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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-14 · Heft 3 (14.1.1868) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 3 (14.1.1868)
Date
1868-01-14
Page
Seite 59 (sequence 19)
Language
German
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59 Commendatore Jsacco Artom. biographische Skizze. *) Commendatore Jsacco Artom ist in Asti geboren. Sein Vater war ebenso ausgezeichnet wegen hoher Gesinnung als wegen seiner ungewöhnlichen Bildung und tadellosen Rechtschaffenheit. Die frühzeitige Entwickelung der Geisteskräfte des Knaben erweckte bei seinen zärtlichen Eltern sowohl als bei allen die ihn umgaben, die günstigsten Erwartungen für seine Zukunft. Das reiche Vermögen seiner Familie und die zu jener Zeit noch sehrbeschränkte bürgerliche Stellung der Israeliten in diesen Provinzen, waren die Veranlassung, daß der wißbegierige Knabe und Jüngling den literarischen und philosophischen Unterricht im Lyceum von S. Alessandro in Mailand genoß. Von diesem mit allen möglichen Auszeichnungen entlassen, erklärte er seine Neigung für das Studium der Rechte, und bezog im November 1847 die Universität zu Pisa. Allein in ihm paarte sich die Liebe zur Wissenschaft mit der edlen und heiligen Vaterlandsliebe, und als Italien im Frühjahr von 1848 in seinen nationalen Bestrebungen vom großherzigen Carl Albert unterstützt, zu neuem Leben erwachte, und die langjährigen Ketten zu brechen sich anschickte, die ihm von der Fremdherrschaft angeschmiedet waren, so war der junge Artom nicht unter dcn Letzten, welche im Universitätsbataillon unter dem Befehle des berühmten Montanelli standen, fest entschlossen mit Arm und Herz im Anschluß an die tapfern Piemontesen gegen die österreichischen Krieger zu kämpfen. Dieses Vorhaben konnte jedoch unser vortrefflicher Artom nicht ausführen, da er auf dem Marsche unwohl wurde, und durch die Sorgfalt des befehligenden Professors der Pflege einiger Landsleute anvertraut wurde. Wieder hergestellt, begab er sich nach Hause zu den Seinigen, und Dank den freisinnigen Anordnungen, deren endlich in jenen Tagen die Israeliten gleich ihren christlichen Mitbürgern theilhaft wurden, konnte er in der Folge seine Studien an der k. Universität zu Turin fortsetzen, und im Jahre 1853 das Doctorat der Rechte erlangen. Er practicirte hierauf in der Kanzlei des Armen-Procurators beim Appellations- Hofe von Turin, und nebenbei privatim beim Advokaten Commendatore Galvagno, überstand ohne Schwierigkeit im November 1855 die Concursprüfung beim Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, und trat in dessen Dienst als Volontär. Vier Jahre ungefähr arbeitete er unverdrossen darin, ganz versenkt in Bemühungen für die delikate und schwie¬ *) Bedacht unsere „Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens" immerfort zu vermehren, ersuchten wir unfern gesch. Corrsp. in „Oberitalien" uns auch eine Skizze des berühmten Diplomaten abzufassen, der unter den Celebritäten aus den Reihen unserer Glaubensgenossen einen so ehrenvollen Platz einnimmt. Redaktion. rige Laufbahn, die er mit Begeisterung betreten hatte; er verfertigte seine Arbeiten mit all der Genauigkeit und Geistestiefe, welche in diesem Zweige mehr als in anderen erforderlich sind. Allein die ruhige und stetige Fortentwickelung seines tüchtigen Geistes blieb nicht unbeachtet. Cavour, dem nichts und niemand entging, erkannte den Werth unseres Volontärs in seinem ganzen Umfange, achtete und liebte ihn, was wohl viel bedeuten mag. Von jenem Zeitpunkte an sah der wackere Artom den Strahl seiner glanzvollen Zukunft. Der große Minister, welcher das wahre Verdienst, wo er es auffand, sogleich für das allgemeine Beste benutzte, berief im Februar 1859 den jungen Israeliten zum Chef seines besondern Cabinets. Es ist Niemandem unbekannt, wie reich jenes Jahr an politischen und Kriegsbegebenheiten war, und welche schwere Last diplomatischen Wirkens in jenen Tagen Cavours unerschöpflichen Geist beschäftigte. Nun, unser Artom war einer von den äußerst Wenigen, wenn nicht der Einzige, der sich rühmen konnte, in jene tiefen Geheimnisse ein geweiht zu sein, und er theilte mit dem unermüdlichen Minister die späten Nachtarbeiten, die großen Freuden, und sagen wir es rund heraus, die großen Schmerzen, welche von den hohen Stellungen und großen Begebenheiten unzertrennlich sind. Einem solchen Verdienste fehlte es auch' nicht an Anerkennung durch äußere Auszeichnung, und der Name des Cavaliere Artom ward einerseits ein Gegenstand gerechten Stolzes für seine angesehene Familie, für seine Glaubensgenossen und die Vaterstadt Alfieri's, andererseits zur Zielscheibe ohnmächtiger Schmähungen der verbissenen clericalen „Armonia", welche ihrer verhaltenen Wuth durch sarkastische Verunglimpfung Artom's Luft machte, diese aber auch eben so sehr auf den großen Mann ausdehnte, der ihn durch sein Wohlwollen ehrte. Jedoch Cavour, den eben so die religiöse Intoleranz wie deren Vorkämpfer anwiderten, schrieb in der „Opinione" eine von ihm selbst Unterzeichnete Apologie unseres bescheidenen Artom, und nannte diesen Angesichts von ganz Italien seinen Freund und Vertrauten. Es war im Jahre 1861, als die italienische Regierung, die in Artom nicht nur einen ausgezeichneten Ministerial-Beamten, sondern einen tüchtigen im Schatten des edlen Cedernbaumes, der gerade damals zum allgemeinen Bedauern dahinfiel, emporgewachsenen Diplomaten erblickte, ihn als Gesandtschafts-Secretär bei einer außerordentlichen Mission absandte, mit welcher der Senator Graf Arese beim Kaiser Napoleon betraut wurde. Der durchdringende Blick dieses Monarchen erkannte alsbald im Cav. Artom die seltenen Gaben, die ihm nicht unbedeutende Ehrenbezeigungen in den Tuilerien verschafften; und ihn zum Officier der Ehren-Legion ernennend, zählte ihn Napoleon III von jenem Tage an zu der nicht zahlreichen Schaar seiner Günstlinge. Es dauerte in der That nicht lange, und es bot sich wieder eine Gelegenheit dar, um die Beweise des kaiser-

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