Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 nasium, eine Realschule und ein Pädagogium sich anlehnend, für Rabbinats-Candidaten den vorbereitenden, für Lehramts - Candidaten und Cantoren den befähigenden Unterricht aus der hebräischen Religions-Wissenschaft in einer angemessenen, den Mitteln und Bedürfnissen der mährischen Judengemeinden entsprechenden Weise vollziehen ließe" mit 64 gegen 4 Stimmen beschlossen. Zur Ausarbeitung des Planes und der Detaillirung der Einrichtung dieses Instituts wurde ein Comitü von 15. Mitgliedern gewählt. Dasselbe besteht aus den Rabbinern D,'. Placzek jun., Dr. Duschak, Dr. Oppenheim, Dr. Schmidel, Weiß; aus den Gemeinde-Vorstehern: Karplus, Blau, Dr. Stöffel, Wohlmuth, Löwbeer; aus den Lehrern: Dr. Eisler, Bondi, Conrad, Zborowitz, Portl." Lemberg, 30. Nov. (Presse). In Folge eines Ministerial-Erlasses wurde aus dem israelitischen Schnlfonds eine Subvention für die israelitischen Schullehrer in Galizien bestimmt. Von dieser Wohlthat Gebrauch machend, sind die Lehrer der israelitischen Volksschulen in Lemberg vor drei Jahren um diese Unterstützung eingeschritten, und die Statthalterei hat auch in gerechter Würdigung der obwaltenden Umstände zur Besserstellung der Lehrer das Nöthigc veranlaßt. Leider kamen bald Anzeigen vor, daß die Lehrer diese Subvention nicht benöthigten, indem sie 200, 300, sogar 400 fl. an jährlichen Gehalten beziehen. Endlich hat der israelitische Schulcassier mit seinem Personale ersucht, diese Subvention der Schulkasse zukommen zu lassen, der Schulkasse, in der mehr als 20,000 fl. erspart und, wie es scheint, für die Lehrer künftiger Generationen eingesargt liegen. Und darum sollen 20 arme Lehrerfamilien hier darben, und bei den besten Einkünften der Schule in Roth und Elend leben? Wir hoffen, daß unsere Behörden sich eher der armen Lehrer als der strotzenden Kasse annehmen werden. Wenn es den Lehrern so gut ginge, würde wohl der Stadtmagistrat es nicht für nöthig befunden haben, ihnen Holz für den Winter gegen kleine Ratenzahlungen zu bewilligen. Krakau, im Dec. (Privatmitth.) Es dürfte so manchen Leser dieser Zeitschrift wundern, schon seit geraumer Zeit über die hierländischen Zustände im Allgemeinen keinen Bericht gelesen zu haben. So mancher wird dies der Nachlässigkeit des Correspondeuten zuschreiben, was jedoch nickt der Fall ist. Derselbe ist vielmehr stets gern bereit, seine Feder zu ergreifen, wenn es gilt, den Lesern irgend eine wichtige Nachricht, die im Bereiche des allgemeinen jüdischen Interesses liegt, mitzutheilen, und schmerzt es ihn ungemein, als stiller Zuschauer eines unbeweglichen Lebens sich zu geriren. Wir sagen: unbeweglich, denn abgesehen von dein gewöhnlichen, menschlichen Treiben, zu dem die Mutter Natur unwillkürlich drängt, befinden sich die jüdischen Bewohner Galizien's in einer Letargie, von der sie nur allmählig das Rad der Zeit aufrütteln wird. Die sogenannten Rabbis treiben ihr Unwesen in einer Weise, daß es Einen nur anekelt, darüber zu berichten. Dieselben terrorisiren die galizischen Israeliten im höchsten Grade, denn nicht genug, daß sie ihnen den im Schweiße des Angesichts verdienten Groschen abzapfen, tödten sie obendrein die Geister, und lassen nicht einmal den Schatten eines Lichtes aufkommen. Wenn man bedenkt, wie viel wohlthätige Anstalten gestiftet werden könnten" für das enorme Geld, welches alljährlich den Charlatanen geopfert wird, wie so viele hungrige Familien gesättigt werden könnten, wie dem Proletariat, das alljährlich größere Dimensionen annimmt, durch diese materiellen Mittel gesteuert werden könnte, so kränkt es ungemein, wenn man noch dazu das Bewußtsein hat, daß von oben nichts geschieht um diese traurigen Verhältnisse anders zu gestalten. Herzzerreißend ist es, wenn man erwägt, wie viele Talente dadurch im Keime erstickt werden, und wie unglücklich sich der Besserfühlende inmitten dieser Sippschaft befindet, wo er seine Gedanken verhüllen muß, und in den Posaunenschall dieser Leute miteinzusümmen sich bemüßigt sieht. Wir könnten diese abnormen Zustände noch weiter ausmalen, allein wir unterlassen es und führen lieber den Lesern ein Lichtbild aus dem Leben der hiesigen Gemeinde vor, welches zwar jetzt erst im Keime ist, das jedoch verspricht in der Zukunft einen gewissen Einfluß auf das Vordringen der Cultur hierzulande zu haben. Es ist dies ein vor circa acht Monaten auf Anregung der Herrn I. S. Herzog, Juda Birnbaum, Alex. Lebenheim hier gegründeter Verein zur Unterstützung armer, hiesiger Knaben. Der Verein stellt sich das Ziel dem hierorts wuchernden Proletariat zu steuern durch Aufnahme dieser Knaben unter seinen Schutz, wo dann dieselben an verschiedene Handwerker und Fabrikanten vertheilt werden, und dafür Sorge getragen