Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1867)
- Date
- 1867-12-17
- Page
- Seite 1027 (sequence 19)
- Language
- German
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1027 Land von 960 Ackern an*), das in dem damals noch sehr dünn bevölkerten Missouri um einen Spottpreis losgeschlagen wurde, das aber in Kurzem einen so hohen Werth erreichte, daß es seinen Besitzer zu einem der wohlhabendsten Männer des Staates machte. Im Jahre l S60 wählte ihn die jüd. Gemeinde „Bnai- El" zu St. Louis zu ihrem Vorsteher, und seine Bemühungen waren es, die dieser Gemeinde einen geregelten, mit Orgel und Chor begleiteten Gottesdienst verschafften. Am 6. August desselben Jahres (1860) wurde er mit großer Stimmenmehrheit von Seiten der republikanischen Partei zur Staats-Legislatur von Miffouri erwählt. Hier, in Jefferson-City, dem Sitze des Missouri-Gouvernements, fand Herr Friede bald Gelegenheit, nicht blos seine Beredsamkeit zu entfalten, sondern auch für seine Glaubensbrüder in die Schranken zu treten. Wir lassen hier Herrn Dr. Emhorn in seinem „Sinai" (1861) sprechen: „Mit Vergnügen veröffentlichen wir in Nachfolgendem ziemlich vollständig nach dem, von Herrn Isidor Busch, Mitglied der Staatsconvention aus Jefferson-City, uns zugesendeten „Daily Examiner“ eine Rede, welche neulich in der genannten Legislatur Herr M. Friede, zugleich Präsident der jüdischen Gemeinde zu St. Louis, zur Verteidigung seiner Glaubensgenossen gegen vorurtheilsvvlle Aeußerungen hielt. Bedauerlicher Weise können wir die Anklage selbst in dem genannten Blatte nicht finden, doch ist dieselbe aus der Erwiederung leicht zu erkennen." „Als der einzige Repräsentant von jüdischem Bekenntniffe in diesem Hause halte ich mich für verpflichtet, auf die Bemerkungen des Herrn aus Jackson in Bezug auf „das alte Gottesvolk" kur; zu erwidern. Ich danke meinem Gotte, daß die Vereinigten Staaten von Amerika, deren Constitution zu unterstützen ich geschworen, mir und meinem Volke die Rechte freier Menschen verliehen. Hier fanden wir ein Asyl gegen den Druck der europäischen Monarchien und dafür suchen wir unserem Lande zu lohnen durch unsere Industrie, unsere Arbeit, unser Capital und insbesondere — in diesen schwierigen Zeiten — durch unsere Anhänglichkeit an die Flagge, die uns Segen nach Innen und Schutz nach Außen gewährt. Der große Lord Petersborough bemerkte, er sei für einen parlamentarischen König und eine parlamentarische Constitution, nicht aber für einen parlamentarischen Gott und eine parlamentarische Religion. Im Namen meiner Brüder danke ich den Vätern dieser Republik für die Constitution, die sie schufen, und ich bete zu Gott, daß er uns für immer verschont lassen möge von einem „constitutionellen Gott" und „einer constitutionellen Religion." Um aber dem genannten Herrn in einer mehr directen Weise zu erwiedern, wünsche ich hervorzuheben, daß die Juden die *) Siehe A. Z. d. I., Jahrgang 1860, S. 653. Corr. Väter des Handels und der Banken sind, die Schöpfer des Wechselsystems, das so eng verschlungen ist mit dem Geschäftsverkehr sowohl zwischen Einzelnen, wie ganzen Nationen, und unsägliche Bortheile gewährt. Einige der sichersten und berühmtesten Banken in Europa haben ebensowohl ihre Entstehung, wie ihre Fortdauer dem Geschicke und Capital der Juden zu verdanken. Daran sollten amerikanische Gesetzgeber und Kaufleute sich ein lehrreiches Beispiel nehmen. Der Name Rothschild ist überall ein heimischer Klang, er ist der Geldkönig*). Die finanzielle Geschicklichkeit dieser Familie hat sie zu einer Weltmacht erhoben. Die Anstellung Fould's als französischer Finanzminister liefert einen schlagenden Beweis, wie hoch der weitsehende Napoleon das jüdische Talent in Finanz-Angelegenheiten anschlägt. Ebenso wird von D'Jsraeli eine der hervorragendsten Stellungen im englischen Ministerium eingenommen. So ist die Geschichte der Vergangenheit und der Gegenwart ein Beleg für die ununterbrochene Anerkennung der ausgezeichneten finanziellen Geschicklichkeit dieses geschmähten Volkes, das Leute ohne Einsicht blos für eine Nation von Geldwechslern, Geldmachern und Geldsammlern halten. Es ist Thatsache: die Juden beherrschen oft den Geldmarkt und werden eben so oft von Kaisern und Königen um Rath angegangen, wenn es gilt, den „Nerv der Kriegsführung" oder die Mittel zur Ausführung öffentlicher Verbesserungen herbeizuschaffen. Wäre dieses Volk im Directorium der Missonri-Bank geziemend repräsentirt, so würde sich dieselbe nach meiner Meinung jetzt nicht in der traurigen Lage befinden, die Hülfe des Staates ansprechen zu müssen. Wo hätte man jemals hier oder in Europa gehört, daß Banken unter der Leitung angesehener Juden ihre Zahlungen einstellten? Man blicke doch hin auf die Sparbanken in St. Louis, an welchen einige Juden als Stockhalter und Directoren sich betheiligen; sie behaupten im Verhältnisse zu andern solchen Anstalten eine beneidenswerthe Stellung. Wo wäre auch nur Ein Geschäftsmann vorhanden, der über die Verwaltung derselben Beschwerde führen möchte? Doch besitzt der Staat Missouri eine Institution, womit mein Volk allerdings nichts zu schaffen hat — ich meine: das Zuchthaus, das wir von diesem Capitole aus wahrnehmen können, und ich bin fest davon überzeugt, daß keiner meiner Collegen in diesem Hause, der sich dahin verfügen wollte, einen Juden mit dem Brandmale der Beschimpfung dort fände. Noch eine andere Anstalt ist vorhanden, worin Sie keinen Juden finden — die Armenhäuser. Wie ihr (der Juden) gutes Betragen, ihr moralisches Wesen und ihre Gewohnheit, ihren Geschäften getreulich obzuliegen, sie euren Gefängnissen entzieht, so auch ihr Fleiß, ihre Ge- *) In einer europäischen Abgeordnetenkammer würde eine solche Bemerkung den Judenfeinden sehr willkommen sein, nicht so in Amerika, wo der Dollar wirklich König ist und ein Dollarkönig — König der Könige. Red. d. Sinai.