Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-28 · Heft 5 (28.1.1868) · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 5 (28.1.1868)
Date
1868-01-28
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226641--25740-3261249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

84 eine große Masse ihre Kinder verhältnißmäßig vorwiegend in die höheren und höchsten Lehranstalten schickt, erweist, theils daß sie selbst einen bedeutenden Bildungsgrad einnimmt, theils daß sie für ihre Kinder das Bedürfniß nach dieser höheren Bildung in ungewöhnlichem Grade empfindet; erweist andrerseits, daß diese Masse durchaus nicht die Tendenz sich zu separiren und zu isoliren hat, sondern gerade trotz ihres zähen Festhaltens an ihren religiösen Institutionen an der allgemeinen und höheren Bildung, an deren Erstrebungen und Erfolgen , an deren Arbeiten und Berufen theil nehmen, in sie aufgehen will. Noch eine andere erfreuliche Bemerkung läßt sich daran knüpfen. So viel sich auch gerade in Preußen in den gewerblichen Verhältnissen der Juden geändert hat, so gehört doch noch immer ein beträchtlicher Procentsatz der jüdischen Bevölkerung dem Handelsstande in allen seinen Abstufungen an. Nun findet das günstige Verhältniß der jüdischen Schülerzahl ebenso auf den Gymnasien, wie auf den Real- und Bürgerschulen, ja noch günstiger statt. Die größere Zahl der die Gymnasien besuchenden Schüler aller Confessionen aber verläßt diese nicht, um auf den Universitäten zu studiren, sondern um sich anderen Lebensberufen zu widmen. Es geht also daraus hervor, daß die Juden ihre auch für den Handelsstand bestimmten Söhne einer höheren Bildung theilhaftig machen lassen, wodurch selbstverständlich sowohl die Individuen als der ganze Stand eine höhere Stufe einnehmen, einen bedeutenderen Aufschwung erhalten. Das Novemberheft des „Centralblatt für die gesummte Unterrichts-Verwaltung in Preußen" bringt eine General-Uebersicht über die Frequenz der Gymnasien, der Realschulen und der höheren Bürgerschulen und der mit denselben organisch verbundenen Vorschulemwährend des Sommersemesters 1866. Es war dies also noch die Zeit vor der Annektirung der neuen Provinzen. Andrerseits legen wir die Tabellen des k. pr. statistischen Bureaus in dessen Zeitschrift Jahrgang 1866 zu Grunde, und zwar nach der. Volkszählung vom 3. December 1864. Damals bewohnten den preußischen Staat unter 19,254,649 Seelen 260,756 Juden. Es war demnach der 73. Mensch jüdischer Confession. Hiernach mußte bei gleichmäßiger Frequenz der höheren Lehranstalten seitens der Bevölkerung von allen Coufessionen der 73. Schüler jüdischer Religion sein. Wie war nun das wirkliche Verhältniß? In den Gymnasien befanden sich 47,178 Schüler, darunter 3858 Juden. Demnach war schon der 12. Schüler Jude, also gab es sechs Mal mehr jüdische Schüler auf den Gymnasien, als nach der Bevölkerung auf die Juden kommen sollte. Die Vorschulen der Gymnasien wurden von 5160 Schülern besucht, darunter 612 Juden, folglich schon der 8. Schüler ein Jude. Auf den Progymnasien befanden sich 207 1 Schüler, darunter 103 Juden, so daß nur der 20. Schüler Jude war, und auf den Vorschulen zu diesen waren unter 154 Schülern 6 Juden, also der 25. Schüler Jude. Es ergiebt sich hieraus, daß das Verhältniß der jüdischen Schüler mit der Höhe der Bildungsanstalt wächst, ein Umstand, der auch durch die folgenden Angaben erhärtet wird. — Denn auf den Realschulen erster Ordnung befanden sich unter 18,208 Schülern 1,696 Juden, so daß also schon der 10. Schüler ein Jude war, und auf den Vorschulen zu diesen unter 3404 Schülern 276 Juden, also der 12. Schüler. Weiterhin auf den Realschulen zwe iter Ordnung unter 1917 Schülern 160 Juden, also der 12. Schüler, und auf den Vorschulen zu diesen unter 404 Schülern 22 Juden, also der 18. Schüler. Dagegen wurden die „höheren Bürgerschuleu" von 3132 Schülern besucht, darunter 187 Juden, also der 17., und die Vorschulen zu diesen von 806 Schülern, darunter 32 Juden, also der 25. Schüler ein Jude. — Die Gesammtschülerzahl auf allen diesen Lehranstalten war demnach 82,434, und darunter 6952 Juden. Es war also der 12. Schüler ein Jude, folglich sechs Mal so viel Juden als Christen nach Verhältniß der Bevölkerung. — Interessant wird aber auch die Frage sein, wie sich dieses Verhältniß in den einzelnen Provinzen herausstellt? Wir suchen dasselbe auf, beschränken uns aber, um nicht zu weitläufig zu sein, auf die. Gymnasien und die Realschulen erster Ordnung. In der Provinz Preußen ist der Jude die 7 5. Seele, aber auf den Gymnasien (505 unter 7040) der 14., auf den Realschulen erster Ordnung (232 unter 2870) der 12. In der Provinz Posen ist der Jude schon der 22., auf den Gymnasien aber (667 unter 3399) ist er schon der 5. und ganz ebenso auf den Realschulen (364 unter 1716). In Brandenburg ist der Jude der 72. Mensch, auf den Gymnasien (813 unter 8139) der 10. und ebenso auf den Realschulen (402 unter 4118). — In Pommern ist der Jude erst der 110. Mensch; dennoch aber auf den Gymnasien (307 unter 39561, der 12., also 9 mal mehr jüdische als christliche Schüler, auf den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.