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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-07 · Heft 2 (7.1.1868) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 2 (7.1.1868)
Date
1868-01-07
Page
Seite 40 (sequence 20)
Language
German
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40 mir einen Wagen zu holen, und dann tragen Sie diesen Barometer in meine Wohnung." Der Packträger ließ sich dies nicht zwei Mal sagen; er grüßte den Baron sehr respectvoll, schaffte ihm rasch den anständigsten Wggen, den er nur auftreiben konnte, und eilte dann mit dem Barometer in das Hotel des Geldfürsten, wo er für das „übernommene Risico," wie Rothschild sagte, reichlich belohnt wurde. (Gartenlaube.) Uebertritt zum Judenthnm. Aus Wien, v. 27. Dez. schreibt man: Heute Nachmittags fand in der Wohnung des israelitischen Tuchhändlers Sch. in der Stadt die Trauung desselben mit einer zum Judenthum übergetretenen Wiener Bürgerstochter statt. Die Letztere war vor Kurzem noch Verschleißerin in einem Mode-Etablissement am Graben, und ist als eine der schönsten Mädchen in der Residenz bekannt. Sie genoß Unterricht im Hebräischen in Wien und bewerkstelligte ihre Aufnahme ins Judenthum am Seminare zu Breslau, vi. Jellinek, welcher das Paar traute, hielt eine interessante Traurede. — In wenigen Wochen findet abermals eine derartige Trauung statt, und zwar heirathet der Arzt B., israelitischen Glaubens, eine ehemalige Tabakverschleißerin. Correspondenz. Lauenburg i./Pom. 8. December. Der 2. d. Mts. war für die Bewohner unserer Stadt ein allgemeiner Freudentag, der noch lange dem Gedächtnisse derselben verbleiben wird. Die Glasermeister H. Wolfsberg'schen Eheleute feierten am gedachten Tage bei guter Gesundheit ihren fünfzigsten Ehebundestag. Nachmittags fand eine Feier in der Synagoge Statt, der neben den Spitzen der Behörden auch sehr viele Andere sämmtlicher Confessionen beiwohnten. Die Predigt wurde, nach einleitendem Gesänge, vom Herrn Rabbiner Dr. Joel gehalten über Nahmn 2. Cap. Hierauf überreichte Herr Dr. Joel dem Jubelpaare die von der Königin Wittwe demselben gewidmete Prachtbibel in hebräischer Sprache, sowie ein von Sr. Majestät dem Könige eingegangenes Geldgeschenk. Der Jubilar hat als Krieger die Feldzüge von 1813/15 mitgemacht und hob mit Recht Herr Dr. Joel in der Ansprache Folgendes hervor: Immer mehr lichten sich die Reihen der Zurückgebliebenen aus jener großen Zeit, immer weniger werden die Ahnen und Veteranen der Befreiungskriege. Die die Verderben speienden Geschosse verschonten, der natürliche Tod verschont sie nichts fordert unerbittlich seinen Zoll. Es ergehe aber den noch daseienden Kämpfern, wie jenen geheimnisvollen Büchern (den sg. sibyllinischen), die immer im Werthe stiegen, je mehr ihre Zahl abnahm. Nach Beendigung der Feier in der Synagoge begaben sich viele Gratulanten in die Behausung des würdigen Jubelpaares und überreichte eine Deputation der Schützengilde, deren Mitbegründer der Jubilar war, demselben das Diplom als Ehren-Mitglied. Die Gesänge wurden unter Leitung des katholischen Cantors Herrn Klein von unserem Synagogen-Gesang- Berein meisterhaft executirt. I. Br. Eine Anekdote aus dem Jahre 1547. Bartholomäus Sastrow, später Bürgermeister von Stralsund, war als Agent der pommerschen Herzöge zu dem Reichstage gesandt, welchen Kaiser Karl der V. zum l. September 1547 nach der Schlacht bei Mühlberg nach Augsburg ausgeschrieben hatte. Sastrow hat eineausführliche Selbstbiographie geschrieben, welche 1823 von Mohnike in 3 Bänden herausgegeben wurde. Er beschreibt jenen Reichstag, und aus dieser Schilderung heben wir folgende Stelle hervor. — Es war ein ansehnlicher, pompöser Reichstag, denn es waren die Kaiserliche und die Königliche Majestät zur Stelle, alle Kurfürsten in Person mit sehr starkem Gefolge, der Kurfürst von Brandenburg mit seinem Gemahl, der Kardinal von Trient, Herzog Heinrich von Braunschweig mit seinen beiden Söhnen Karl Victor und Philipp, Markgraf Albrecht von Kulmbach, Herzog Wolfgang, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog Augustus von Sachsen, Herzog Albrecht von Baiern u. s. w., Frau Maria, des Kaisers Schwester, und die Tochter seiner Schwester, die Wittfrau von Lothringen, das markgräfliche Frauenzimmer, das bairische Frauenzimmer, item Gesandte fremder Potentaten, sonst viele Bischöfe, Aebte, unzählig viel Grafen, Freiherrn, Reichsstädter, ansehnliche Gesandte, vortreffliche Männer. Daß ich auch den Juden Michael nicht vergesse, der sich auch als ein großer Herr hielt, und auf der Gasse stattlich gekleidet, den Hals voll goldner Ketten auf wohlstaffirtem Pferde ritt; zehn bis zwölf seiner Diener, alles Juden, immer als reisige Knechte angethan, liefen um ihn her; von Person war er ansehnlich, wie man auch sagte, sein wirklicher Vater wäre ein Graf von Rheinfelden. Der Erbmarschall von Pappenheim, ein alter Herr, der nicht scharf sehen konnte, begegnete ihm einmal auf der Gasse und zog vor ihm nicht allein den Hut ab, sondern bog auch die Knie, wie vor einem größeren Herrn als er selbst war. Darnach sah er, daß es Michel Jud gewesen, und bereute die dem Juden erzeigte Ehre mit diesen Worten: „Daß dich Gottes Element schände, alter schelmischer Jude!" Wir fügen die Frage hinzu: wer war dieser Michael? Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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