Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1867)
- Date
- 1867-12-24
- Page
- Seite 1039 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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IM 6790 Seelen, welche sie'nach der neunten Abschätzung betrug, nach der zehnten Abschätzung auf 5837 gefallen ist. Und auch hier findet eine Ausnahme statt, nämlich bei den Landleuten, deren Bevölkerung im Gegentheil in demselben Zeiträume zugenommen hat. Den eingezogenen Erkundigungen zufolge geschieht es häufig, daß Juden, welche viele Kinder haben, ihre Söhne einschreiben lassen, als wenn sie anderen Familien ihrer Gemeinde angehörten, welche keine männlichen Kinder haben." Türkei. Adrianopel, II. November- (Arch. isr.) Am 20. October fand hier die Einweihung der französischen israelitischen Schule statt, welche von der Alliance israßlite universelle geschaffen worden. Die folgenden interessanten Details zeigen, daß, wenn die Juden sonst im Orient Unterdrückungen aller Art zu erdulden haben, sie in Adrianopel, wo die größte Toleranz herrscht, geschätzt und geachtet werden. Die Ceremonie begann mit einem Gesänge, der zu Ehren des Sultans verfaßt war, und mit einem türkischen Gebete, das von einem türkischen Professor verfaßt worden. Dann sprach der Direktor der Schule, Herr Felix Bloch, der den Grad als französischer Großrabbiner besitzt, ehemaliger Schüler des Pariser Seminars, eine Rede, in welcher er die Wichtigkeit der Mission, die ihm anvertraut worden, hervorhob. Mst einigen Worten bezeichnet er das Programm der Studien und sprach die Hoffnung aus, von der ottomanischen Regierung unterstützt zu werden, wie er es schon von der französischen ist. Herr v. Courtois, der französische Consul, sprach dem Herrn Direktor seine warmen Glückwünsche aus und ermunterte ihn, mit Eifer an's Werk zu gehen. Dann erhob sich S. E. Kurschid-Pascha, der Gouverneur der Stadt, welcher der neuen Schule seinen Schutz versprach. Einer der Schüler las alsdann eine spanische Rede, welche an die israelitische Bevölkerung gerichtet war. Die Ceremonie schloß mit einem Gesang zu Ehren der Alliance. Zwischen jever Rede hörte mau schöne Militär - Musikstücke. Der Divistonsgeneral hatte die ganze Militärmusik dem Comite der Schule zur Verfügung gestellt. Das ist das erste Mal, daß Adrianopel eine solche Ceremonie gesehen hat, und es ist für unsere Glaubensgenossen eine große Ehre, in einem israelitischen Schulsaale den Gouverneur, Vali, welcher der König der Stadt ist, mit allen seinen Beamten, den Divisionsgeneral mit seinem ganzen Stabe, den Großrabbiner und die Geistlichkeit aller Culten, die katholischen, griechischen und armenischen Bischöfe und alle Notablen der Stadt versammelt zu sehen. Wenn das alte Sprüchwort wahr sagt: „Wer gut beginnt, endigt auch gut," dann kann man nur Günstiges von der neuen Schule erwarten, welche bestimmt ist, eine Musterschule zu werden. Schon sind die Griechen und Katholiken eifersüchtig: sie wollen auch neue Schulen gründen und aus Frankreich Lehrer kommen lassen. Der Herr Schuldirektor steht im Begriff, auch Abendvorlesungen zu halten: eine große Zahl haben sich schon einschreiben lassen. Dies wird ein Mittel mehr sein, das Licht der modernen Civilisation zu verbreiten und in Adrianopel einen der der Alliance israeiite am theuersteu Wünsche zu realisiren. V. 5. Corres pondenz. Monatsberichte aus Ungarn. V.*) Neu-Verbaß, Anfang Deebr. 1867. Endlich hat die Regierung ihr Versprechen rücksichtlich der Gleichberechtigungsfrage eingelöst. In der, für uns Israeliten denkwürdigen Sitzung vom 25. Novbr., hielt nämlich Ministerpräsident Graf Andrässy nachstehende Ansprache an die Deputirtentafel. „Geehrtes Haus! Nachdem die Abtheilungen ihre Referate über die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände bereits eingereicht, das geehrte Haus aber diese Angelegenheiten für künftigen Montag auf die Tagesordnung gestellt hat, bin ich der Ansicht, daß die Abtheilungen in der Zwischenzeit nicht beschäftigt sein werden. Ich glaube daher, daß ich von jenen Gesetzentwürfen, die die Regierung dem Hause zu unterbreiten versprach, die bisher bereits ausgearbeiteten Gesetzentwürfe dem geehrten Hause sofort vorlegen kann. (Beifall.) In die- *) Die Fortsetzung des IV. Monatsberichts, über ven 2. ungarischen Lehrertag, behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor, Redakt, 52*