Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Anterstützungskasftn für jüdische Cultusbeamte, deren Wittwen und Waisen. Praktische Fragen, die noch nicht gelöst sind, müssen immer wieder besprochen werden um ihre Dringlichkeit im Bewußtsein zu erhalten und endlich die angemessenste Art der Ausführung zu finden. Die Nothwendigkeit, daß für die invaliden Lehrer und für ihre Hinterlassenen Etwas gethan werde, brauchen wir nicht zu erweisen. Wir stehen hier vor einem Stück der socialen Frage, die wesentlich darin besteht, daß für Menschen gesorgt werde, deren Kräfte durch die Arbeit verbraucht werden, ohne daß ihr Arbeitslohn im Stande wäre, für ihr Alter oder in allen Fällen, wo sie arbeitsunfähig geworden, und für ihre Wittwen und Waisen genügende Ersparnisse abzuwerfen. Bei den Lehrern oder den Cultusbeamten überhaupt — denn selbst die Rabbinatsstellen sind nur selten so dotirt, daß sie nicht zu derselben Kategorie gehörten — ist aber außer dem Humanitären Momente noch besonders der Grunds hervorzuheben, daß, falls nicht in Bälde für dieses Bedürfniß gesorgt wird, sich immer Wenigere für diesen Stand bestimmen werden, besonders Solche, welche eine genügende Tüchtigkeit sich erwerben. Hier tritt das Dilemma ein, daß die Anforderungen, welche an die Befähigung und Leistungen der Lehrer gestellt werden, immer mehr wachsen, und andrerseits für befähigte Köpfe durch die Entwickelung der Industrie so viele anderweitige Bahnen geöffnet sind, daß bei fortwährenden, ungünstigen Aussichten, der Lehrerstand sich vermindern wird, sowohl dadurch, weil sich weniger Jünglinge für ihn bestimmen, als auch weil sich viele Lehrer veranlaßt sehen, ihren Stand zu verlassen und einen anderen Erwerbszweig zu ergreifen. Die Erfahrung hat dies bereits hinlänglich gezeigt. Wer es also aufrichtig mit dem Judenthum meint, und für dasselbe nicht blos in der flüchtigen Gegenwart, sondern auch dauernd für seine Zukunft sorgen will, der wird an dieser Frage nicht gleichgültig vorübergehen. Er wird bedenken, daß hier gerade eine zwiefache Wohlthatigkeit geübt wird, einentheils für eine Anzahl achtungswerther Menschen, welche einen vollen moralischen Anspruch haben, andrentheils für den gedeihlichen Fortbestand des Judenthums, der auf einer tüchtigen religiösen Bildung der Jugend beruht. Das Bedürfniß hat sich denn auch schon oft genug ans Licht gedrängt. Die Lehrer, die freilich es am meisten empfinden müssen, haben es erwiesen, nicht durch das Wort, das sie darüber klagend ergehen ließen, als vielmehr dadurch, daß sie aus ihren eigenen kargen Mitteln ihr Scherflein dazu anboten. Fast in allen Ländern suchten sie Vereine zu bilden, deren Zweck der obige war. Sie sind bis jetzt alle gescheitert. Wenn auch dieser oder jener dieser Vereine einige Summen zusammenbrachte, auch hier und da schon Unterstützungen vertheilte, so ergiebt es sich doch überall, daß dies ungenügend geblieben. Es stellte sich freilich dabei die Thatsache heraus, daß nur immer der geringere Theil der Lehrer eines Landes sich an diesen Vereinskassen betheiligte. Allein es ist ersichtlich, daß, je größer die Zahl der betheiligten Lehrer wäre, sich auch die Ansprüche in einem Verhältniß mehren würden, daß ihnen noch weniger genügt werden könnte. Mit einem Worte: die Mittel der Lehrer selbst reichen nicht aus, um dem Bedürfnisse in irgend einem nur ziemlichen Maße zu entsprechen. Dies hat sich ja auch bei den bisherigen Lehrer-Pensions- und Wittwen-Kassen, die von Staatsseiten angeordnet sind, erwiesen, und in diesem Augenblicke hat die preußische Regierung an den Landtag die Forderung von 3 Mill. Thlr. gestellt, theils um die Gehälter der Lehrer aufznbessern, theils für deren Pensions- und Wittwen-Kassen. Man rekurrirte daher bei den Juden längst auf. die Wohlthätigkeit der Privaten, und auf Beiträge seitens der Gemeinden. Dieser Anruf ist aber bis jetzt von noch sehr geringem Erfolge gewesen. Es ist dies zu verwundern. Bei dem Wohlthätigkeitssinne der Juden muß man erstaunen, daß die Theilnahme gerade für ein solches frommes Werk so gering blieb; andrerseits daß die Einsicht der Gemeinden nicht weiter ging. Zur Erklärung für den letzteren Umstand kann nur dienen, daß die Zersplitterung der Gemeinden den Sinn für gemeinsames Vorgehen noch wenig hat aufkommen lassen, daf^ hierin in der That eine einzelne Gemeinde nicht viel z/ leisten vermag und die meisten sich darum zurückhalte., weil sie glauben, daß sie einzeln nicht berufen seien, ^r andere Gemeinden Etwas zu thun, die sich nicht heiligen. Die Privaten aber werden in der Rec. erst durch das schon wirklich hervorgetretene Elenden kräftigem Liebeswerke bewogen. Wir dürfen aber^rrch nicht übersehen, daß die Zurückhaltung der Grinden vielleicht auch dadurch veranlaßt wird, d^ chnen die Verwaltung solcher Kassen durch Lehrend Privaten nicht genügend gesichert scheinen mag venn da hierbei der