Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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38. Jahrgang. Allgemeine _M1 „ Zeitvng des Indentlnims. Ein «»parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von /}\ Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«« in^Bvnn. Leipzig, den 1. Januar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, einmal Dienstags, in 2 bis 2lj2 Bogen. Preis des Jahrgangs -1 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit il/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raunr berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupi-Zeitungs-Bur eau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Sieg. — Unterstützungs kaffen für jüdische Cultusbeamten, deren Wittwen und Waisen. — , Literarischer Wochenbericht: Dorpat. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Trier, Aus dem Nctze-Distrikte, Poln. Crone. Oesterreichischer Kurse r st a u t: Wien, Prag, Brünn, Lemberg, Krakau. Schweiz: St. Galten. Donau fürste nthurner: Bukarest. Frankreich: Paris. R uß l a n d: Kurland, Wilna. Correspondenz: Monatsbericht aus Ungarn. IV. Fenilletou - Beilage r Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 23. December. Der Sieg. Mit keiner besseren Nachricht könnten wir diesen Jahrgang beginnen, als mit dem soeben aus Pest eiugelanfenen Telegramm, daß in der Sitzung vom 20. Dec. dieungarischeDeputirtentafeldasGesetzüber die staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Ungarn unverändert und ohne Debatte angenommen hat. Man kennt die lange und fu die Ungarn nicht sehr ehrenhafte Geschichte dieser Glechstellung im Magyarenlande; die vielfachen Anstrengwgen und die oftmaligen Täuschungen, von denen sie zu e-ählen hat — aber durch diese Thatsache einer unbedingte, und debattenlosen Annahme ist Alles gesühnt und, wenn icht der Vergessenheit übergeben, denn die Geschichte darf .ichts vergessen, doch von keinerlei Wirksamkeit mehr. Uebrigen mögen wir auch auf diese «ebattenlose Annahm noch ein besonderes Gewicht legen. Unsre Enkel werden darin ein merkwürdiges Zeichen des Fortschrittes erkennen. Werden sie sich, wenn sie unsre Annalen der letzten 50 Jahre durchlesen, über die Kämpfe wundern, die ein ihnen so einfach erscheinendes Recht gekostet, so können sie den Triumph dieses Rechtes in dem obigen Faktum in einem so unbestrittenen Siege erkennen. Dies aber kann nur als die Folge des Umstandes angesehen werden, daß die Sache der Juden gänzlich von jeden: partikulären Standpunkte entfernt und zum Prinzipe der Glaubens- und Gewissensfreiheit erhoben worden. Für einen wirklich civilisirten Staat kann daher diese Gleichstellung kein Gegenstand einer Debatte sein. Bemerken wir noch, daß mit dieser Gleichstellung in Ungarn auch jener Gegengrund beseitigt worden, welcher z. B. in der Baltischen Monatsschrift vor Kurzem wieder geltend gemacht worden, nemlich daß nur in einem Lande, in welchem die jüdische Bevölkerung schwach gesät sei, diese gleichgestellt werden dürfe. Die jüd. Bevölkerung in Ungarn ist verhältnißmäßig stark: über 400,000 Seelen. So ist denn die Grenzlinie der bürgerlichen Gleichstellung ohne Berücksichtigung der Confessio» wiederum ein Stück weiter gegen Osten verlegt. Während wir dies schreiben erscheinen die Telegramme, welche bemelden, daß am 22. Dec. die „Wiener Zeitung" die Staatsgrundgesetze, insbesondere über die allgeineinen Staatsbürgerrechte veröffentlicht und daß in dem neuen Ministerium Winterstein (Israelit), bisher Abgeordneter und Präsident der Landeskammer, das Handelsministerium übernommen hat. Welche glückliche Erfolge! —