Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1867)
- Date
- 1867-12-17
- Page
- Seite 1018 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1018 Pest, 1. December. Am gestrigen Tage, nachdem der Oberrabbiner vr. A. Meisel soeben die Kanzel verlassen, traf diesen ein Schlaganfall, der nach wenigen Stunden seinem Leben ein Ende machte. Er stand im 50. Lebensjahre und starb so mitten in seiner Wirksamkeit, und noch den priesterlichen Segen und „Frieden" auf den Lippen. Er war früher Rabbiner in Stettin und wurde 1859 nach Pest berufen, wo er trotz vieler Anfechtungen in hohem Ansehen stand. Insbesondere als Redner genoß er eines bedeutenden Rufes. Als Schriftsteller machte er sich durch mehrere gedruckte Predigten, eine Lebensbeschreibung Wesselh's, eine metrische Uebersetzung des „Prinz und Derwisch" von Abraham Jbn Chasdai und eine homiletische Erläuterung der Pirke Aboth bekannt. Zu dem Leichenbegängnisse ist Herr v e. Jellinek aus Wien, die Grabrede zu halten, eingeladen. Außerdem wird die Wiener Cultusgemeinde einen Vertreter senden. Pest, 4. Dec. Das Leichenbegängniß des Pester Ober-Rabbiners Ue. Meisel fand gestern unter außerordentlicher Theilnahme der Bevölkerung aller Confessionen statt. Viele ungarische und deutsche Prediger waren anwesend; der Wiener Prediger Wolf Jellinek feierte den Dahingeschiedenen in einem die Zuhörer mächtig ergreifenden Vortrage, vr. Treuenfels, Rabbiner aus Stettin (des früheren Berufsortes von Meisel», der im Namen seiner Gemeinde Worte der Trauer sprach, sagte unter anderm, daß in einigen Wochen 25 Jahre zu Ende gegangen wären, seit Dr. Meisel Rabbiner in Stettin wurde. Die dortige Gemeinde hätte demnach binnen kurzer Zeit eine Gratulations-Deputation hergesendet, und anstatt dieser mußte er nun zum Grabe des Jubilars kommen. Soeben ist die letzte Predigt des verewigten Meisel, nach deren Schluß ihn der tödtliche Schlag getroffen, im Druck erschienen, und zwar in deutscher und hebräischer Sprache, allerdings mehr nach dem Gedächtnisse als nach dem genauen Wort des Redners niedergeschrieben. Herausgeber und Uebersetzer ist der als Hebraist rühmlich bekannte Simon Bacher. Sie wurde gehalten an P. Tholdoth i30.Nov.). Ihr Titel ist: die Brunnen Jsaak's (1 Mos. 26,18). Wenn demnach die Predigt in der Form zu wünschen läßt, so ist ihr Inhalt doch sehr interessant und als Drusch scharfsinnig und anziehend. Die hebr. Uebersetzung ist musterhaft. —. Die „Presse" enthält von Pest aus: „Zur Verewigung des Moments der Gleichberechtigung der Israeliten haben, wie wir in den Fövarosi Lapok lesen, einige hervorragende Israeliten einen beträchtlichen Betrag — man spricht von 20,000 fl. — bestimmt, und den ungarischen Bildhauer Engel beauftragt, eine die Freiheit symbolisirende Statue aus carrarischem Marmor anzufertigen, die in einer Halle des Landhauses in Pest aufgestellt werden soll." (Wir glauben, daß dies nur ein Scherz ist — die Summe könnte zu einer Stiftung, dem Andenken des Ereignisses gewidmet, ganz anders verwendet werden! Red. d. A. Z. d. Jud.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 22. November. (I/Echo Danub.) In Jassy tritt die Verfolgung von Neuem mit der ganzen Heftigkeit und Ausdauer auf, deren nur die nach Popularität Gierigen fähig sind. Die edle und menschenfreundliche Verordnung der ehrenwerthen Bürgermeisterei zu Jassy, welche den Christen verbietet, jüdische Dienstleute, und den Juden, christliche Bedienung anzunehmen, wird mit einer Strenge ausgeführt, welche wohl der Anwendung eines segensreichen Gesetzes Ehre machen würde, aber keineswegs einer Maßnahme, die aus dem Grabe eines beerdigten Jahrhunderts ausgegraben worden. Alle Nationen der Erde, welche vorwärts schreften, vernichten und modifiziren die Gesetze, welche sich nicht mit dem Geiste der Zeit vertragen; — aber wir, Dank der ewigen Verwirrung unserer politischen Führer, wir gehen rückwärts, wir wenden uns der Vergangenheit zu, um die Gesetze von 1741 wieder auSzuüben. Jüngst wurde ein jüdischer Banquier in Jassy, Herr I. Neuschotz, zu einer Geldstrafe vom Friedensrichter verurtheilt, weil er christliche Dienstboten hielt. Das ist eine Thatsache, die sehr wohl mit dem Geiste und der Intelligenz des sehr ehrenwerthen Communalrathes von Jassy übereinstimmt. Aber was noch lächerlicher ist, waS eine vollständige Anarchie und eine absolute Verwirrung bezeugt, ist, daß die Präfektur von Jassy in einem wörtlichen Befehl an den Unterpräfekten des Dorfes Codrulu dem Wälderbesitzer Herrn I. Brocineo, jüdischen Glau-