Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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richtshofes in Calarasi an einen seiner Verwandten in Bukarest gerichtet, über die Leiden der ünglücklichen Israeliten dieser Stadt: „Gestern Morgen haben wir hier einen Skandal gehabt. Dieser Tage war ein todtes Kind gefunden worden, und es ging das Gericht, man hätte ihm Blut entzogen. Zunächst ging der Dr. Popowitsch, vom Herrn Prokurator begleitet, zur Untersuchung. Als er in das Casino zurückkehrte, sagte er zu Jedem, daß die Israeliten die Urheber dieses Todes wären. Sobald das Volk diese Worte hörte, mißhandelte es in seiner Erbitterung den Rabbiner und zwei andere Israeliten, und wenn nicht gleich im Augenblick Militärgewalt hinzugekommen wäre, so hätten traurige Excesse darauf folgen können. Seit Sonntag sind die Israeliten nicht aus ihren Häusern herausgekommen-, alle ihre Läden sind geschlossen. Das tobte Kind befindet sich an einem gerichtlich versiegelten Orte, im Innern der Kirche, unter Bewachung des Volkes, bis die Commission, welche das Ministerium von Bukarest sendet, an Ort und Stelle eingetroffen sein wird. Jetzt hat sich Alles beruhigt. Die besonderen Umstände, welche diese Affaire charakterisiren, werden erst nach einer genauen Untersuchung sich Herausstellen; erst dann wird sich die Wahrheit zeigen." Es scheint also nach diesem Briese, daß der Dr. Popowitsch der Urheber dieser Scene gewesen ist, und es wäre zu wünschen, daß die Justiz die ganze Strenge der Gesetze auf ihn anwendete, um für die Zukunft die Wiederholung ähnlicher Hetzereien zu vermeiden, welche Rumänien dem Hasse und der Verachtung des ganzen Weltalls anssetzen. Könnten sie nicht vielleicht in der Absicht angestistet worden sein, die Invasion der fremden Mächte herbeizuführen und rechtfertigen? Italien. Rom, 6. Januar. Unter diesem Datum berichtet der Pariser Moniteur: „Nach Schluß der päpstlichen Audienz haben sich der General von Failly und sein Stab, die Gemeinde von St. Louis, die Deputationen der frommen Gesellschaften, der Direktor der Akademie der schönen Künste, Monsignore Forcade, Bischof von Revers, und eine Deputation der Israeliten in den Palast der französischen Gesandschaft begeben, um den Grafen von Sartiges zu bitten an Se. Majestät den Ausdruck ihrer Erfurcht und ihrer Wünsche zu überbringen." Es gefällt also dem Moniteur, die Deputation der römischen Israeliten unter denen aufzuführen, welche dem Kaiser der Franzoson ihre Huldigungen darbrachten, obgleich jene nur aus Pertinenzien Frankreichs, nicht aus italienischen Instanzen bestanden. Da nun durchaus nicht das Geringste bekannt geworden, was etwa Erleichterndes von den drückenden Beschränkungen, welche auf den Juden in Rom lasten, durch die Einwirkung Napoleons bewirkt worden: so kann diese Deputation nur als eine indirekte Mahnung an den französischen Kaiser betrachtet werden, daß er verpflichtet sei, die Beseitigung des Druckes von dem Nacken der römischen Juden zu fordern und durchzusetzen. Wenn nun die römischen Juden selbst und nicht minder die französischen diese indirekte Mahnung in eine dirkekte zu verwandeln nicht im Stande sind: so können wir dies doch in unumwundener Weise. Mit dem Augenblick, wo der König von Italien in Rom einzöge, wären die Juden in Rom von allen Ausnahmegesetzen befreit und sofort völlig gleichgestellt. Nun kommt es auf diesem Standpunkte uns nicht zu, das Einschreiten Napoleons zur Erhaltung der päpstlichen Herrschaft zu kritisiren, wohl aber haben wir das Recht, von ihm die Beseitigung des direkten Unglücks zu fordern, welches durch die päpstliche Herrschaft bewirkt wird, ohne daß die Hinwegräumung desselben der päpstlichen Herrschaft irgend einen Eintrag thun würde. Die römischen Juden verlangen nicht anders behandelt zu werden als die römischen Christen; sie wollen Nichts voraus haben, sondern nur von den besonderen Beschränkungen befreit sein, welche ihnen als Juden die päpstliche Herrschaft auferlegt. Wir können sagen: nicht der Papst, sondern Napoleon ui. ist es jetzt, der diesen Druck auf die unglücklichen jüdischen Bewohner der Tiberstadt ausübt, da Napoleon die päpstliche Herrschaft nicht blos erhält, sondern sie auch ruhig all' diesen Druck ausüben läßt; ihn trifft fortan diese Verantwortlichkeit! Dies will die jüdische Deputation bei dem französischen Gesandten in Rom sagen; sie ist keine Huldigung, sie ist ein Protest!