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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-07 · Heft 2 (7.1.1868) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 2 (7.1.1868)
Date
1868-01-07
Page
Seite 39 (sequence 19)
Language
German
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u gem Gesetz, steht gegen den Fanatismus eines geschmähten, verfolgten, leidenschaftlichen Stammes, List und Gewaltthat, Frevel und verkümmerte Sittlichkeit hier wie da. Noch durch zwei Generationen arbeitete der Eifer der Jesuiten gegen die Juden, ein Kampf von zwei fremden Genossenschaften aus deutscher Erde. Die eine bestand aus den Söhnen der alten Wüstenbewohner. Und gegen diese die Nachkommen des spanischen Edelmannes, der das Ungeheure unternommen hatte, die Seelen der Menschen zu formen wie die Räder einer Maschine, alle höchste Geisteskraft dienstbar zu machen.einem einzigen Zweck, einer Priesterschaft, einem bestellten Obersten des höchsten Kriegsherrn Jesus. Was war dem Levi Kurzhand und dem Kohn Abeles der Loyola und seine Schule? Loyola, wie alt war er? Ihre Väter hatten das Opferthier geschlachtet, dreitausend Jahre, bevor der erste Jesuit ein Judenherz gepeinigt hatte, ihre Enkel, so wußten sie, würden das Opfer darbringen im Reich des Messias nach dreitausend Jahren, nachdem der letzte Jesuit zu seiner Mutter Lilith versammelt wäre. Das furchtbare 8. .1., welches golden aus dem Stein des Collegiums prangte, wie lange konnte es dauern? Zur Zeit ihrer Großväter war es aufgekommen, zur Zeit ihrer Enkel würde es wieder ausgekratzt werden. Was war dem Saamen Abrahams diese neue Erfindung? Ein Schwindel, eine kurze Plage Aegyptens. Stolz sah die katholische Kirche auf siebenzehnhundert Jahre der Siege und Eroberungen, stolzer aber der verachtete Jude auf eine Vergangenheit, welche bis in das Grauen der ersten Erdentage hinaufreicht, denn sein Glaube war schon siebenzehnhundert Jahr alt gewesen, bevor der erste Christ getauft wurde." Der Verf. schildert nun die durch die Wissenschaft, die Toleranz und die Humanität hervorgebrachte neue Bildung unserer Zeit, und schließt: „Diese neue Bildung hat auch die Juden gehoben, ihr Fanatismus ist geschwunden, seit der christliche Eifer aufhörte sie zu verfolgen. Und die Enkel der asiatischen Wanderstämme sind unsre Landsleute und brüderliche Mitstreiter geworden. Die geistliche Genossenschaft der Gesellschaft Jesu aber, schon einmal beseitigt, dann wieder lebendig gemacht, ist bis heut geblieben, was sie am ersten Tage ihrer Einwanderung in Deutschland war, — fremd dem deutschen Leben." Ein Abenteuer Rothschilds. Der brave Rothschild in Paris, welcher gern zu Fuß ausgeht wie ein gewöhnlicher Sterblicher, hatte kürzlich einen weiten Gang unternommen und gerieth schließlich in das Stadtviertel hinter dem Pantheon, das ihm gänzlich unbekannt war, so daß er sich bald völlig verirrje. Anfangs sah er sich einigermaßen unruhig um, er erblickte .aber weder eine Droschke noch einen Omnibus, ja kaum einige wenige Fußgänger; sein Mißmnth über diesen Zufall schwand, als er überlegte, welche amüsante Zerstreuung ihm dies kleine Abenteuer bieten könne, und er begann ganz vergnügt weiter zu schweifen und gleichsam auf Entdeckungsreisen auszugehen, denn dieses Stadtviertel von Paris war für ihn eine ebenso unbekannte Gegend wie Amerika vor der Landung des Columbus für die Europäer. Plötzlich bemerkt er den Laden eines Trödlers, tritt hinzu, beschaut sich das bunte Gewirr von den verschiedenartigsten Gegenständen und entdeckt mitten unter diesem Wust einen alterthümlichen Barometer aus der Zeit Ludwigs des Sechszehnten, der zwar keine Spur, mehr von seiner ursprünglichen Vergoldung zeigte, aber trotzdem im Schnitzwerk noch vollkommen wohl erhalten war. Der Baron ist ein eifriger Liebhaber und Kenner von dergleichen Curiosttäten, und so beschloß er sofort, den Barometer zu kaufen. Der Preis dafür betrug zehn Francs, und ganz erfreut über eine so wohlfeile Requisition, greift Rothschild in die Tasche, um zu bezahlen, — aber o Weh! in der Eile und Zerstreuung hat er zu Hause seine Börse liegen lassen. „Nun, das schadet nichts, ich nehme auf alle Fälle diesen Barometer," sagt er zu der Trödlerin; „schicken Sie ihn mir zu, ich bin Baron Rothschild, man wird Ihnen das Geld in meinem Hotel einhändigen." „Den Namen und die Adresse kenne ich nicht, mein Herr," entgegnete die Trödlerin, „und überdies schicke ich niemals den Leuten Sachen zu, die nicht vorher bezahlt worden sind." Jetzt stand der Baron völlig verblüfft da, denn er hatte sich's nicht träumen lassen, daß Jemand seinen Namen nicht einmal kenne, aber da er einmal bei guter Laune war, so amüsirte ihn dies nur um so mehr, und er stand eben im Begriffe, der Frau einige Aufklärungen über seine Stellung zu, geben, als er auf der anderen Seite der Straße einen Dienstmann vorübergehen sah. Er winkte denselben herbei und frug ihn lächelnd: „Weißt du vielleicht etwas von dem Baron Rothschild?" „Na, das ist aber eine komische Frage, das ist ja unser Geldkönig. Warum fragen Sie mich aber danach?" setzte der Mensch etwas patzig hinzu, da er glaubte, man wolle ihn vielleicht mystificiren. „Weil Madame hier ihm soeben einen Credit von zehn Francs versagt hat," sagte Rothschild, auf die Trödlerin zeigend. „Ist das wirklich wahr, Madame Duclos?" rief der Dienstmann im höchsten Grad erstaunt. „Ja, sehen Sie, Monsieur Pierre, man kann doch aber nicht alle Welt kennen," erwiderte die Trödlerin ganz verlegen. „Sie kenne ich aber, und wenn Sie mir dafür garantiren wollen ..." Bei diesen Worten unterbrach der Baron die Frau durch ein so herzliches Gelächter, daß er sich eine ganze Weile kaum beruhigen konnte. „Nun gut, Monsieur Pierre," sagte er dann noch immer lachend, wenn Sie denn die Bürgschaft für mich übernehmen wollen, so gehen Sie einmal vor allen Dingen

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