Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 4 (21.1.1868)
- Date
- 1868-01-21
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
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60 die Partei der Zeitungen „Trompete", und „Nation," d. h. derjenigen des Herren Bolliac, den Impuls zu diesem Unfall gegeben hatte. Man sagt auch, daß die Regierung alle nöthigen Maßregeln getroffen hätte, um diese unglückliche und abgeschmackte Bewegung niederzudrücken und die Anstifter dafür zu strafen. Hierzu kommt ein Telegramm der Wiener „Presse" aus Bukarest vom 9. Januar, das also lautet: In Balard ist es abermals zu Judenexcessen gekommen. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, die Juden hätten den Priester Varnav, der plötzlich erkrankt und gestorben war, vergiftet. Man fiel in Folge dessen über die Juden, drang in ihre Wohnungen und richtete bei einzelnen bedeutenden Schaden an. Die energischen Maßnahmen der Regierung verhinderten jedoch weitere Ausschreitungen. Der General-Procurator von Fokschani hat sich sofort an den Thatort begeben, um die Untersuchung einzuleiten. Es scheint, daß der Urheber dieser Unruhen in der über den Ausfall der Wahlen verstimmten Reactions-Partei zu suchen ist. Möge der rumänische Herr Minister des Innern sich selbst sagen, welches der beiden Momente seines Rundschreibens eine größere Wirkung gethan: daß er die Verfolgungen gerechtfertigt hat oder daß er zur Vorsicht gemahnt! Literarischer Wochenbericht. Breslau, im Decbr. Jüdische Grabsteine aus Aden. Bon Prof. 0r. M. A. Levy.*) In dem Hefte der Photographien himjarischer Inschriften, welche Colonel-Lieutenant Playfair zusammengestellt, befindet sich auf der letzten Seite eine Photographie, welche bezeichnet ist: „Jewish tomb stone found at Aden, in the possession of Caplain K. L. Playfair. Size 171/2 inches by 15 inchcs.“ Es folgt darauf eine Uebersetzung in englischer Sprache ohne hebräische Umschrift), welche in vielen Punkten das Richtige trifft, in andern jedoch von der Wahrheit abirrt. Die leicht lesbare Schrift des Steines lautet in der jetzt üblichen hebräischen Quadratschrift: *) Aus der „Zeitschrift der deutschen-morgenländischen Gesellschaft," Bd. XXI. klwnn inabis nnfbj NS082 OpNLN NSTLN NTplM na sa'n «nwa irrörifi aiun rasn Tönn iptn rr"i Tn o^aus «Tm DTB 3« ivninb 3,’< VT nnuwb u'o „Versammelt in ihr ewiges Haus wurde die Greisin, die keusche, fromme, liebevolle Maschta (ihre Ruhe sei in Ehren!), Tochter des frommen, demuthsvollen, guten, gottesfürchtigen Greifes David (der Geist des Herrn leite ihn!) am 12. Tage des Monats Ab, im Jahre 29 der Contrakte." Der Anfang ist in der Photographie nicht ganz deutlich, daher Herr Playfair auch vermuthet: „U may read: enter ye,“ doch ist an der von uns gegebenen Lesung nicht zu zweifeln, da auch andere jüdische Grabsteine, welche man zu Aden gefunden hat (s. weiter unten), in gleicher Weise beginnen. Nach eben denselben haben wir'auch vor rra ein b ergänzt, das ganz gut dem Sinne nach und in den Raum zwischen nsos« und rra paßt, aber in der Photographie nicht zu erkennen ist. Der Name der verstorbenen »n»a ist kein hebräischer, und man muß wohl an das Arabische denken, da auch noch andere arabische Namen bei den Juden in Jemen beliebt waren und noch sind. Derselbe Name «niva findet sich auch in der kürzlich erschienenen Reisebeschreibung*) Iben Safir (tbd p«) von Jakob Sapir, als der der Mutter eines berühmten und von seinen Glaubensgenossen hochverehrten Dichters**) religiöser und weltlicher Lieder in arabischer und hebräischer Sprache um das Jahr 1570. Ob man denselben C ✓ Cs nun arabisch oder lesen soll, ist uns zwei- *) Der ausführliche Titel dieses sehr interessanten in hebräischer Sprache abgefaßten Buches lautet: in« mn ,tpo T (onsta soa) on man« aair tbö warum ürbiaoi« mznnn yn« /»bo nw nrna /]aw 'nn «d'aw pm irdwiT rtna-ipt Erster Theil, Lyck 1866, herausgegeben im Selstverlage des Vereines M'kize Nirdamim. Dieser 1. Theil beschäftigt sich vorzugsweise mit Aegypten und Jemen. Auch die weiteren literarischen Nachweisungen, sowie Besprechung und Mittheilung archäologischer Funde sind für den 2. Theil aufgehoben. **) S. Sapir a. a. O. 82, a: ,,'rrw bs ob«o «rnaa lato rpT -p." Im Verlauf des Werkes werden verschiedene Gedichte von ihm mitgetheilt.