Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- Seite 91 (sequence 11)
- Language
- German
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Wtz^WWÄMMWWWDW^8W8UFWDWWWW88M8NMMWWM!'lE,'M. 91 das Kaiserhaus wurde die Nationalhymne mitzMusikbegleitung gesungen, wozu die Musikbande des k. k. Husarenregiments vom Herrn Major gratis zur Verfügung gestellt worden. Alsdann wurden im jüdischen Spital 400 Arme mit Speisen und Geld beschenkt. — Wir hoffen, daß auch andere Gemeinden diese Gelegenheit nicht vorüberlassen, in ähnlicher Weise darzuthun, daß wir der Gleichberechtigung längst würdig waren. S. Dachrelberg, Religionslehrer am k. k. Gymnasium. Donausürstenthümer. Bukarest, 15. Januar. Heute eröffnete der Fürst die Deputirtenkammer mit einer Thronrede, aus welcher folgender Passus mitgetheilt wird: Der Fürst erneuert die von seiner Regierung bereits öfter wiederholte Erklärung in Bezug auf die Jsraelitenfrage. Wenn das Land in den früheren Zeiten an den Grundsätzen religiöser Principien festgehalten habe, so werden jene geheiligten Grundsätze nicht im gegenwärtigen Jahrhundert, und unter der Regierung eines Fürsten aus dem Hause Hohenzollern verletzt werden. Von gewisser Seite her habe man versucht, die Frage auf das religiöse Gebiet überzuspielen, und Erbitterung gegen die Israeliten zu erwecken, wie dies noch bei neuerlichen Ereignissen in Calarachi und Barlad zu Tage getreten sei. Man könne jedoch überzeugt sein, daß diese Bestrebungen scheitern werden, denn die Gesetze des Landes geben der Regierung genügende Mitel in die Hände, die Wahrheit zu entdecken, und derartigen Umtrieben ein Ziel zu setzen. Der Fürst wird stets unter den obwaltenden schwierigen Umständen zu gesetzlichen und verfassungsmäßigen Mtteln greifen, wohl überzeugt, daß das Land gewagter und gewaltsamer Experimente müde ist. (Je entschiedener der Fürst hier gegen Gewaltthätigkeiten von unten austritt, desto mehr hätten wir gewünscht, daß er sich auch vollständig klar gegen die Gewaltthätigkeiten von oben, wir meinen im Augenblicke von Seiten der Präsekten und Bürgermeister, ausgesprochen hätte. Hierfür wären wir ihm aufrichtig dankbar gewesen. Redakt.) Bukarest, 13. Jan. Ueber die beiden traurigen Vorfälle in Verlad und Calarasch empfängt L’Echo Danubien zwei Briefe, die hier mitzutheilen eine traurige Pflicht für uns ist. ca Y . 26. December 1867. 7. Januar llä „Die Hand zittert mir, indem ich Ihnen das große Unglück zu beschreiben anfange, das sich jüngst in unserer Stadt ereignete. Ich beeile mich, es Ihnen anzuzeigen, ehe ich von hier abreise, um die Gefahr zu fliehen, welche uns Alle bedroht, denn in Verlad ist ein schreckliches Complot angezettelt worden, alle Israeliten zu tödten, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts. Gestern um fünf Uhr Nachmittag haben sich an tausend Menschen, an deren Spitze mehrere Anstifter waren, mit einer teuflischen Wuth auf die Israeliten geworfen, um diese Unglücklichen bis aufs Hemd auszuplündern. Ich kann den Umfang der Emeute noch nicht bemessen. Ich weiß nur, daß in der Straße, wo ich wohne, der den Israeliten verursachte Schaden sich aus 15,000 Dukaten beläuft. Ich und meine Frau sind fast ganz ausgezogen worden. Alle meine Meubels, Uhren, Spiegel und die anderen Gegenstände, welche sich in meinem Hause befanden, sind vollständig von den Plünderern zerschlagen worden. Alles ist ohne Mitleid zerstört worden, Mobilien wie Immobilien. Alle Fenster und Thüren der israelitischen Häuser sind derartig zertrümmert worden, daß wir uns mit Matten bedecken müssen, um nicht vor Kälte zu sterben. Unsre Synagogen sind bis auf den Grund demolirt und zerstört. Die heilige Schrift wurde zerrissen und mit Füßen getreten. Die reichsten 'Israeliten sind in das tiefste Elend gestürzt worden. Mehrere Geldschränke in den Comptoiren sind mit Gewalt erbrochen und das Geld herausgestohlen worden. Bei dem bekannten Leib Buies wurde der Geldschrank ganz in Stücke gehauen und eine große Summe Geldes und kostbare Gegenstände herausgenommen. Man sieht, daß diese Emeute von' Gott weiß wem! befehligt und dirigirt ward. Wie gesagt, die Hand zittert mir, denn das Unglück ist so groß und so schrecklich, daß es niir ganz unmöglich ist, ihnen unseren Schreck und unser Elend zu beschreiben. Morgen werde ich weiter fortfahren." Folgender Brief ist von dem Mitgliede eines Ge- 5*