Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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wird, daß ihnen der nöthige Elementar-Religions-Unterricht ertheilt wird. Es ist dies eine unberechenbare Wohlthat, die so mancher Galizischen Gemeinde zur Nachahmung dienen möge. Der Verein hat bereits 15 Zöglinge ausgenommen, und hat bis nunzu 360 Mitglieder, die ihm ein monatliches Einkommen von 70 — 80 fl. bringen. Der hiesige Bürgermeister Dr. Dittes hat demselben 100 Thlr. gespendet, welcher Betrag als Grundfonds bestimmt wurde. Durch die Engherzigkeit unserer Reichen entbehrt derselbe bis nunzu jedweden äußern Fonds. Das gegenwärtige Verwaltungs-Comits besteht aus 12 Herren, und zwar: aus dem Vorsitzenden 1. Juda Birnbaum, 2. demVice-Vorsitzenden Lasar Bienenfeld, 3. Secretär I. S. Herzog, 4. Kassirer Sal. Deiches junior, und den Ausschußmännern 5. Wolf Jennes, 6. Schiff, 7. Feiwel, 8. Sal. Grünzweig, 9. Alex. Kirsch, 16. Alex. Lebenheim, 11. Eman. Mirthenbaum, 12. I. W. Heidenfeld. Die Predigerfrage ist noch nicht gelöst. Zwar hat der jüdische Ausschuß, der im Magistrats-Bürean tagt, den Betrag von 1600 Gulden für einen anzustellenden Prediger bewilligt (nicht wie in einem jüngsten Bericht dieser Zeitung von hier aus mitgetheilt wurde, daß der Magistrat es bewilligt hat, denn so weit »ersteigt sich der Liberalismus unserer städtischen Vertretung noch nicht), aber die polnische Muttergemeinde, die durch das Gemeinde-Comits vertreten wird, sträubt sich dagegen und wird im äußersten Falle nur dann nachgeben, wenn ihr das Recht der Wahl gelassen wird, was jedoch die Fortschrittsmänner nicht acceptiren wollen. Die Majorität dieser Herren möchte gern einen Polen anstellen, und beherzigt nicht, daß ein solcher hier noch nicht an der Zeit ist. Das Comitö dagegen will, wenn es schon sein muß, nur der Wahl eines in Deutschland ausgebildcten, talmudisches Wissen besitzenden, durch echte Frömmigkeit sich kennzeichnenden Mannes seine Zustimmung geben. Große Chancen hat hier ausgenommen zu werden Herr A. Sidon, Rabbinats- Candidat zu Breslau, der hier während der jüngsten Feiertage als Probeprediger fungirte und ungemeinen Beifall erntete. Herr Sidon ist in der That ein junger strebsamer Mann, begeistert für seinen Beruf, der obendrein vieles talmudische Wissen, was heutzutage selten, mit akademischer Bildung verbindet, und war daher dessen Wahl eine sehr glückliche. H—g. Schweiz. Sl. Gallen, 9. Dec. (Privatmitth.) Die Opferwiüigkeit unserer jungen Gemeinde hat sich neuerdings wieder in glänzender Weise bewährt. Es handelte sich neulich um eine würdige zweckentsprechende Einfriedung des unlängst angekauftcn Begräbnißplatzes, nachdem der hiezu bestimmte Fonds schon durch betr. Ankauf völlig erschöpft war. Nach dem eingeholten Kostenanschlag war eine Summe erforderlich, die der Gemeinde- Verwaltung in Anbetracht der ohnedies schon bedeutenden Ausgaben im ersten Etatsjahre ziemlich bedenklich erscheinen mochte, die aber in Folge einer Generalversammlung bald und ohne Schwierigkeiten aufgebracht wurde. Mit der Herstellung des Friedhofs treten (auf Anregung und Veranlassung des hiesigen Rabbinen Dr. Engelbert) auch zwei Wohlthätigkeitsvereine, ein Männer- und ein Frauen e Verein zum Zwecke erforderlicher Unterstützung in Krankhcits- und Sterbesällen ins Leben. Donaufürsten thümer. Bukarest, 6. Dec. (Privatmitth.) Bekanntlich hat der Fürst Carl die Deputirtenkammer aufgelöst und eine Neuwahl ausgeschrieben. Die letztere giebt nun den Parteien Veranlassung, sich auf's Heftigste zu bekämpfen. Merkwürdig ist nun, daß die sich am meisten gegenüberstehenden, die der Rothen, welcher das Ministerium Bratiano angehört, und die der Bojaren, beide sich Wohlwollen für die Juden vorwerfen, um sich bei der Masse, welche das Stimmrecht ausübt, gegenseitig zu diskreditiren. Die Bojaren sagen, die jetzige Regierung (!) wolle den Juden die von der Verfassung verheißenen Civilrechte gewähren, und die Journale der Rothen werfen den Bojaren vor, die Juden zu schützen. Auf diese Weise wiederholt sich hier das Wort des Patriarchen im Nathan: „Thut Nichts, der Jude wird verbrannt l“ Welche Partei an's Ruder gelangen wird, unsere Aussichten sind schlimm. Wehe uns, wenn sich einmal ein verbrecherischer Bösewicht unter uns zeigt, wie jüngst ein Jude in Constantinopel — das wird ausgebeutet, um alle Juden zu Verbrechern zu stempeln! Das Schlimmste ist, daß unsre Gegner mit einer schamlosen Frechheit alle, auch die