Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-14 · Heft 3 (14.1.1868) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 3 (14.1.1868)
Date
1868-01-14
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226639--25706-3261213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

52 schossen, wofür sie eine die Freiheit symbolisirende Statue aus carrarischem Marmor zur Aufstellung in der Halle des Landhauses anfertigen lassen werden, gießt dem als judenfeindlich berüchtigten „Pesii?_hii-nök“ (Pester Bote) Veranlassung zu neuen Ausfallen gegen die Juden. Das klerikale Blatt berstet fast vor Gift und Galle über die Unvermeidlichkeit der Emancipation (dieses „malum necessarium,“ wie es sich ausdrückt) und will nicht glauben, daß die Israeliten die für sie unschätzbare Emancipation mit einem, elende 20,000 Gulden kostenden Monumente werden verewigen wollen, was übrigens, wie der klericale Schleppträger boshafter Weise hinzufügt, auch nicht nöthig sei, da die ungarische Nation die Epoche der Emancipation auch ohne Statue nie vergeffen werde.) Ja wohl, die segensreichen Folgen gemeinnütziger Thätigkeit der gleichberechtigten Israeliten werden den wichtigen Zeitpunkt der Emancipation dem Lande stets gegenwärtig halten. In diesem Sinne acceptiren wir deine boshafte Bemerkung, du liebenswürdiger „Hirnök!") „Diejenigen, welche mehr Geld besitzen, als die übrigen Millionen Landesbewohner insgesammt (!!)," fügt das Organ der Reaction in seinem Aerger hinzu, „können die Nation nicht mit einem solch' geringfügigen Geschenke verletzen wollen." (Als ob die Landesnation, für die Ausfolgung der Jahrhunderte hindurch unrechtmäßiger Weise vorenthaltenen Menschenrechte von den Juden ein Geschenk erwartete oder beanspruchen könnte!!) Doch brechen wir ab, und überlassen wir jenes Schandblatt seinem Aerger über den Sieg des Zeitgeistes. — Das sogenannte Militärgränzgebiet nimmt bekanntlich in dem constitutionellen Ungarn noch immer eine exceptionelle Stellung ein*). Im Lause des vorigen Monats wurden auf Anordnung des Wiener Kriegsministeriums beim Agramer Generalcommanvo commissionelle Berathungen über die Regelung des Wehrsystems und die Erweiterung der Erwerbsfähigkeit gepflogen. Wie nun ein Telegramm meldet, hat sich die betreffende Militärcommission für unbedingte Zulastung der Erwerbsfähigkeit der Juden daselbst ausgesprochen. — In Mehadia (Militärgränze), wo sich die weltberühmten Herculesbäder befinden, empfanden bie; während der Badesaison daselbst weilenden Israeliten schon längst das Bedürfniß eines Gotteshauses. Einige derselben, *) Das Aufenthalts- und Wohnrecht der Israeliten ist daselbst bis auf einige Städte und selbst in diesen auf eine gewisse Anzahl Familien beschränkt. deren Namen mir entfallen sind, wandten sich mit einem bezüglichen Bittgesuche an den Kaiser, und wie von unferm constitutionellen Monarchen nicht anders zu erwarten war, gestattete er den Bau und schenkte zugleich den Bauplatz zu dem Tempel aus ärarischen Mitteln. Während der Justizminister Horvath, wie wir bereits in unserem Berichte III erwähnten, die Geschwornenfunktion in seinem Erlasse an die Communität der Stadt Debrezin als eine Pflicht der dazuQualificirten darstellte, und demgemäß die sofortige Conscription der betreffenden Israeliten anbefahl, meint nun die Repräsentanz des obgenannten, nicht eben als liberal bekannten Stadt, daß es nicht billig sei, Denjenigen Pflichten aufzuerlegen, denen man bisher noch keine Rechte gegeben. (Prächtiger Vorwand!) Und indem die Vertretung der Stadt erklärte, der Anordnung des Ministers Folge leisten zu wollen, beschloß sie zugleich, dem Reichstage in dieser Angelegenheit eine Repräsentation zu unterbreiten. Die Herrn können es also nicht verschmerzen, daß ihrer Unduldsamkeit Schranken gesetzt werden. Nun der Reichstag, dessen sind wir sicher, wird ihre Repräsentation ack acta legen. Vom 18. bis 20. v. M. fand die Conscription der für Geschwornengerichte qualaficirten Pester statt. In der Theresienstadt ließen sich blos 27 einschreiben, darunter 17 Israeliten, in der Franzstadt 14, davon 12 Israeliten. — Das „Pesti Naplö“ brachte aus Nagy- SurSny die Nachricht, daß die ungar. orthodoxen Rabbinen am l 3. v. M. beim dortigen Rabbiner eine Conferenz abhielten, in der sie beschlossen, an den Kaiser eine Monstrepetition gegen die Emancipation abzusenden. Diese Nachricht, welche uns gleich unwahrscheinlich dünkte, wurde jedoch in einem an genanntes Blatt gerichteten vom 24. Novbr. datirten Schreiben des vr. Hildesheimer, Rabbiner zu Eisenstadt, dementirt, indem, seiner Angabe nach, jene Berathung blos behufs Feststellung des Modus für die Bertheilung der Unterstützungsgelder an arme, nach Jerusalem ausgewanderte Glaubensgenossen abgehalten ward. Zugleich macht Dr. H. die jedenfalls erfreuliche Bemerkung, daß es Verläumdung und einfältige Insinuation sei, daß die „altgläubigen" Rabbinen gegen die Emancipation wären. — Mittels kaiserl. Handschreibens wurde Frau Elisabeth Goldberger aus Altofen (welche, wie bereits früher erwähnt worden, zweiundzwanzig Tausend Gulden ö. W. zu nationalen Zwecken widmete) in Anerkennung ihrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.