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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-17 · Heft 51 (17.12.1867) · p. Seite 1028

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 51 (17.12.1867)
Date
1867-12-17
Page
Seite 1028 (sequence 20)
Language
German
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1028 wandtheit und ihre Sparsamkeit — euren Armenhäusern. — Als England noch eine Wildniß war, wie New Guinea, Paris — ein Sumpf und dieses mächtige Land Niemandem außer Gott bekannt, als die Athener die Buchstabenschrift noch nicht kannten und noch keine einzige Hütte stand auf einem der 7 Hügel Rom's, besaß mein Volk schon befestigte Städte und Cedernpaläste, seine Schulen und seine Theologie, seine Flotten, seine großen Staatsmänner und Kriegshelden, seine Philosophen, Geschichtsschreiber und Poeten. Und dieses Volk hatte auch seinen Handel und ein System des Geschäftsverkehrs, wovon unsere modernen Solone viel Weisheit lernen könnten. Ja, es ist eine von^Madison bezeugte Thatsache, daß ein patriotischer Jude, Namens Salomon, durch Talent und Emsigkeit zu großen Reichthümern gelangte, während des Freiheilskampfes und noch nach errungener Selbständigkeit mehreren Congreßmitgliedern ihre Unkosten zahlte, wobei Madison ausdrücklich bemerkt: er wisse nicht, wie der Congreß ohne das Geld und den Credit des Juden Salomon in Sitzung hätte bleiben können. Er förderte die Sache der Freiheit daheim und auswärts und verdient als Finanzmann der Revolutionszeit Robert Morris an die Seite gestellt und von jedem freien Amerikaner in liebendem Andenken gehalten zu werden. Kein persönlicher Vortheil, keine wucherische Absicht lag seinem Unternehmen zu Grunde — nein! er gab sein Geld für eine heilige Sache, ohne eine andere Belohnung dafür anzusprechen, als welche jeder Patriot schon in der Unterstützung des Vaterlandes findet. Der Staatsschatz besaß damals keinen Dollar, und hauptsächlich ein Jude trug dazu bei, die Verwaltungsmaschine in Bewegung zu erhalten. Und so könnte meines Wissens auch bei der gegenwärtigen Beschaffenheit in diesem Staate nichts Besseres gethan werden, als die Gewandtheit und das Capital der Brüder Joseph's zu Hülfe zu rufen, der den königlichen Schatz mit Geld und die Vorrathskammern mit Getreide füllte. Es giebt Geist unter den Stammesgenossen des Jesaias und Energie unter den Nachkommen der Makkabäer." — Wie wir hören, wurde kurze Zeit nach Vertagung der Legislatur Herr Friede von der republikanischen Partei zum Gouverneur von Missouri ernannt, welche Ehre aber Herr F. ablehnen zu müssen glaubte. Beim Ausbruche des Bürgerkrieges zeigte Herr F., daß er nicht blos das Wort, sondern auch die Waffen zu führen vermöge, indem er den ganzen Krieg mitmachte. Wohlbehalten kehrte er aus 'demselben nach St. Louis zurück, woselbst er gegenwärtig als Privatmann lebt und sich der Achtung aller seiner Mitbürger erfreut. Einbruchsdiebstahl im Tempel der jüdischtürkischen Gemeinde;u Wien. Als gestern um 6 Uhr früh der Tempeldiener des israelitisch-türkischen Bethauses wie gewöhnlich das Gotteshaus vor der Morgenandacht öffnen wollte, fand er die eingefugte Quadratplatte der linken Eingangsthür herausgeschnitten und auf dem Boden liegen. Seine Vermuthung, daß hier ein Raub ausgeführt wurde, bestätigte sich, als er eiligst in das im ersten Stocke befindliche Gotteshaus eilte und überall Spuren fand, die auf eine ausgeführte verbrecherische That wiesen. Die später eingetroffenen Vorstände machten sofort die Anzeige bei dem Leopoldstädter Polizei-Commiffariate, eine Gerichts-Commission begab sich an den Thatort und nahm folgenden Thatbestand auf: „Der Thäter mochte zur Ausführung des Diebstahls die erste Viertelstunde nach Mitternacht gewählt haben, denn um Mitternacht wurde die an der äußeren Tempelwand befindliche Gasflamme von einem Laternanzünder ausgelöscht, welcher um diese Zeit nichts Verdächtiges in der Straße bemerkte. Mit welcher Muße der Thäter arbeitete, geht daraus hervor, daß in die herausgebrochene Platte der Eingangsthür zuerst mittels eines Handbohrers im Quadrate 170 Löcher gebohrt worden waren, worauf erst die Platte mittels eines Stemmeisens herausgeschnitten wurde. Durch dieses Manöver gelangte der Thäter in den Corridor des Tempels, entfernte auch hier auf dieselbe Art wie bei der Eingangßthür eine Quadratplatte von einer in ein Nebencabinet führenden Thür, erbrach hier den Geldschrank und entwendete daraus blos einen Ducaten in Gold und mehrere Eingulden-Banknoten. Das in einer silbernen großen Schüssel und in mehreren Säckchen befindliche Kupfergeld in Betrage von 20 und 30 fl., sowie Zehnkreuzer-Münzscheine im Betrage von 18 fl. ließ der Thäter unberührt. Bon da gelangte er in das Innere des Andachtsortes, riß hier die „heilige Lade" auf und raubte die über den Gesetzrollen angebrachte silberne Krone im Werthe von 200 bis 300 fl., ließ jedoch die Gesetzrollen, sowie die mit Gold gestickten Vorhänge der Lade unberührt. Der Dieb versuchte auch, wie die Spuren nachwiesen, die Erbrechung der Opferstöcke und eines in einem Nebenzimmer befindlichen Schreibtisches, in welchem sich sehr viele silberne Kleinodien und ein großer Geldbetrag befanden. Bis jetzt ist nicht die geringste Spur zur Entdeckung des Verbrechers vorhanden." Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dt*. H. Lotze.

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