Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 leisten hat. Der Capitalfonds des Vereins besteht aus einigen 1000 Th ater n. Auf diese Weise müssen, nach meiner Meinung, die Cultusbcamten versuchen, sich einigermaßen selbst zu helfen, wenn die Gemeinden sich nicht dazu entschließen können, auf den von Ew. Hochwürden in der Z. d. I. Nr. l d. I. vorgeschlagencn Plan einzugehen. Der sogenannte Pestalozzi-Verein unserer Provinz, ähnlich dem von Ihnen vorgeschlagenen, ist erst im Werden begriffen. .r. —. Der in der Stadt Posen bestehende jüdische Vorschußverein hat nach seinem jüngst erstatteten Bericht, auch im abgelaufenen Jahre seinen Zweck, achtbaren Handeltreibenden und Handwerkern zinsfreie Vorschüsse zu geben, in gedeihlicher Weise verfolgt, obgleich seine Mitgliederzahl nur gering ist. Er hat an Darlehen, welche durch kleine wöchentliche Rückzahlungen zu tilgen sind, im Laufe des Jahres 1184 Thlr. ausgegeben, und dadurch das Zugrundegehen manches strebsamen Mannes verhütet. Möchte der Verein ferner gedeihen und wachsen und in jeder Gemeinde ein solcher erblühen. .r. Cassel, 13. Jan. Die „Hess. Morgcnzeitung" schreibt: „Sämmtliche in Cassel vorhandenen Saalbauten haben sich als ungenügend zu der in der Psingstwoche dahier stattfindenden deutschen Lehrer- Versammlung erwiesen. Das Lokalcomitö hatte deßhalb sein Augenmerk auf die lutherische Kirche gerichtet, in welcher zur hessischen Zeit u. A. die Gustav- Adolph-Versammlung abgehalten wurde. Das Vorsteheramt der Kirche stellte dieselbe auch bereitwillig zur Verfügung, das hiesige Consistorium versagte jedoch, man weiß nicht aus welchen Gründen, die Genehmigung. Man hat jetzt die Synagoge in's Auge gefaßt und ist die Benutzung derselben auch unbedenklich zugesagt. So werden denn die Vertreter der christlichen Schule, von denen unsere Orthodoxen immer sagen, sie müsse mit der Kirche Eins sein, nachdem ihnen die christliche Kirche versagt worden ist, im jüdischen Tempel ihre Verhandlungen halten. Es wird dies überall peinliches Aussehen erregen." (Bei den Juden wohl überall Befriedigung!) Hannover, 9. Januar (Privatmitth.) Das von Seiten des hiesigen Magistrat an den Herrn Obercommerzrath Simon vor dessen Uebcrsiedlung nach Wien gerichtete Schreiben lautet folgendermaßen: „Hochverehrter Herr Obercommerzrath! Wir können es uns nicht versagen, vor Ihrem Scheiden aus hies. Stadt auf Ihre gefällige Anzeige vom 23. d. M. Ihnen in wenigen Worten die hohe Anerkennung und den tiefen Dank zu bezeugen, wozu Sie die Stadt Hannover und deren Bewohner sich verpflichtet haben. Die Früchte Ihrer von Gott reich gesegneten langjährigen ernsten Arbeit haben Sie selbst am wenigsten genossen, stets aber haben Ihre Vaterstadt und Ihre Mitbürger Theil daran gehabt. Hochherzigen Sinnes haben Sie die Liebe zu unserer Stadt durch die wirksamste Förderung des Gemeinwohls nicht minder, als durch die reichsten Wohlthaten gegen unsere bedrängten Mitbürger bewiesen — ein seltenes Beispiel von Bürgertugend und echter Menschenliebe! Ein schöneres Denkmal, als in den herrlichen Anlagen, mit denen sie die Stadt geschmückt, ist Ihnen in den dankbaren Herzen aller der Nothleidenden erwachsen, welche Ihre hilfreiche Hand aufgerichtet hat. Den Verlust eines solchen Bürgers, des gerechten Stolzes seiner Glaubensgenossen, muß die Stadt in der Gegenwart doppelt beklagen. Bei Ihrem Scheiden von hier begleiten Sie deshalb — wir dürfen es Namens der gesammten Bürgerschaft aussprechcn, — die dankbarste Verehrung und die aufrichtigsten Wünsche für Ihr und Ihres ganzen Hauses Glück, die verschämte Armuth wird in Ihnen ihren Stillen Wohlthater beweinen. Wie Sie die alte Anhänglichkeit von unserer Stadt auch in der Ferne treu bewahren wollen, so möchten auch wir Sic als einen unserer Mitbürger fernerhin betrachten dürfen, den — so wünschen und so hoffen wir — die versöhnende Macht der Zeit nach kurzer Frist in seine Heimath, iu die Stadt seiner Väter, zurückführen wird." Eine ähnliche, seine Verdienste anerkennende Adresse ist Herrn Obercommerzrath Simon vor seinem Scheiden von hier auch von dem Vorstande der hiesigen israelitischen Gemeinde zugcgangen. Von dem hiesigen Bürgervorsteher-Collegium wurde bei den jüngsten Wahlen der bisherige Schriftführer Herr Behrens zum Bicewortführer und außerdem zum Mitgliede der wichtigsten Allsschüsse und Commissionen ernannt und verdient diese Herrn Behrens seiner Tüchtigkeit und seiner liberalen Gesinnung wegen zu Theil gewordene Auszeichnung um so mehr hervorgehoben zu werden, als seine allerdings die Minder-