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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-14 · Heft 3 (14.1.1868) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 3 (14.1.1868)
Date
1868-01-14
Page
Seite 60 (sequence 20)
Language
German
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60 WEN HHOWMWWWW lichen Wohlwollens zu erneuern; denn im März 1862 ward der ausgezeichnete Cavaliere als erster Secretär der italienischen Legation nach Paris berufen. Es war dieß für ihn ein eben so glanzvoller als fördernder Schritt in seiner Laufbahn, welcher Italien von der schnellen und bewunderungswürdigen Entwickelung des jungen Diplomaten Kunde gab, und von seiner politischen Ausbildung sowohl im Ausals im Inlande Zeugniß ablegte. Seine Anwesenheit in Paris war damals jedoch nicht von langer Dauer, denn im December jenes Jahres berief ihn der Minister Farini zum Chef des Cabinets des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten nach Turin. Welche bedeutenden Vortheile die italienische Regierung von einem solchen Diplomaten hatte, wird hinlänglich dargethan, wenn wir erwähnen, daß die wichtigsten Aufträge gerade ihm zugetheilt wurden, während die anerkennenden Ehrenbezeugungen in demselben Grade sich bei ihm häuften. So war es im Oktober 1864, als er mit den Insignien eines Commendatorsder hh. Mauritius und Lazarus decorirt, zum Posten eines Legations-Rathes in der Hauptstadt an der Seine erhoben wurde; und im Mai 1866 zum residirenden Minister promovirt, Unterzeichnete er als Bevollmächtigter des Königs Victor Emanuel den Münzvertrag zwischen Italien, Frankreich, der Schweiz und Belgien. Drei Monate später gab die Negierung des Königs dem Commendatore Artom einen der höchsten Beweise ihres Zutrauens, indem sie ihn mit General Menabrea nach der österreichischen Residenzstadt schickte, um den Friedens- und Cessions-Tractat von Venedig abzuschließen. Die erleuchtete und einsichts- und kraftvolle Thätigkeit, die er bei jenem wichtigen Acte an den Tag legte, welcher der italienischen Krone die Erwerbung eines ihrer schönsten Edelsteine eingebracht, wurde auch von unserm würdigen Monarchen besonders anerkannt, und auf edle Weise belohnt; denn Artom ward zum Groß-Officier der hh. M. und L. erhoben, und im Jänner 1867 znm außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister ernannt, in welcher letzteren Eigenschaft unser Artom gegenwärtig beim dänischen Hofe accreditirt ist. Die seltene Hochschätzung, die dieser ausgezeichnete Diplomat genoß, erntete für ihn hie und da bei den achtunggebietendsten Regierungen der beiden Erdhälften verdiente Auszeichnungen, und im diplomatischen Jahrbuche ist Commendatore Artom mit folgenden auswärtigen Orden verzeichnet: Commendatore der Ehrenlegion von Frankreich - - - - Belgien - - - v. Leopold v. Oesterreich Officier des Rosen-Ordens von Brasilien - des Nichan Jftiar-Ordens des Bey von Tunis Ritter des spanischen Ordens von Carl III. In diesen kurzen Andeutungen werden die vorzüglichsten glänzenden Punkte eines noch jungen Lebens, das aber seinem Vaterlande bereits höchst wichtige Dienste geleistet hat, blos berührt. Die ungemeine Bescheidenheit unseres Artom und das besondere Zartgefühl seiner würdigen Familie, gestatten es uns nicht, alle politischen, bürgerlichen und häuslichen Tugenden, die ihn schmücken, zu kennen, und um so weniger solche aufzuzählen; diese müssen jedoch nicht gering und sehr selten sein, da er von Cavour bis zu seinem letzten Athemzug so innig geliebt wurde, und das Wohlwollen und die Achtung der höchststehenden Männer des In- und Auslandes genießt, ohne deßhalb gegen die Gefühle der Blutsverwandschaft und der Freundschaft auch nur im mindesten gleichgiltiger zu werden. Möge der Himmel ein so kostbares Leben dem Wohle unserer Halbinsel, dem gerechten Stolze seiner Glaubensgenossen und der Liebe seiner frommen Mutter und geehrten Brüder noch lange erhalten, und möge die israelitische italienische Familie unter allen jenen der großen Nationen mit Genugthuung darauf Hinweisen, daß sie Hunderte ihrer Söhne nicht nur dem Waffenruhme, und der Ehre der Wissenschaft zuführte, sondern auch der höchsten Stufe der Diplomatie einen Artom. Kuriosum. Aus Glogau wird nachstehender tragikomischer Vorfall gemeldet: Als in vergangener Woche Generalmarsch geschlagen wurde und die Garnison aus allen Enden und Winkeln der Stadt mit militärischer Hast zusammenströmte, da geschah es, daß ein Mann durch eine Abtheilung Cavallerie überritten wurde und, mit Schmutz bedeckt, auf dem Straßenpflaster besinnungslos liegen blieb. Ein menschenfreundlicher Officier hatte den Unglücklichen kaum bemerkt, als er auch sofort einen Arzt' zur Hilfeleistung herbeirief. Der Stabsarzt, Herr Dr. Blaß, erschien, betrachtete den Verunglückten und that, aus Grund des Nasenbefundes (der Verunglückte hatte eine etwas markirte gebogene Nase) den Ausspruch: „Ist ein polnischer Handelsjude! man bringe ihn ins jüdische Spital!" — Und es geschah also: vier Mann luden den Besinnungslosen auf ihre Schultern und brachten ihn ins Judenhospital. Hier wurde er von Schmutz und Blut gereinigt und sorgfältig behandelt, bis er zur Freude des Arztes wieder zur Besinnung kam. „Wo bin ich?" fragte er erstaunt seine Wärter. — „Im jüdischen Hospital!" — „Aber mein Gott, wie komme ich hieher?" — Man erzählte ihm, was vorgefallen sei, und daß man ihn als Juden hierher dirigirt habe. Der Patient lächelte trotz seiner Schmerzen nnd schüttelte den Kopf. „Sind sie kein jüdischer Handelsmann?" fragte der Arzt. Der Patient schüttelte abermals den Kopf. „Nun, wer sind Sie denn?" — „Ich bin der Rittergutsbesitzer und geheime Legationsrath Jordan I" war die Antwort. Der Herr Rath soll sich bereits auf dem Wege der Besserung befinden und keineswegs darüber ärgerlich sein, daß er, seiner Nase wegen, in die Hände jüdischer Samariter gerathen ist. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr, H. Lohe.

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