Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-21 · Heft 4 (21.1.1868) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 4 (21.1.1868)
Date
1868-01-21
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226640--25722-3261230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67 felhäft, Leide Formen passen der- Bedeutung nach nicht gerade für einen Frauennamen; ob er sich sonst bei Arabern findet, ist mir unbekannt, mir fehlen in diesem Augenblicke die Mittel, um etwaigen Aufschluß zu finden. Die Eulogie San ist aufzulösen*): nnmsa ’nn 1122 tnach Jes. 58, 8) „es sei ihre Ruhestätte Herrlichkeit," s. Zunz: Zur Literatur und Geschichte, S. 345. Dieser Gelehrte giebt als ältesten Beleg für diese Formel erst das >3. Jahrhundert an; demnach giebt unser Grabstein den Beweis, daß sie schon viel früher in Gebrauch war. Die zweite Eulogie, nach dem Namen des Vaters, m"i bedeutet: larran fiirp ni-i (nach Jes. 63, >4) „der Geist des Herrn brachte ihn zur Ruhe." Auch für den Gebrauch dieser Eulogie ist unser Stein der älteste Beleg, während Zunz a. a. O. erst aus dem 10. Jahrhundert einen solchen anzuführen weiß (vrgl. a. a. O. S. 355). Er meint, n-'S wird bei den Juden in Spanien, in der Provence, dem Orient, wie auch bei den Karäern eine Begfeitungsformel für den angeführten Namen eines Verstorbenen, insonderheit wenn der Todesfall noch im Andenken des Schreibenden war. Nach Sapir (in der zu Paris erscheinenden hebräischen Zeitschrift: Libanon II, S. 62, Nr. 4) gebrauchen die Juden Jemen's diese Formel im ersten Jahre nach dem Hinscheiden. Das Datum nach der Aera der Contrakte, d. i. der seleucidischen, einer unter den Juden sehr verbreiteten**), hat auch bei den Juden Jemens Eingang gefunden und sie rechnen noch heute nach derselben***), während an anderen Orten schon früher dieselbe *) Nicht aber mit Playfair „many will pray for ever (for him).“ **) Die Mischnah kennt bereits diese Aera, ja der Thalmud behauptet (Aboda Sarah fol. 10, a) -nba dtjv '2bnb Nb« ■pai» v>« „in der Diaspora zählt man nur nach griechischen Königen," d. h. nach seleucidischer Aera (vgl. auch Jebamoth fol. 91, b, Gittin 80, a). Sie wird rrnuicb genannt, weil man in allen Contr akten sich ihrer bediente, und scheint es, als wenn diese Aera bei den morgenländischen Juden und in Aegypten noch lange in Gebrauch geblieben wäre, nachdem die abendländischen statt ihrer die nach der Schöpfung der Welt angenommen hätten. Es bedurfte daher der ganzen Autorität berühmter Rabbinen, z. B. eines David ben Simra (Anfang des 16. Jahrhunderts), um diese letztere auch in Aegypten.einzuführen, s. besten Rechtsgutachten ed. Livorno Nr. 94 und Grätz, Geschichte der Juden IX, S. 24. ***) Sapir a. a.O. (der Reisebeschreibung) S. 61, 1, fg. In Ehepakten, Scheidebriefen und selbst in den Kalendern der jemenischen Juden ward diese Aera die mit der nach der Schöpfung vertauscht worden ist. Wahrscheinlich haben die Juden diese Zeitrechnung bei ihrer Einwanderung in Jemen schon mitgebracht, obgleich auch die Möglichkeit vorhanden, daß sie dieselbe in früher Zeit von den Landesbewohnern, zur Zeit, als noch Himjaren die Herrschaft führten, angenommen*) und sie dann noch beibehalten hätten, als diese die muhammedanische einführten, weil man religiöse Skrupel gegen den Gebrauch „nach der Flucht des Propheten Muhammed" hegte und auch sonst drückende Gesetze die Juden von den übrigen Landesbewohnern bis zum heutigen Tage fern hielten.**) allein herrschende. Im Jahre 1859, als Sapir in Jemen sich aufhielt, schrieb man 2170 der Contrakte (2170—311—1859); auch in Malabar will der genannte Reisende diese Zählung bei den Juden vorgefunden haben. *) Auf den bis jetzt bekannt gewordenen himjarischen Denkmälern treffen wir eine Datirung in bestimmten Zahlen an zwei Stellen, bei Fresnel (Journal asialique, Sept. 1845, Nr. 1 (=Crutlendam III) und am Schlüsse der Jnschr. von Hisn Ghoräb), welche, nach der Ansicht einzelner Gelehrten, die seleucidische Aera bezeichnen soll. Vgl. Reinaud: Memoire sur Ie commenccmenl el la fin du royaume de la M&ene etc. p. 73. **) Ausführlich spricht darüber Sapir an vielen Stellen seines Werkes. Es ist, nach den vielen Beweisen, welche dort von der gedrückten Lage der Juden in Jemen gegeben werden, auch nicht zu verwundern, wenn diese den übrigen Landesbewohnern an Unkenntniß der früher in Jemen herrschenden Schrift und Sprache nicht nachstehen. So erzählt Sapir (a. a. O. p. 103, 6): „Als wir bei einer Ruinenstätte (in der Nähe von 'Amrün) vorüberkamen, wurde ich aufmerksam gemacht, daß an diesem Orte vor einem Jahre im Schooße der Erde beim Graben eherne Tafeln aufgefunden worden, bedeckt mit einer unbekannten Schrift und Sprache, und befanden sich auf diesen Tafeln Bilder von verschiedenen Thieren, die, wie es scheint, mit früherem Götzendienst in Verbindung gestanden haben. Man hat diese Monumente zerschlagen und zu Geräthen das Erz verwendet. Meine Bemühungen noch etwas von den Ueberresten zu retten, oder doch die eine oder die andere Tafel unversehrt anzutreffen, waren bei dem großen Eifer der Juden die Zeichen des Götzendienstes zu vernichten vergeblich." Man beachte, daß gerade an derselben Städte, zu Amrän, die meisten der kürzlich veröffentlichten infchriftlichen himjarischen Denkmäler (bronzene Votivtafeln) gefunden worden sind. Ohne Zweifel war hier ein großer Tempel der Hauptgottheil der Himjaren und gewiß ist die Hoffnung noch weitere Reste desselbenbei gründlicher Nachgrabung zu finden, keine eitele.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.