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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-28 · Heft 5 (28.1.1868) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 5 (28.1.1868)
Date
1868-01-28
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 abstreifen: das Dogma selbst mit seinem großen Inhalte bleibt davon unberührt und hat daran nur insofern ein Interesse, als es sich durch diese klarere Anschauung, durch diese Befreiung von allen Phantastereien immer vernunftgemäßer und folgerichtiger darstellt. Und dies ist freilich kein kleines Interesse. Denn wenn im verflossenen Jahre die Idee des Völkerfriedens durch den Genfer Friedenscongreß wieder mit einem bösen Nebel umgeben wurde, so geschah dies nur durch die falsche Vorstellung, als ob jener durch einen allgemeinen Umsturz, durch eine Spaltung der ganzen Gesellschaft in zwei große, auf Tod und Leben sich bekämpfende Parteien erreicht werden könne. Dieser, der ganzen Idee widersprechende Wahn brachte den Congreß zum Falle. Aber von solchen unbedeutenden und vorübergehenden Nebeln hängt der Aufgang der Friedenssonne nicht ab; sie hebt sich langsam aus dem Schoße der Nacht, aber unwiderstehlich. Wenn wir jene altorthodoxe Vorstellung von den, dem Völkerfrieden vorangehenden Weltstürmen als irrig bezeichneten, so wollten wir damit nicht sagen, daß in ihr nicht auch etwas Wahres liege. Die Geschichte lehrt uns häufig genug, daß, um ein Uebel zum wirklichen Falle zu bringen, sehr häufig die immense Ausdehnung des Uebels das sicherste Mittel ist. Es liegt dies in der Natur der Menschen, die weniger von Ideen und Principien geleitet werden, als von den unerträglichen Nachtheilen, die deren Gegensatz herbeiführt. Das Irrige liegt aber darin, als ob das Uebel allein das Bessere zu geben vermöge, während dieses doch längst vorbereitet sein muß, um eben das Uebel unerträglich und als solches allgemein anerkannt zu machen. Es zeigt sich dies ganz besonders an dem Objekte, das wir hier besprechen. Seit dem Brudermorde Kains hat es Kriege gegeben, ganze Epochen, in welchen nichts als Krieg war, so daß wir kaum begreifen, wie in denselben die Menschen immer noch die Werke des Friedens zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu betreiben vermochten. Dennoch, so sehr auch die Kriege wütheten, wurden sie den Völkern niemals so unerträglich wie gegenwärtig. Gab es doch Zeiten, z. B. des dreißigjährigen Krieges, wo nur noch Greise bestimmte Vorstellungen von den Segnungen des Friedens hatten, und das Faustrecht des Mittelalters hatte seine Zeit, wo es den Menschen als natürlich und selbstverständlich erschien. Es muß also beides vorhanden sein: der Krieg muß seine Uebel immens entwickeln, und die ganze Anschauungsweise und die Bedürfnisse der Menschen müssen sich so entwickelt haben, daßsie dem Kriege gänzlich widersprechen, um ihn unerträglich zu machen. Beides ist aber in unserer Zeit so weit der Fall, daß der Widerwille gegen den Krieg immer allgemeiner in den Völkern wird, und jener in sich die Bürgschaft noch weiteren Wachsthums enthält. So möchte es kommen, daß, wie einst die Bürger von Sichern der Räuberzüge ihres Königs Abimelech, trotzdem sie Anfangs Vortheile daraus zogen, so überdrüssig wurden, daß, als er einst ausgezogen, bei seiner Rückkehr er die Thore der Stadt verschlossen fand , dereinst der zurückkehrende Sieger von seinem eigenen Volke hinausgeworfen wird. Wie nahe wir diesem Punkte stehen, kann man leicht und ohne sanguinisch zu sein, erkennen, und darin bestehen eben die reellen Aussichten auf den Bölkerfrieden. Es ist nicht zu verkennen, daß die kriegerischen Neigungen in allen civilisirten Völkern überraschend abnehmen. Es liegt dies nicht blos in der Verfeinerung des sittlichen Gefühls, sondern' vorzugsweise in der Tendenz nach Gleichheit in den Volksmassen. Nur da, wo es Aristokratie giebt, welche die Erziehung ihrer Söhne auf Ausübung des Kriegshandwerks richtet, und die aus den Erfolgen des Krieges den Löwenantheil zieht, wird die kriegerische Neigung gepflegt. Ehrgeiz und Habgier, als die wesentlichsten Antriebe zum Kriege, werden zuletzt doch nur durch ihn für die hervorragenden Individuen befriedigt. Wer aufrichtig nach Gleichberechtigung in der staatlichen und bürgerlichen Gesellschaft strebt, dem erscheint bald der Krieg als das wesentlichste Hinderniß für dieselbe. Was aber dem Kriege entgegentritt, sind die reellen Wirkungen desselben. Je vorübergehender diese sind, desto weniger werden sie eine bleibende Abneigung Hervorrufen, je dauernder, desto unüberwindlicher wird der Abscheu vor ihm. Nun bilden sich aber die Wirkungen des Krieges immer unermeßlicher aus. Es ist nicht mehr der Krieg selbst allein, sondern schon seine Möglichkeit, welche unberechenbare Lasten und Verluste herbeiführt. Diese Möglichkeit erfordert allseitige außerordentliche Rüstungen, und zwar solche, die nicht mit Einem Male abgethan sind, sondern die täglich erneuert und erhallen werden müssen. Die Rivalität der Kriegsherren läßt die stehenden Heere immerfort anschwellen; mit jedem Tausend, das der eine unter die Waffen stellt, verlangt der andere von seinem Volke zwei Tausend. Die fortschreitende Ausbildung der Waffen selbst in unserer erfindungsreichen Zeit legt

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