Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1867)
- Date
- 1867-12-24
- Page
- Seite 1036 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1036 Grätz und Fürst — warum nicht auch von Zunz und Steinschneider? — über unseren Dichter gemachten Forschungen ein Lebensbild des letzeren entwirft, sieb über dessen Verhältniß zu seinem Freunde Dante ausführlich verbreitet und schließlich zu dem Resultate gelangt, daß die nachdrucksvolle, tief einschneidende Art, wie Immanuel von allen Versündigungen die Heuchelei in den verschiedenen Gewändern, selbst in denen des Märtyrerthums, züchtiget, an Schärfe der Beurtheilung in der That noch das Sittengericht in der florentinischen Dichtung übertreffe, wie andererseits die freudige Anerkennung der Geweiheten aller anderen Völker aller Zeiten, welche selbständigen Geistes aus den verschiedenen Religionen sich eine Lehre gestalteten, im Vergleich zu der strengen Abweisung Andersgläubiger bei Dante einen wohlthuenden Eindruck auf das menschliche Gefühl übe. Dagegen, meint Dr. Paur, erscheint das gesammte logische Gefüge der hebräischen Dichtung ohne alle Anschaulichkeit des Räumlichen, ohne ein entschiedenes Princip dM Sonderung zwischen Hölle und Himmel sowie iMerhalb beider zwischen den einzelnen Gattungen von Sündern und Seligen geradezu schwach gegenüber dem machtvoll zusammengefügten Organismus der Dante'- schen Komödie. Eine Reche von bestimmten', persönlichen Beziehungen aus der Zeitgeschichte, besonders in der letzten Hälfte des hebräischen Epos, erregen jedoch, wie Dr. Paur hinzufügt, durch ihre Einkleidung nicht geringes Interesse und den dringenden Wunsch nach Aufklärung, die ihnen bis jetzt noch nicht geworden. Neustadt, in Mecklenburg, den 12. December. «Privatmitth.) Daß der Zeitgeist heut zu Tage in Siebenmeilenstiefeln vorwärts schreitet und Rabbi Ben Akiba doch nicht ganz Recht hatte, wenn er sagte, daß Alles schon dagewesen sei, kann folgender Fall beweisen, der gewissen Zeitungen, die gern ihren Judenhaß zur Schau bringen, zum Entsetzen gereichen dürfe. Ein Israelit aus Brüel «in Meckl.) nämlich, der unlängst nach Lübeck übersiedelte, ist von der dortigen Behörde bei der Schweineschau mit einem ansehnlichen Einkommen als Trichinensucher angcstellt worden. Wenn man sich nun in jene Zeit zurückversetzt, wo so viele Inden von den Christen grausam ermordet wurden, weil sie nach dem Blute junger Christenkinder lüstern gewesen oder auch die Brunnen zwecks Ausrottung ihrer Widersacher vergiftet haben sollten, ja, wenn man auch nur bedenkt, daß nach den sogenannten Freiheitskriegen sogar noch in der preußischen Armee die Aerzte jüdischen Glaubens, zu denen auch der so reich begabte und durch seinen tragischen Tod bekannte Daniel Zeßmann gehörte, ausgemerzt wurden, nachdem sie ihre Kenntnisse und Gesundheit dem Vaterlande zum Opfer gebracht hatten, so begreift man erst recht, welcher Umschwung stattgefunden hat, da eine Hansestadt, die selbst früher die Juden nach Maislingen hinausjagte, ganz arglos einem Israeliten das Leben ihrer Bewohner in die Hände giebt und keine Seele daran denkt, daß etwas passiren könne, dem Bestellten es überlassend, sich mit Moses abzufinden. In der Landtagssitzung in Sternberg am 11. würde über den Hauptbericht über die rechtlichen Verhältnisse der Juden verhandelt. Derselbe geht dahin, die jüdischen Rechte noch über die Regierungsvorschläge hinaus auszudehnen, indem ihnen auch die Rechte der Polizei und als Ortsobrigkeitcn nicht gewehrt werden sollen. Die Bürgermeister Karrig, Hermes , Zegelin und Wegner proponirten Gleichstellung der Juden und Christen bis auf Schul- und Kirchen-Patronat. Die Ritterschaft will namentlich dies Recht der Landstandschast bei der Debatte abzmvehren suchen, da der christliche Staat dadurch leide. Landrath v. Rieben meint, daß man versuchen müsse, die Propositionen des Ministeriums durchzubringen. Pogge-Blankenhof führt aus, daß die Bundcsgewalt dies nicht dulden werde. Der Hauptbericht wird mit 87 gegen 23 Stimmen angenommen. So geht denn endlich nach jahrelangem Schmachten den Juden Mecklenburgs das Licht der Freiheit aus. Diese wird dieses Mal gewiß von längerer Dauer sein, als die, die ihnen 1848 gewährt wurde. Wäre das Jahr 1866 nicht gekommen und mit ihm dessen Ereignisse, wer weiß, wie lange noch die Juden in ihrem Drucke hätten zubringen müssen. Wenn nun das Großherzogl. Ministerium dem Landtage die Propositionen aufstellte, die Juden Mecklenburgs mit den Christen gleichzustellen, so darf man dieses Verfahren nicht dem Liberalismus des Ministeriums zuschreiben; vielmehr fühlte sich dasselbe durch die verschiedenen Bundesartikel hierzu veranlaßt, da doch früher oder später dem mecklenburgischen Treiben einmal ein Ende gemacht werden mußte. Daß der Liberalismus bei der Ihiesigen Regierung keine Schuld hat, daß sie die