Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1867)
- Date
- 1867-12-17
- Page
- Seite 1021 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1021 und bringt die Beweise heran, daß sie von einem großen Theile der Bevölkerung nicht getheilt, sondern verurtheilt wird. Z. B. die „Zeitung für Stadt und Land" und die „Rigaische Zeitung" bringen einen trefflichen Aufsatz unter dem Titel „Bekehrungseifer," in welchem die Geschichte der Bekehrung einer englischen Protestantin zu einer katholischen Nonne in Südfrankreich erzählt wird, welche zeigt, wie dieser Bekehrungseifer in allen Kirchen sich gleich bleibt, sich zwar hier und da eine Seele fängt, dafür aber desto mehr Seelen entfremdet. In derselben Nummer der „Rigaischen Zeit." (257) ist eine Kritik der Vorstellung „Nathan des Weisen" enthalten, aus welcher wir uns gestatten, folgende Stelle herauszugeben, weil sie doch immerhin zur Characterisirurg unserer Bevölkeruug dienen kann: „Wie langsam die Menschheit trotz Eisenbahnen und Industrie-Ausstellungen in den wesentlichen Stücken vorrückt, kann man sich kaum besser als an unserem klassischen Tendenzgedicht vergegenwärtigen. Ist auch der kleine Kreis derjenigen, welche vor hundert Jahren den Lessing'schen Ideen Berständniß und Theilnahme entgegenbrachten, heute bedeutend gewachsen, haben diese Ideen hier und dort sogar die geschlossene Phalanx der Kirchen und ihrer zünftigen Diener durchbrochen, der Daja's und Patriarchen laufen nicht allein noch genug herum, es fehlt auch noch viel daran, daß der Humanitätspunkt Lessing's nur theoretisch in das allgemeinere Bewußtsein übergegangen. Hat sie denn schon aufgehört „die fromme Raserei, Den bessern Gott zu haben, diesen bessern Der ganzen Welt als besten aufzudrängen," ist er denn schon geschwunden aus den Köpfen der Menschen, jener Wahn, die Quelle alles Fanatismus und aller Verfolgungssucht, welcher sich im Alleinbesitze der Wahrheit glaubt, die absolute Wahrheit als Besitz des Menschen überhaupt denkt? Wird in Verkennung dieser Wahrheit der Jude nicht noch täglich in unseren Herzen verbrannt, erhebt der „christliche Pöbel" nicht noch jederzeit ein Geschrei, wenn er eine Erscheinung mit seinem Bekenntniß nicht zusammen zu reimen vermag? Nathan ist ein welthistorisches Gedicht nicht nur durch seine poetische Form, sondern noch mehr durch seinen Inhalt, er verwandelt das Theater zur Kirche, seine aus den Kämpfen der Vergangenheit geborenen Lehren der ihrer noch ebenso bedürftigen Gegenwart predigend und eine ideale Zukunft verheißend, nach der die Geschichte der Menschheit ringend strebt. Daß auch wir und unser nächster Umkreis Theil haben an dieser Entwickelungsgeschichte, konnten wir an den Vorstellungen erfahren, welche beim Vernehmen der die Grundlage der gesammten sittlich-religiösen Bildung unserer Zeit ausmachenden Weisheitssprüche des Humanitäts-Apostels Nathan in uns geweckt wurden. Wir konnten uns der Beziehungen zu einem in unserer Nachbarschaft neuerdings sich geltend machenden Bekehrungseifer und des Widerspruches und Streites nebst noch unerfreulicheren Erscheinungen, die dieser Eifer schon hervorgerufen, nicht erwehren. Wenn eine Theaterleitung mit didaktischen Zwecken etwas zu thun hätte, würden wir ihr eine baldige Wiederholung des „Nathan" für Mitau anrathen." Aus Lithauen, Anfangs Dec. Ueber einen abermaligen Erlaß des Generalgouverneurs der nordwestlichen Provinzen meldet man Folgendes: Aus einem Circular-Erlaß des General-Gouverneurs des Nordwestlandes erhellt, daß der Ankauf von Gütern, die nicht dem Zwangsverkauf unterliegen, sondern in Folge anderer Ursachen öffentlich versteigert werden sollen, allen russischen Unterthanen jedes Bekenntnisses außer Polen und Juden gestatten ist, der Ankauf von Gütern aber, die dem Zwangsverkauf unterliegen, nur russischen Unterthanen russischer Herkunft und griechisch-orthodoxen oder lutherischen Bekenntnisses freisteht. Was die Juden anbetrifft, so dürfen dieselben auf keinen Fall weder größere Güter noch Bauergrundstücke ankausen. Diesen Bestimmungen gegenüber, welche den Juden allen Bodenbesitz versagen, möchten wir denselben Herrn Generalgouverneur fragen, wie er in seinem früheren Circulär behaupten konnte, daß der Jude Herr sei im Lande, und den Herrn Bürgermeister v. Mitau, wie er behaupten konnte, der Jude sei dem Landbau abgeneigt? Ungerecht ist es, dem Juden die Rechte vorzuenthalten, die jedem Menschen gehören; aber wie soll man das Verfahren Derer bezeichnen, welche noch Spott, Hohn, Beschimpfung und Verdächtigung hinzufügen! Grevenbroich (Rheinprovinz), 27. Novem. (Privatmitth.) Wir machen uns das Vergnügen, unfern von Herrn Franz von Zuccalmaglio in den Ostsee-