Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1868)
- Date
- 1868-01-21
- Page
- Seite 79 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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n Nur sind eS da drei Brahmanen, die um ihre Kunst und Magie zu zeigen, einen tobten Löwen beleben, der sie dann zerreißt. — Wir haben hier also dieselbe Relation wie im Midrasch. Bei den Brahmanen ist es die angewandte Magie, die so schlecht belohnt wurde, während bei der jüdischen Sage der Glaube an die geheimen Kräfte der Natur, deren Geheimnisse man nicht ungestraft enthüllt, den Stoff geliefert hat. Bei der griechischen Darstellung ist es auffallend, daß Jemand eine Schlange am eigenen Busen erwärmen soll, da die Schlange von allen Menschen gefürchtet und gehaßt wird. Nur Schlangenbeschwörer geben sich mit derlei Dingen ab. Correspondeuz. Cincinnati, 26. November 1867. Mit wahrem Vergnügen haben wir Ihr Urtheil über den zwischen Dr. Jastrow und Wise obwaltenden persönlichen Streit in Ihrem geschätzten Blatte No. 42 gelesen. Sie beurtheilen hierin beide Seiten ganz richtig, und Ur. Jastrow hat in einer so eben erschienenen dritten Brochüre Ihre Worte getreu abgedruckt. Nur eins hätte ich Ihrem Urtheil über Wise hinzuzufügen, d. i. die Leichtfertigkeit in der Redaktion seines Blattes, besonders die stiefmütterliche Behandlung der deutschen „Deborah." Ich nehme als Beispiel die letzte Nummer des eben erwähnten Blattes und frage Ihre europäischen Leser, was sie wohl dazu sagen würden, wenn Ihnen so Etwas als eine Allgemeine Zeitung des europäischen oder des deutschen Judenthums geboten würde, wie wir es hier in der „Allgemeinen Zeitung des amerikanischen Judenthums", jede Woche zu lesen bekommen. Die Allg. Zeitung des amerik. Judenthums enthält vier kleine Folioseiten, von denen die letzte mit Annoncen gefüllt ist. Das Blatt beginnt mit einem Gedichtchen. Das ist amerikanische Sitte. Kein periodisches Blatt darf sichohne diesen Toilettenschmuck in die Welt hinauswagen. Ein Wochenblatt ohne Gedichtchen, wäre wie eine Dame - ohne Crinvline. Auf das Gedichtchen folgt ein Stück! von Struensee's „Geheimnisse des Glücks", die nun schon mehrere Monate lang löffelweise den Lesern der Allg. Zeitung des amerik. Judenchums geboten werden. Es ist zwar nicht zu begreifen, wie dieser Roman in ein jüdisches Blatt kommt, da vielleicht das einzig Jüdische darin eine jüdische Carrikatur ist. Aber die Leserinnen der „Deborah" wollen eine Leihbibliothek sparen, und es l ist genug, wenn sie in sechs Monaten einen Roman aus- I lesen. Zwar sollte man meinen, daß ein jüdisches Blatt I jüdisches Nationalgefühl genug haben, sollte, um wenig- I stens einen jüdischen Roman oder doch nur das Produkt I eines jüdischen Autors seinen Lesern mitzutheilen. Phi- Ilippson's Bearbeitung des David Alroi oder desselben IVerfassers Jacob Tiradv würde wohl ebenso spannen l und noch mehr interessiren, als die Geheimnisse des Glücks; aber dann würde ja die amerikanische Welt erfahren, daß außer dem Redacteur der Deborah noch jüdische Schriftsteller in der Welt vorhanden sind. Dem Romane folgt in der hier in Rede stehenden Nummer des genannten Blattes ein Aufsatz über das in eine Religionsschule verwandelte Talmid-Jeludim-Jnstitut in Cincinnati, über den wenigstens soviel Löbliches zu sagen ist, daß er ein jüdisches Thema behandelt und soweit ein Brief von Dr. Bettmann darin angeführt wird, in gutem Deutsch geschrieben ist. Sodann folgt unter dem Titel: Aus der Zeit der Reaction, eine kleine Arbeit von Dr. Kayserling. Da dieser Herr seinen Aufsatz durchaus nicht für die „Deborah" geschrieben hat, so hätte man wohl erwarten sollen, daß die Quelle, aus der geschöpft ist, Ihre „Allgemeine Zeitung des Judenthums", angegeben würde. Doch über solche Kleinigkeiten*) wollen wir nicht mäkeln. Der Aufsatz ist interessant und wir sind für die gesunde Nahrung dankbar. Nun beginnt die Rubrik: Nachrichten, mit dem Motto: 71 “ot nüT nro. Unter der Unterabtheilung „Ausland" befinden sich einige das Judenthum betreffende Nachrichten aus Hamburg, Berlin, Stuttgart re., unter diese hat sich auch ein Bericht über die vom Geh. Kirchenrath Pilsen geleitete Beerdigung des Dichters Julius Mosen in Oldenburg verirrt >der niemals Jude war). Das Inland geht diesmal ganz leer aus, dafür aber sind die Miscellen und Anekdoten desto zahlreicher. Das Verbrennen der Frauen in Indien, die Geistesabwesenheit des Dramaturgen Pipeuricout, die Blutegel als Barometer und zwei Witze von einem Fräulein und vom Tode, und endlich zwei Rebus beschließen den Reigen. Doch nein, ich irre mich. Dem ersten Glücklichen, der die beiden Rebus auflöst, wird mit einem bedeutungsvollen „Händchen" eine Novelle als Prämie verheißen, und endlich wird ein bartloses Jüngelchen mit Namen und Wohnort als Errather des Näthsels der vorhergehenden Nummer in die literarische Welt ein geführt! Das ist der reiche Inhalt der „Allg. Zeitung des amerik. Judenthums". Ist dieses Blatt auch das amerikanische Judenthum? Fast möchte man's nach der Abonnentenzahl dieses Blättchens zu schließen meinen. Ueber die andern jüdischen Zeitschriften das nächste Mal, wenn Sie's erlauben. M—. Leser. *> Ob es eine Kleinigkeit ist, immerwährend aus einer anderen Zeitung zu entnehmen, ohne die Quelle anzugeben, überlassen wir der Beurtheilung der Leser. In allen anderen Verhältnissen nennt man den unerlaubten Gebrauch des Eigenthums eines Anderen — Diebstahl! Redaction-