Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1868)
- Date
- 1868-01-07
- Page
- Seite 32 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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W d n;>S . i’ d'ii' Mir 32 sam constatirt durch die beiden ComitSberichte; er halte die Vorschläge aber so bedenklich, daß er auf Abstimmung darüber dringen müsse; er glaube, daß dem Bundespräsidio dadurch Gelegenheit gegeben werde einzuschreiten, wenn man die Consequenzen der Bundesgesetze durch die heimische Gesetzgebung aufzuheben suche, wie im vorliegenden Falle. Er bedaure, wenn man dazu Veranlassung gäbe, da es besser sei, wenn man freiwillig seinen Pflichten Nachkomme; er wünsche aber das Einschreiten, wenn man den Juden ihre Rechte schmälern wolle; er bestehe auf Abstimmung, weil er es gerade für günstig halte', wenn sich zeige, wie wenig Stände geneigt wären, sich den neuen Verhältnissen zu fügen. Landrath. v. Rieben. Dann wolle Herr Pogge, daß die Stände sich prostituirten. Pogge-Blankenhof. Von Prostitution sei keine Rede gewesen, der Herr Landrath habe kein Recht, seine Worte anders zu deuten, wie er gesprochen. Gerade aus Interesse für das Land halte er es erforderlich, daß die Stimmenzahl constatirt werde. v. Oertzen-Kotelow meint, daß man nur verschiedener Meinung sei über die Consequenzen, die aus den Landesgesetzen sich ergeben. Graf Bernstorff will vermitteln, und es Herrn Pogge erleichtern, von der Astimmung abzustehn; da aber Letzterer auf Abstimmung besteht, so wird der Hauptcomits -Bericht mit 87 gegen 23 Stimmen angenommen. —. Das obige Resultat, und dies muß wohl zur Charakteristik des hiesigen Landes bemerkt werden, von 64 Stimmen Majorität ist vorzugsweise durch die Bürgermeister und bürgerlichen Gutsbesitzer erzielt worden. Außerdem erfährt man aus den Debatten, was ein christlicher Staat sei — nämlich der bisherige mecklenburgische; und so muß der Herr Pastor Müller aus Saucken den norddeutschen Bund anklagen, daß er ihm nunmehr auch dieses Schema eines christlichen Staates genommen hat. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. Dec. (Privatmitth.) Das Grundgesetz ist nunmehr publizirt. Die Freude darüber ist keine allzu lebhafte, denn man fühlt wohl, daß, so groß der geschehene Schritt ist, es doch wesentlich darauf ankommen wird, mit welcher Energie das neue Grundgesetz in das Leben eingesührt und verwirklicht wird. Auch hier ist der konfessionelle Theil nur ein Glied des großen organischen Ganzen, und wenn der versuchte liberale Auf« nnd Ausbau des Kaiserstaates doch wieder scheitern sollte, so würde auch das gedruckte Gesetz den Absolutismus nicht verhindern, allen Gelüsten der Reaktionären, Feudalen und Klerikalen wieder zu genügen. Das weiß man, und man verlangt daher sehnsüchtig nach den Männern, welche das Wort zur That machen sollen. Daß das neue cisleithanische Ministerium einer langen schweren Geburt untersteht, ist just kein günstiges Omen, da es jedenfalls bedeutet, daß dem fertigen Gesetzeswerke noch die fertigen Träger und Vollstrecker fehlen. So war denn auch das Telegramm der „Süddeutschen Presse", welches die Ministerliste als definitiv und den Abg. und Handelskammerpräsidenten Winterstein als Handelsminister angab, völlig verfrüht, ja der Eintritt des letzter» in das Ministerium ist sogar bis jetzt nur wenig ventilirt worden. — Die Wahlbewegungen für den Vorstand der jüdischen Gemeinde waren recht lebhaft, jedoch nur innerhalb einiger hundert Personen, während die große Menge sich sehr gleichgültig verhält. Es wurden wiederholt öffentliche Wahlbesprechungen und Vorwahlen gehalten, in denen vorzugsweise auf die neuen Statuten losgeschlagen wurde. Daß die Sitzungen der Repräsentanz nicht öffentlich sein sollen, wie z. B. in Prag und Berlin, und daß der Eintritt in den Gemeindeverband für jeden Juden, der ein Jahr in Wien sich aufhält, obligatorisch sein soll , hat besonderen Anstoß erregt. Mit der ersteren hätte es der Vorstand ganz ohne Gefahr versuchen können, und die Befürchtung, daß dann zuviel deklamirt werden und diejenigen verstummen würden, die nicht reden können, ist eine eitele, denn die sich einstellende Zuhörerschaft reduzirt sich da, wie auch bei den meisten Stadtrathsversammlungen, auf das allerkleinste Maß. Uebrigens ist sicherlich sehr wünschenswerth, daß neue gute Kräfte in den hiesigen Vorstand eintteten, der in der letzten Zeit wirklich sehr verlebt und veraltet aussah. Wien, 24. Dec. In der General-Versammlung des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien wurde auf Antrag des Herrn Dr. Meyer beschlossen, auch israelitische Schüler der Akademie der bildenden Künste zu unterstützen. Hingegen wurde ein anderer