Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1868)
- Date
- 1868-01-14
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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46 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Potsdam, 30. Dec. (Privatmitth.) Das gestrige Fest des hundertjährigen Bestandes unserer Synagoge ist in würdigster und erhebendster Weise vor sich gegangen. Schon vor dem gestrigen Tage waren von Seiten mehrerer Gemeindemitglieder reiche Geschenke für den Tempel eingegangen. Damen haben einen neuen Vorhang für die h. Lade — Purpursammt mit schwerer, geschmackvoller Silberstickerei — gewidmet; ein Herr eine außerordentlich kostbare silberne Krone für die Thorarolle. Gestern, Sontag um 4 Uhr begann man die Feier. Se. kgl. Hoheit der Kronprinz wurde erwartet, seine Wagen waren telegraphisch am hiesigen Bahnhofe bestimmt, aber er kam nicht. Der Cultusminister Wühler ist krank, und hatte sich entschuldigen lassen. — Dagegen waren der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, der Präsident des Regierungsbezirkes Potsdam, der Chefpräsident der kgl. Oberrechnungskammer, der Polizeidirektor von Potsdam, zahlreiche Regierungsräthe, der Oberbürgermeister unserer Stadt u. s. w. erschienen. Aus Berlin waren die Rabbiner Hr. Dr. Aub und Rosenstein angelangt. Der Tempel war von dem kgln. Obergärtner von Sanssouci geschmackvoll ausgeschmückt und mit Gas erleuchtet. Der Musikdirektor Lewandowski, der Chordirigent der berliner isr. Gemeinde, leitete den Gesang von 17 Männerstimmen, der in Begleitung eines Harmoniums vorzüglich ausfiel. Den tiefsten Eindruck aber machte die einstündige Predigt des Rabb. Dr. Tobias Cohn über 5. Mos. 32, 7, welche allgemeine Begeisterung hervorrief und dem Redner auch von Seiten der hochgestellten Gäste die lebhaftesten Glückwünsche eintrug. Um acht und einhalb Uhr begann ein Souper von 200 Gedecken. Der erste Toast wurde von Hrn. Dr. Cohn auf den König ausgebracht, der zweite von Hrn. Dr. Aub sehr sinnig und schön auf den Fortschritt. Die Feier verlief in gehobenster und befriedigendster Weise. Leipzig, 5. Januar (Privatmitth.) Am gestrigen Sterbetage Moses Mendelssohns feierte der hiesige „Mendelssohnverein" wie alljährlich sein Gedächtniß auf eine sehr würdige Weise. Die Festrede hielt in Gegenwart eines zahlreichen jüdischen und christlichen Publikums in dem schön decorirten Saale des „Eldorado" der hies. Rabb. Dr. Goldschmidt. Die nachhaltige bis auf die Gegenwart herab sich erstreckende gewaltige Einwirkung eines Moses Mendelssohn auf die Cnlturentwickelung der deutschen Judcnheit in Propagirung deutscher Sprach- und Denkweise, in zeitgemäßer Rcorganisirung des Cultus und der Schule nach Innen sowohl, als auch in Geltendmachung des Menschenrechtes auf Gleichstellung im bürgerlich-politischen Leben nach Außen, wurde vom Redner durch frappante Erfolge upd thatsächliche Ergebnisse aus dem Leben und Wirken der Jünger und Schüler Mendelssohns nachgewiesen, und die Bestrebungen der nachmendelssohn'schen Regenerationszeit in den Repräsentanten derselben illustrirt. Am Schlüsse dieser Gedächtnißrede feierte auch Dr. Gvldschmidt in würdiger beredter Weise gleichzeitig das Andenken des unlängst verstorbenen R a p o p v r t, erwähnte die inhaltreichen Leistungen R's auf dem Gebiete der jüd. Literaturgeschichte und namentlich dessen Biographien der Geonim, und den essentiellen Werth seiner rationell-kritischen Lichtblicke in diese sonst dunkel gewesene Epoche der mittelalterischen Geschichte Israels. Dieser gehaltvolle Bortrag in Verbindung mit vorhergegangenen und nachfolgenden Gesang- und Musikamü-, sements hoben die Mitglieder und Gäste des Vereins in eine recht angenehme und zugleich feierlich-ernste Stimmung, und man trennte sich mit dem Gefühle geistiger Befriedigung, einer gottesdienstlichen Handlung beigewohnt zu haben. 4(1 vocem Rapoport. Bei der seit einiger Zeit eingetretenen großen Ebbe an interessanten historischkritischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Wissenschaft d. Judenthums (mit Ausnahme der Leistungen v. Grätz und Fürst) wäre doch sehr zu wünschen, daß die zuzückgelassenen handschriftlichen Werke dieses Meisters und Gründers der jüdischen Archäologie recht bald der Oeffentlichkeit durch den Druck überge ben werden. Falls nicht die Freunde und Verehrer des grosen Forschers in Prag selbst aus besonderer Pietät, oder die Familienmitglieder des seeligen R. die. Kosten der Herausgabe dieses dem Vernehmen nach ziemlich voluminösen Nachlasses tragen können oder wollen, so wäre es unstreitig eine würdige Aufgabe des zum Zwecke der Verbreitung wichtiger hebräischer Werke sich längst constituirten Vereins ijrpja den