünftig regiert zu werden, aber nicht zu regieren. Jst's unsere Schuld, daß Rumänien in Europa als intolerant und wild verschrieen wird? Haben wir etwa Rumänien diese Blame in Europa gegeben? Jst's nicht vielmehr Rumänien allein, welches sich diese tiefe unheilbare Wunde geschlagen? Ist vielleicht schon diese unsere Klage Sünde? Nein! Das Krümmen kann dem in Stücke zerhauenen Wurme' unmöglich verboten sein! — O Du Heiland (der Christen der du Matthäi 5, 17 —18 sagest: „Denkt nicht, daß ich gekommen bin, ein Wort nur von den heiligen Büchern Moses u. seiner Propheten zu vernichten. Nein'! mein hohes Ziel ist Ergänzung"), wärest Du jetzt, wie einst, auf Erden, um mit anzusehen die Greuelthaten von Kalerasch und Berlad, wie Deine wahren (?) Anhänger Deines heiligen Glaubens eben diese heilige Rolle Moses, die Du verehrt und vergöttert, auf die schändlichste Art in Stücke zerrissen, ich bin sicher, daß Du in Deinem unbegrenzten Humanitäts-Sinn ausgerufen hättest: „Eine Nation, die solche Greuelthaten „allein übt, oder sogar solche nur duldet, ist eben- „so unwürdig in die Pforten meines Himmelreiches als „in jene der Freiheit eingelassen zu werden; Gott, der „Allvater, verzeihe's mir, ich mag sie nicht, diese Na- „tion, und möge sie auch mir zu Liebe jeden Mitti

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