Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226641--25737-3261246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 5. jfe Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 28. Januar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis *21 Bogen. Preis des Jahrgangs I Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Thlr. Inserate werden mit l*/» Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und'Zeittmgs -Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Friedensarissichten. — Ueber den Besuch der höheren Lehranstalten durch jüdische Schüler in Preußen. — Literarischer Wochenbericht: Berlin, Laupheim. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Bonn, Petershagen, Aus der Provinz Posen, Cassel, Hannover. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Pest, Aus Galizien, Aus Mahren, Rzeszow. D o n anfür ste n th ü - ine rBukarest. Italien: Rom. Feuilleton-Beilage: Das Jenseits nach jüdischer Auffassung. — Die Juden unter den Mormonen. Leitende Artikel. Bonn, 19. Januar. Die Friedensaussichten. Der allgemeine Völkerfr reden, dasist die Herrschaft des Rechts in der gesammten Menschheit, ist ein Dogma unsrer Relgion, aufgestellt vonden Propheten und identisch mit der ganzen Geschichte und der Stellung des jüdischen Stammes in der gesammten Menschheit. Das erstere brauchen wir nicht nachznweisen, denn die vielen Stellen der heil. Schrift, die es aussprechen, sind hinlänglich bekannt. Das letztere lehrt der erste Blick auf die Wirklichkeit. Zerstreut unter alle Nationen der Erde, Glieder derselben geworden, bieten die Söhne dieses Stammes das eigenthümliche Schauspiel, daß sie in den Kriegen sich gegenseitig zu bekämpfen haben, wider den Zusammenhang und die Einigung, die ihnen ihre Abstammung und ihre Religion auferlegen. Andrerseits ist überall ihr Schicksal von der Herrschaft des Rechtes abhängig, und jede Abweichung von diesem rächt sich sehr bald an ihnen. Ist es aber so, ist der dereinstige Bölkerfrieden für die Juden nicht blos eine mehr oder weniger phantastische Idee, oder ein durch Combinationen aus der Geschichte genommener Gedanke, sondern ein Dogma, und zwar eines der bedeutendsten ihrer Religion, ein Dogma, das als unbedingte Consequenz mit dem ganzen Gottesbegriffe des Jndenthums untrennbar verbunden ist: so muß es für uns immer wieder einen Gegenstand der Betrachtung und der Diskussion abgeben. Uns kann es in dieser Beziehung nicht irre machen, ob Hoffnungen auf baldige Verwirklichung sich vor unseren Augen als Täuschungen ergeben, ob Friedeuslignen und Friedenscongresse kommen und verschwinden — das Dogma bleibt stehen, wie unsere Religion selbst, und der treibende Gedanke, den es enthält, will immer wieder durchdacht werden, will immer wieder zum Ausspruch kommen. Wir brauchen hier nicht zu wiederholen, worauf wir jüngst erst den Nachdruck gelegt, daß dieses Dogma sich nicht auf „einen jüngsten Tag," ein „Weltgericht" stützt, daß für uns die Vorstellung der naiven Orthodoxie von den voraufgehenden „Leiden" mnd Stürmen der Welt kurz vor dem Eintritt dieses Bölkerfriedeus nicht mehr besteht, daß vielmehr derselbe ein Ausfluß der menschengeschlechtlichen Entwickelung sein werde, welche die göttliche Vorsehung seit dem Beginne des Menschengeschlechtes hat beginnen und fortführen lassen. Jene Vorstellungen sind Hüllen des Dogmas, welche die Zeiten weben und