Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226641--25745-3261254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
89 heit des genannten Collegiums bildenden Gegner, nur ihre politische Parteistellung berücksichtigend, ihn aus sämmtlichen Commissionen zu verdrängen beschlossen hatten. Auf Ihre Frage in der Feuilleton-Beilage zu Nr. 2 d. I., wer jener Michael gewesen sei, der auf dem Reichstage zu Ausburg im Jahre 1547 eine so hervorragende Rolle gespielt hat, erwiedere ich, daß dies jener reiche Michael war, der sich nach der Vertreibung der Juden aus Nürnberg zum Verdrusse des Rathes dieser Stadt in Fürth niedergelassen, später in Frankfurt a. d. O. ein Haus besessen und am brandenburgischen Hofe in großen Ansehen gestanden hatte, im Jahre 1549 gefangen genommen, doch entkommen war, indeß durch einen Sturz von der Treppe in Berlin seinen Tod gefunden hat. Ausführlich haben über diesen reichen Michael berichtet K. in Frankels Monatsschrift 1861, 239 "nd 1865, 425 und Wiener ebendaselbst 1867, 387. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 14. Januar. Vergangenen. Donnerstag hielt der neugewählte Vorstand die erste Plenarversammlung, bei welcher Herr Emanuel Biach als Aeltester den Vorsitz führte. Nachdem derselbe die Versammlung in einer kurzen Ansprache begrüßt hatte, wurde zur Wahl des neuen Präsidenten und Vicepräsidenten geschritten, und wurde von den anwesenden 19 Vorstandsmitgliedern Herr Jonas Ritter v. Königswarter mit 17 Stimmen zum Präsidenten und Dr. Ignaz Kuranda mit 18 Stimmen zum Präses-Stellvertreter gewählt. Nachdem der neugewählte Präses den Präsidentensitz eingenommen, wurden die vier Sectionen durch freiwillige Einzeichnung gebildet, und zwar: Erste Section Bethaus; zweite Section Unterrichts-Anstalten; dritte Section Spital und Wohlthätigkeits-Anstalten; vierte Section Finanzen. Zu Obmännern dieser vier Sectionen wurden gewählt: Brandeis, Kuranda, Goldschmidt und Schiff; zu deren Stellvertretern: Biach, Engel, Frankl, Schey. Nach dieser Constituirung des Vorstandes wurde der von Pollak bereits gestellte Antrag, eine Geschäftsordnung, die bisher fehlte, zu entwerfen, einstimmig angenommen und ein Comits, bestehend aus dem Antragsteller, den Hepren Engel, Frankl, Mauthner und Neustadt, gewählt, welches mit der Ausarbeitung derselben betraut wurde. — Die Bewohner israelitischer Religion im politischen Bezirke Sechshaus, die bisher der israelitischen Cultusgemeinde in Wien angehörten, sind in Folge der neuen Statuten dieser Gemeinde aus dem Verbände losgelöst worden, und sollen nun eine eigene Gemeinde bilden. Einige angesehene Männer im Bezirke haben sich zusammengethan, um an die Constituirung dieser neuen Cultusgemeinde zu schreiten, welche die sämmtlichen jüdischen Familien dieses großen Bezirks, wohl 500 an der Zahl, umfassen soll. Die erste Aufgabe dieser Gemeinde soll der Adaptirung eines der Mitgliederzahl angemessenen Tempels und einer vierclassigen Schule gelten. Pest, 5. Jan. (Privatmitth.) Sie gestatten folgender Notiz einen Raum, da bis jetzt dieselbe in Ihrem Blatte fehlte. Unser Landsmann, der bekannte und renommirte Photograph L. Strelisky ist bei der diesjährigen internationalen Ausstellung für seine gelungenen Chromophotographien mit der Medaille „blention honorable“ ausgezeichnet worden. Die Bilder dieses Künstlers wurden unter allen ausgestellten Photographien als die besten anerkannt, wie dessen Arbeiten schon vor zwei Jahren in der Versammlung der Photographen zu Wien als ausgezeichnet anerkannt und öffentlich belobt wurden. Pest, 14. Januar. Das Justizminsterium hat, um die Frage des Judeneides im Sinne der Gleichberechtigung zu lösen, sich an Rabbi Loew in Szegedin um ein Gutachten gewendet. Aus Galizien, 30. Dec. (Wanderer.) Zur Zeit der nationalen Größe Polens erfreuten sich die Juden einer für die damaligen Verhältnisse relativ erträglichen Stellung. In der Folge schrumpfte aber für die an Rußland und Oesterreich zugesallenen polnischen Israeliten das Maß der Freiheit immer mehr zusammen, und Dank der stets rührigen feudal-ultramontaneu Partei durfte in der Judenfrage Galizien einen Platz neben Tirol einnehmen. Das Jahr 1848 brachte wohl auch hier eine freudige Abwechslung in die peinliche Situation; allein der Strahl verschwand mit der Freiheitssonne, und der Freiherr von Bach brestete seinen mächtigen Schatten bis an die äußersten Marken Galiziens aus. Nirgends vielleicht empfanden die Juden die Stacheln des Concordats mehr 5