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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-24 · Heft 52 (24.12.1867) · p. Seite 1031

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 52 (24.12.1867)
Date
1867-12-24
Page
Seite 1031 (sequence 3)
Language
German
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1031 im Breisgau ein ultramontanes Pamphlet: „Der Wechselbalg, womit Baden und Oesterreich aufgeholfen werden soll. Gezeichnet von Alban Stolz." Darin heißt es u. A.: „Betrachten wir nun auch die Personen etwas genauer, welche diese heillose Trennung der Kirche und des Staates wollen. In erster Linie stehen die Juden mit Schweinefleisch, d. h. sogenannt gebildete Juden, die gar keine Religion mehr haben. Der Jude überhaupt kann sich nur freuen, wenn die christliche Kirche keinen Vorzug vor der Synagoge mehr hat. Weil aber jene Schweinefleisch essenden Juden insbesondere das Christenthum hassen, so freuen sie sich über Alles, wovon sie Hoffnung haben, daß es dem Christenthum Schaden bringt. Sodann hat der Jude den Vortheil, daß er in einem Staat, der sich von der Kirche getrennt hat, alle Stellen und Aemter bekommen kann; der Jude kann da Oberschuldirektor, Minister, Amtmann, Notar werden, über Christen kommandiren und nebenher doch noch seine „Geschäftcher" forttreiben." Wir glauben uns der Mühe überhoben, gegen solche Auslassungen, wie gegen dieses ganze, im gemeinsten Tone und mit den lächerlichsten Argumenten gespickte Pamphlet nur ein Wort zu verlieren. Denn verloren ist in der That jedes Wort, womit inan es bekäinpfen möchte. Diese Herren, welche vorgeben, die Religion zu vertheidigen, zeigen sich dabei so irreligiös, welche sich als Vorkämpfer der Wahrheit und des Rechtes geriren, lügen und trügen so sehr, daß sie der Religion, der von dieser gelehrten Wahrheit und dem von dieser verkündeten Rechte mehr Schaden thun, als alle Atheisten und Materialisten zusammengenommen. Woher weiß denn der Herr Bischof von Leitmeritz, daß alle liberalen Zeitungen von Juden geschrieben werden? Wenn er die Redaktionen aller Zeitungen, ja nur der meisten kennen würde, so würde er wissen, daß seine Behauptung eine Lüge ist. Kennt er sie aber nicht, ist es eines Bischofs würdig, auf gut Glück eine Lüge in die Welt zu schreiben, sie in einem Hirtenbriefe, der die ihm anvertraute Heerde zu Religion und Wahrheit ermahnen soll, hinauszuschreiben? Doch wir stellen da eine Forderung, die überaus naiv erscheinen wird. Im Uebrigen wiederholen diese Anschuldigungen die katholilischen Bischöfe, Prediger und Skribenten aller Orten, so daß der Einzelne für sie gar nicht mehr verantwortlich ist. Sie ist die gangbarste Melodie, welche der ganze Chorus immer und immer wiederholt. Ihre Zuhörerschaft soll dieselbe in Fleisch und Blut ausnehmen, und dies ist es denn fauch eigentlich, was sie uns wichtig macht. Es ist uns zuletzt sehr gleichgültig, was die Herren Bischöfe, Prediger und Skribenten einer gewissen Richtung sagen — denn die wenigsten glauben es selbst, und bedienen sich dieser Behauptung nur als eines Mittels, die ganze große liberale Partei zu verdächtigen und möglichst verachtet zu machen. Aber das ist uns nicht gleichgültig, wenn sie das Volk gegen uns hetzen und fanatisiren. Daß so Etwas z. B. in Böhmen nicht ohne Folgen ist, weiß man. Jndeß wir müssen dies überwinden, wie so Vieles schon überwunden worden, z. B. dasselbe Manoeuvre seitens der Kreuzzcitungspartei in Preußen. Ernsterer Art waren und sind die Verfolgungen, welche unsre Glaubensgenossen in Rumänien zu erdulden hatten und deren Ende noch nicht abzusehen ist. Trübe ist auch die Aussicht in Rußland. Die jüngsten Verordnungen der russischen Regierung, z. B. im neuen Paßgesetze das Verbot des Grunderwerbes zu Lithauen, enthalten stets Ausnahmebestimmungen betreffs der Juden. In den Ostseeprovinzen, in welchen sich die Deutschen und die Russen gegenüberstehen, vereinigen sich beide darin, die Juden zu befeinden. Der in der letzten Zeit so sehr gesteigerte russische Nationalfanatismus wendet sein Schwert ebenso gut gegen die Juden wie gegen alle "Nationalitäten. Dies ist ein Kampf, wo Gründe und Thatsachen wenig ausrichten, und darum nennen wir die Aussichten dort trübe. Der Geist, in welchem sich Rußland nach dein Krimkriege erhob und seine Verjüngung anstrebte, hat einen traurigen Uebergang zum Nationalfanatismus genommen, und doch ist gerade dieser eher geeignet zu zerstören als aufzubauen, Wunden zu schlagen als zu heilen. Wir wiederholen, was wir schon oft gesagt: das Nationalitätspriuzip ist heilsam, schöpferisch und berechtigt, wenn es zugleich voin Geiste der Hmnanität geklärt und geläutert, vom Geiste der Freiheit durchdrungen ist. Sonst ist es eben so gefährlich wie rechtlos, und beschädigt am meisten die, welche ihm als Träger und Werkzeug dienen. Inmitten dieser großen Bewegungen ging die innere Arbeit des Judenthums geräuschlos aber sicher weiter. Glücklicherweise hatte das ablaufende Jahr von keinen inneren Streitigkeiten und Zerwürfnissen zu berichten. Man scheint von der hyperorthodoxen Seite her eingesehen zu haben, daß mit den Schimpfereien und Hetzereien Nichts gewonnen, vielmehr Biel verloren wird. Steht sie von diesen Wühlereien ab, so wird ihr "Nie- 52*

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