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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-28 · Heft 5 (28.1.1868) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 5 (28.1.1868)
Date
1868-01-28
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 den Staaten fortwährend viele Millionen an Geldopfern auf, und jede neue Erfindung auf diesem Gebiete macht die alten Waffen unbrauchbar, und fordert die Anschaffung der neuen. Wer kann berechnen, wie viele Milliarden die Erfindung des eben verstorbenen Dreyse der europäischen Völkerfamilie gekostet hat und noch kostet? Und doch kann der nächste Tag wieder etwas Neues bringen, wie denn jetzt schon die preußischen Zündnadelgewehre von den französischen Chassepots völlig übertroffen sein sollen. Diese Lasten der stehenden Heere und ihre Ausrüstungen müssen den Völkern unerschwinglich, also unerträglich werden. Man vergleiche, was für den gegenwärtigen Nvthstand in Preußen, Frankreich und England von Staatssciten geschehen kann gegen das, was für den geringsten Theil des Kriegsbedarfs geschieht und geschehen muß, um sich dies zu veranschaulichen und einzusehen, wie unüberwindlich die Abneigung der gesammten Volksmasien gegen diese Zustände werden muß. Diese Möglichkeit des Krieges hat außer den direkten Lasten aber eine noch größere, tiefer gehende Wirkung auf den Erwerbs- und Besitzstand der Völker. Die fortschreitende Civilisation und die außerordentlich gewachsene Verbindung unter den Völkern hat einen unermeßlichen Austausch und damit einen Anwachs der Produktion hervorgebracht, der von außergewöhnlichen Folgen begleitet sein mußte. Einentheils wurde, hierdurch der ganze Besitzstand der Nationen in Capitalien für die Produktion verwandelt, andrerseits ein großer Theil der Arbeit und damit des Erwerbes und der Ernährung des Volkes auf die industrielle Produktion verwiesen, wodurch endlich die Schäden, die immer noch aus dem antiken Sklaventhum und der mittelalterlichen Leibeigenschaft heraus auf dem Volke lasteteten und lasten, beseitigt zu werden beginnen; schließlich wurden dadurch die Verhältuisse aller, auch der entferntesten Völker so in einander verwoben und verwachsen, daß die einen völlig von den andern abhängen. Es ist einstchtlich, daß in der ersten Phase dieser ungeheuren Entwickelung dadurch ein fast schwindeliger, jedenfalls sehr schwankender, fester Basis und Normen noch entbehrender Zustand bewirkt werden mußte, so daß das Ganze sehr reizbar und für jede Berührung höchst empfindlich ward. Hier hinein greift nun diese Befürchtung des Krieges, getragen von den immerwährend steigenden Rüstungen, so wie von einer künstlichen, in Schlangenwindungen sich bewegenden Politik, die sich aller Berechnung entzieht, und bringt unübersehbare Schäden hervor. Da Nahrungs¬ und Besitzstand zu einem sehr großen Theile nur von der Produktion und deren Verwerthung abhängt, da überall das Besitzthum zu einem großen Theile in Werthpapieren liegt, die ihren Werth lediglich in dem allgemeinen Vertrauen besitzen, so sind Verlust und Hunger die Folgen jeder Stockung in einem Umfange, der sich von einem Ende der Erde bis zum andern fühlbar macht. Wohlan, hierin liegen die Aussichten auf den allgemeinen Bölkerfrieden. Von der einen Seite die immer tiefer wurzelnde Anschauung von der Unsittlichkeit und Nutzlosigkeit des Krieges, von der anderen Seite die Unerträglichkeit seiner Lasten und Wirkungen geben die reelle Bürgschaft, daß das Ende solcher Zustände nicht allzu fern mehr ist, daß der Völkerfrieden bereits den Fuß erhoben hat, um aus dem Reiche der Idee in das der Wirklichkeit überzugehen. Ueber das Wie? brauchen wir uns nicht auszulassen. Hier spinnt am besten die Wirklichkeit selbst ihre Fäden aus. Unsere Sache ist nur, alle diese Vorstellungen täglich mehr zum Bewußtsein der Menschen bringen zu helfen. Aeber den Gesuch der höheren Lehranstalten durch jüdische Schüler in Preußen. Wir rechnen es uns als einiges Verdienst an, daß wir schon früher aus den statistischen Tabellen des preußischen Unterrichtsministeriums durch Vergleichung mit der allgemeinen Statistik des preußischen Staates nachgewiesen haben, in welchem außergewöhnlich günstigen Verhältniß die Gymnasien, Real- und höheren Bürgerschulen von jüdischen Schülern besucht werden, so daß proportionirlich fünf bis sechs Mal so viele Judcnkinder jene höheren Schulen besuchen als Christenknaben. Der Umstand ist zu wichtig, als daß wir nicht öfter darauf zurückkommen sollten, und da uns heute abermals der Stoff zum Nachweise vorliegt, so stellen wir diese Berechnungen noch einmal an, und zwar dctaillirter. Warum er wichtig ist? Er zeigt zunächt factisch, daß die gesammte jüdische Masse nicht blos theoretisch das volle Recht auf Gleichberechtigung besaß, sondern auch durch ihren Geist, ihre Richtung, ihren Bildungsgang den unbedingten Anspruch darauf hatte. Daß 5* ü

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