Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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d verdient Wohl ganz die hiesige, zu ungefähr 100 Familien herangewachsene Gemeinde, die eine zweiklassige Schule, an welcher die Lehrer Pulvermann und Mendelssohn wirken, mit einem Aufwande von 700 °Thlr. jährlich unterhält, gegenwärtig ein neues Schulhaus mit neuen Utensilien aufführt, und dennoch den Lehrern eine Theuerungs-Zulage votirt hat. Auch einen Rabbiner hat sie jetzt angestellt und hierzu den Di-. Abr. Nager gewählt, der auch bereits seine Antrittsrede in würdiger Weise gehalten hat. Österreichischer- Kaiserstaat. Wien, 17. Dec. Die confessionelle Commission des Herrenhauses hat ihre Berathungen auf den Vorschlag des Ministeriums sistirt, bis ein Unterrichtsminister ernannt sein wird. Dagegen legt der confcssionclle Ausschuß des Abgeordnetenhauses diesem ein Gesetz über die interconfessionellen Verhältnisse der Staatsbürger vor, aus welchem wir bereits die uns interessirenden Artikel in diesem Blatte gegeben haben Prag, im Decemb. iPrivatmitth.) Unlängst haben hier Ergänzungswahlen für das Stadtverordnete n- Collegium stattgefunden, die sämmtlich — bis auf die Joseph-Stadt iehemals Judenst.) — tschechisch ausgefallen. Besonders bedauernswerth ist dabei, daß eine hochachtbare jüdische Capacität unterlegen ist. Das Resultat war aber nach den vorausgegangcnen Maßnahmen des Magistrats vorauszusehen; dieser hatte nämlich aus eigener Machtvollkommenheit eine Reihe deutscher Wähler, unter denen auch viele Juden, aus einem kaum stichhaltigen Grunde, aus der Wahlliste gestrichen, und somit war das Schicksal der Wahl entschieden, che noch ein Wähler zur Wahlurne sich begeben. Wie verlautet, wird die deutsche Bevölkerung der Hauptstadt Schritte thun, um die Wiederkehr solcher Maßnahmen hintanzuhalten. Hoffentlich werden die einflußreichen Männer der Cultusgemeinde nicht unterlassen, von ihrem Ansehen und ihrem Einfluß den rechten Gebrauch zu machen. Wir sind zwar Agitationen nicht hold, sie mögen nationaler oder politischer Natur sein; allein hier gilt es, für seine Existenz, ja — was mehr ist— für die Cultur in die Schranken zu treten, und das ist nicht nur ein Recht, sondern heilige Pflicht. — Zu meinen frühern Berichten bezüglich der Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des verewigten Rapoport habe ich noch nachzutragen, daß Herr Prof. Dr. Kaempf vom Präses der Gemeinde-Repräsentanz im Namen derselben ein Dank- und Anerkennungsschr eiben erhalten hat für seine für den verewigten Oberrabbiner gehaltene Gedächtnißrede, worin Redner die Verdienste desselben als Mensch, als Gelehrter, und als religiöses Haupt der Prager Gemeinde mit gewohnter Meisterschaft geschildert hat. q. — Brünn, 10. Dec. (Privatmitth.» In den kurzen Berichten, welche Sie der mährisch-jüd. Versammlung für jüdische Schulzwecke gewidmet haben, welche vermittelst Ministerialerlasses auf den 30. und 31. October zusammeuberufen war, ist des wichtigsten Berathungsgegenstandes, nämlich der Errichtung eines Proseminars, wenig Erwähnung geschehen. Sie werden wohl daher gern folgenden Bericht aus der „Presse" hinzufügen. „In der Proseminars-Frage platzten abermals die Geister aneinander. Namentlich waren es zwei ans Deutschland berufene geistliche Herren, Guggenheim aus Aussee und Di'. Lipschitz aus Butschowitz, welche im Kanzeltone ihre gegentheilige Meinung der Versammlung anfoctrohiren zu müssen vermeinten. Dagegen erhob sich jedoch ein wahrer Sturm von Entgegnungen und wieder waren es Laien, wie Med. De. Stöffel, Fr. Karplus u. s. w., welche an der Seite erleuchteter Seelsorger mit den Waffen sachgemäßer Erwägungen dem vom Ober - Landesrabbiner und dessen Sohne, Rabbiner Dr. Placzek, ausgegangenen Anträge zum Siege verhalfen. Es war dies keine geringe Arbeit. Dadurch, daß die materiellen Mittel zur Erhaltung dieses Instituts aus dem jüdisch-mährischen Landesmassefonds geholt werden sollen, fürchteten nicht Wenige, welche dermalen aus diesem Fonds eine jährliche Subvention beziehen, bei der nunmehrigen Gestaltung der Dinge eine Einbuße in ihrem Einkommen zu erfahren. Außerdem dünkte so mancher Saul sich als Prophet und wollte keinen vernünftigen Grund dafür gelten lassen, warum unter seiner Obhut sich nicht so ein Proseminar in seiner Gemeinde sollte gründen lassen. Nichtsdestoweniger wurde „die Gründung einer Anstalt, die als ein in sich abgeschlossener, mit Oeffentlichkeitsrecht versehener Schulorganismus, an ein Gym- 1