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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-24 · Heft 52 (24.12.1867) · p. Seite 1047

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 52 (24.12.1867)
Date
1867-12-24
Page
Seite 1047 (sequence 19)
Language
German
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chenß von bet goldenen Äungfrau und den Wassern deS Lebens und des Todes findet sich im obengenannten Maasebuch Cap. 143. und zwar in folgender Weise: Einem gottlosen König von Israel riechen die Aeltesten, ein Weib zu nehmen, darum daß er sollte fromm werden. Der König bestellte sie, um ihnen Antwort zu ertheilen, über acht Tage wieder, und als sie da kamen, kam eben ein großer Vogel geflogen mit einem Haare im Schnabel, das wie eitel Gold aussah und so lang wie der König war, nnd warf es auf des Königs Achsel. Da Hub der König das Haar auf und erklärte den Aeltesten, er wolle kein ander Weib nehmen, als die, von welcher das Haar gewesen wäre, und wenn sie ihm die nicht brächten, würde er sie Alle umbringen lassen. Nun lebte damals der Rabbi Chanina, der 7 o Sprachen und die Sprachen der Thiere verstand und beim Könige in großen Gnaden war, weshalb ihm ein Theil der Aeltesten feind war. Diese gaben dem Könige an, er solle dem Rabbi den Auftrag geben, der könne es zu Wege bringen. Der Rabbi erhält den Auftrag und macht sich mit l 2 Gulden und drei Laib Brodes aus. Unterwegs theilt er einem Raben und einem Hunde von seinem Brode mit und läßt einen eben gefangenen großen Fisch, den er zwei Fischern für die l 2 fl. abkauft, wieder ins Wasser. Er kommt endlich in die Stadt der Königin, welcher jener Vogel, als sie sich einmal im Garten gewaschen, ein Haar ausgerupft hatte und trägt ihr des Königs Werbung vor. Sie erklärt sich bereit, mit ihm zu ziehen, wenn er ihr vorher zweierlei zu Wege bringe. Zuerst solle er Wasser ans dem Paradies und Wasser aus der Hölle schöpfen. Wie der Rabbi deshalb rathlos zu Gott betet, kommt jener Rabe, den er vom Hungertod errettet, und redet ihn an und läßt sich zwei Krüglein an die Flügel hängen. Darauf fliegt er in die Hölle und füllt das eine, und vor großer Hitze verbrannten seine Federn, rasch fliegt er zum Bach, der aus dem Paradies fließt und füllt das andere Krüglein, da waren seine Federn wie zuvor. Er bringt dem Rabbi die Krüge und dieser bringt sie der Königin, welche die Wirkung der Wasser an ihrer Hand erprobt. Hierauf stellt ihm die Königin als die zweite Bedingung auf, einen ins Meer gefallenen Ring ihr wieder zu schaffen. Als der Rabbi traurig am Meere betet, kommt der dankbare Fisch geschwommen und verspricht ihm Hilfe. Er schwimmt hierauf zum Leviathan und erzählt ihm Alles, worauf der Leviathan befiehlt, daß der Fisch, welcher den Ring habe, ihn heransgebe. So bekommt ihn der Fisch des Rabbi, schwimmt an das Ufer, wo der Rabbi wartet und speit ihn ans Land. Da kommt aber eben ein wild Schwein vorbei und verschlingt ihn. Wie deshalb der Rabbi jammert, kommt jener Hund, den der Rabbi einst gespeist, läuft dem Schwein nach und zerreißt es. So bringt der Rabbi der Königin den Ring und sie zieht mit ihm nach Israel und gefällt dort dem Könige gar sehr. Wie nun die Aeltesten sehen, daß der Rabbi deshalb in großen Gnaden stand, erschlagen sie ihn heimlich, aber die Königin bestrich ihn mit Paradieseswasier und machte ihn wieder lebendig. Das wollte der König auch versuchen und ließ sich von einem Knechte todtschlagen. Da goß die Königin das Höllenwasser auf ihn und er verbrannte zu Asche, worauf die Königin zu den Aeltesten sprach: Nun seht ihr, wäre der König nicht ein gottloser Mensch gewesen, so wäre er auch wieder lebendig geworden. — Nun ward der Rabbi König und Gemahl der Königin. Daß dieses Märchen der Anlage der Tristansage sehr nahe steht, ist nicht zu verkennen. Die Hauptpersonen, die dort anstreten, sind dieselben, die auch hier uns vorgeführt werden. Die Jungfrau mit den goldenen Haaren ist die blonde Isolde, Rabbi Chanina ist der jugendliche Tristan und der alte König von Israel: Marke. Ebenso ist auch die Haupthandlung in beiden, was Werbung, Heimführung und Herzensverbindung betrifft, eine und dieselbe, und in dem Liebes¬ und Todcstrank, in deren Besitz Isolde ist, erblicken wir das Paradieses- und das Höllenwasser. Ausschmückung und Verlauf sind freilich verschieden und zwar aus naheliegenden Gründen. Unser mehr moralischen Zweck verfolgendes Märchen gefällt sich in der ausführlichen Schilderung der Mittel und Wege, wodurch die Braut gewonnen ward, und hebt die Dankbarkeit der Thiere, oder den Lohn für die den Thieren erwiesene Wohlthätigkeit re. hervor; die Tristansage dagegen verweilt lieber bei der Wirkung des Liebestrankes. — Letztere — die Tristansage — endet tragisch für die Liebenden, sie gehen ln ihrer Liebe zu Grunde und der alte Marke überlebt sie; das Märchen, als solches tragischem Ausgange abhold, endet heiter, der alte gottlose König wird beseitigt und die Liebenden heirathen sich. Dr. H. E. Notiz. Dir Zahl der Opfer nach dem mosaischem Gesetze. Es ist eine bereits öfter gemachte Bemerkung, 'daß in dem mosaischen Opfergesetze unverkennbar die Absicht ausgesprochen ist, die Opfer so viel wie möglich zu vereinfachen. Schon daß, während bei den heidnischen Culten die Opfer aller möglichen Thiere und sogar der Menschen*) verbreitet waren, ebenso wie bei einigen von Kräutern, Blumen und Früchten, das mosaische Gesetz aber nur die vier Arten: Rind, Schaf, Ziege und Taube *) Opsergegenstände des Heidenthums waren z.B. Pferd, Schwein, Esel, Krokodil, Habicht, Wachtel, Huhn, Hirsch, Eber, Hund u. s. w. Menschenopfer fanden auch in Griechenland und Rom Statt und wurden erst von den späteren heidnischen rö-

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