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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-24 · Heft 52 (24.12.1867) · p. Seite 1030

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 52 (24.12.1867)
Date
1867-12-24
Page
Seite 1030 (sequence 2)
Language
German
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1ÖS0 solchen Umständen wird am ehesten kleinliche Ausschließung, engherziges Bedenken nicht zugelassen, sondern in dem Anlauf, den man gewonnen, in dem Drange, die ersehnte Höhe zu erreichen, läßt man vorurtheilsvolle Rücksichten hinter sich und schreitet entschieden vor. Mag daher die Aushebung des Conkordats formell mehr oder weniger glücken, durch die neuen Gesetze wird der Geist des Conkordats verdrängt und wenigstens für die Gleichberechtigung kann dasselbe Hindernisse nicht lange mehr schaffen. Das Conkordat war der Ausdruck für den Geist^von 1856, desselben Jahres, in welchem auch in Berlin von den Reaktionären der Versuch gemacht wurde, die Gleichberechtigung aus der preußischen Verfassung wieder zu. verdrängen, ein Versuch, der so völlig scheiterte, und wodurch erwiesen wurde, von welcher Bedeutung es unter allen Umständen ist, das Prinzip im Staatsgrnndgesetz ausgesprochen zu haben. Das gegenwärtige Andrängen gegen das Conkordat und für die Gleichberechtigung der Culte ist der Geist des Jahres 1867, und er hat bereits den Sieg dahin erfochten, daß die Gewissensfreiheit auch in die österreichischen Staatsgrundgesetze ihren Einzug hält. Richten wir nun noch unse- ' ren Blich auf den norddeutschen Bund, auf dessen Verfassung und die schon jetzt daraus erftossenen Consequenzen, so können wir die Resultate des ablaufenden Jahres gewiß hoch anschlagen. Dies freilich darf uns nicht vergessen machen, daß die alten Mächte immer noch vorhanden sind, daß sie den Kampfplatz durchaus noch nicht verlassen haben, daß sie zum anderen Theile nur unter der Oberfläche schlummern, und von den Kämpfen des Tages geweckt, abermals zu erstehen und mit den alten Waffen zu streiten wohl vermögen. Stellen wir uns z. B. folgende Seenen zusammen. Von Brünn wird unter dem 9. December gemeldet: „Hier wurde Ende vorigen Monats ein Fest gefeiert, welches durch die Art seiner Begehung eine Beachtung auch in außerösterreichischen Kreisen verdient, indem es einen wesentlichen Beitrag zu den mannigfachen Zeichen der Zeit liefert, daß auch in dem österreichischen Kaiserstaate ein freier Geist der Duldung und Achtung unter den verschiedenen Confessionen tagt. Anlaß zu dem erwähnten Feste war die Einweihung der in schönem gothischen Style neuerbauten Kirche für die Protestanten in Brünn. Beim Festdiner erhob sich unter allgemeinem Beifall Dr. Giskra (Präsident des Reichstages). Er dankte als Bürgermeister der Gemeinde für den Bau der Kirche, denn sie sei eine Zierde der Stadt; er dankte den Protestanten überhaupt, denn sie seien die Gründer der Brünuer Industrie gewesen, die so fruchtbar für die Stadt und das Reich wurde. Eine kleine Gemeinde habe hier ein großes Werk geschaffen, denn eine Idee habe sie begeistert — das sei ein erhebendes Beispiel. Die Kirche in ihrer gottgefälligen Wirksamkeit sei auch das Symbol der Kultur, der Civilisation, der Humanität und des Fortschritts. Redner gedachte ferner des Kaisers Joseph II., der mit seinem Toleranz-Patente echt human gewirkt. In Brünn herrschte Toleranz, hier haben Katholiken und Juden zum Baue der protestantischen Kirche Leigetragen. „Ich war unlängst in Klostergrab bei Leitrneritz," fuhr Dr. Giskra fort, „dort gab die Zerstörung einer protestantischen Kirche das Signal zum dreißigjährigen Kriege, doch fürchten Sie nicht, daß Ihre neue Kirche zerstört wird. Zeloten und Finsterlinge haben wohl den Wunsch danach, aber nicht mehr die Kraft, und in einer Zeit, wo der Kaiser selbst bei der Wahl seiner Räthe nicht mehr nach dem Glaubensbekenntnisse fragt, ist die volle Toleranz nicht mehr fern. (Enthusiastischer Beifall.) Der endliche Sieg der vollen Gleichberechtigung und der Idee des Staatsbürgerthums wird zwar nicht ohne Kampf errungen werden — aber es ist kein Kampf wie im dreißigjährigen Kriege, er ist unblutig und wird nur mit der Waffe des Geistes geführt — doch sicher ist auch der Sieg, weil mit uns die Ideen der Zeit, die Intelligenz von Europa mit in den Kampf treten gegen eine unselige Akte, welche unserem Kaiser in einer bangen Stunde abgerungen wurde. Möge der Kampf ein kurzer sein in dem Streite der Freiheit und gesetzlichen Gleichheit gegen die bloße Willkür und historische Vorrechte, und möge den österreichischen Völkern die Freude recht bald gegönnt sein, zu erleben den Sieg der wahren Gleichberechtigung und Intelligenz, den vollen Sieg der Humanität und Civilisation über Roheit und Fanatismus. Oesterreich hoch!" i Lebhafter und anhaltender Beifall.) Dr. Giskra wurde hierauf von allen Seiten auf das lebhafteste begrüßt." — Von Prag dagen schreibt man: „Der Bischof Mahala von Leitmeritz hat einen Hirtenbrief erlassen, in welchem er gegen beinahe alle Zeitungen der deutsch-slawischen Länder Jnvectiven schleudert; er sagt, sie seien meistens von Juden geschrieben, welche mit wachsendem Ungestüm ihr drohendes Geschrei gegen das Conkordat erheben." — An anderen Orten dasselbe Geschrei. In Baden wie in Oesterreich soll die Schule von der Kirche frei werden, Da erscheint in Freiburg

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