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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-17 · Heft 51 (17.12.1867) · p. Seite 1015

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 51 (17.12.1867)
Date
1867-12-17
Page
Seite 1015 (sequence 7)
Language
German
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1015 der Gemeinden an diesem edlen Werke zu veranlassen und der Segen ihrer Wirksamkeit wird gewiß nicht ausbleiben.*) Cassel, im Novbr. «Privatmitth.) Am 23. d. M. ist in zwar einfacher, aber doch recht ansprechender Weise ein schönes Fest gefeiert worden. Es besteht hier nämlich unter dem Namen „Schwesternbund" ein Verein von Frauen und Mädchen, dessen Aufgabe ist, arme Mädchen in weiblichen Handarbeiten unterrichten zu lassen und auch in sonstiger Weise für deren Bildung thätig zu sein. Die Feier begann Abends um 6'/2 Uhr. Die dermalige Direktorin, Frau Emilie Philippson, leitete dieselbe mit einer geschichtlichen Darstellung der Entstehung des Vereines und seines bisherigen Wirkens ein. Hierauf hielt der Landrabbiner vr. Adler, von dem Vorstande darum - ersucht, eine Festrede. Sie hatte „die Erziehung des jüdischen Mädchens in unserer Zeit" zum Gegenstände. Der erste Theil zeigte die Nothwendigkeit, daß in unserer Zeit auch das jüd. Mädchen einen gründlichen, umfassenden Religionsunterricht erhalte. In früherer Zeit sei das jüdische Haus für das Mädchen eine Religionsschule gewesen, die jüdische Mutter eine Religionslehrerin und das jüdische Familienleben eine Religionsübung. In unserer Zeit sei dieses nicht mehr der Fall, wenigstens in dem Grade nicht mehr, wie *) Wir können diese wiederholte Aufforderung nur bekräftigen. Der Gedanke, daß die Lehrer allein nicht im Stande seien, eine solche Unterstützungskasse mit genügenden Mitteln zu versehen, daß die Gemeinden dazu beitragen müssen und hierzu so recht eigentlich verpflichtet sind, dringt immer mehr durch, nur daß die Verwirklichung dem Gedanken noch lange nicht nachkommt. Wenn wir die vielen, bereits geschehenen Versuche, solche Lehrerunterstütziings-Kassen zu bilden, erwägen und deren noch immer sehr geringe Erfolge in Betracht ziehen, so drangt sich uns die Ueberzengung auf, daß etwas Wesentliches hierin nicht erreicht werden möchte, wenn nicht die Gemeinden selbst die Sache in die Hand nehmen. Wir meinen nämlich, daß der wohlgesinnte Vorstand einer der größeren Gemeinden — wenn nicht der Hauptgemeinde — jeder Provinz an die Vorstände der anderen Gemeinden derselben die Aufforderung erlassen müßte, eine solche Provinzial-Unterstützungs-Kasse zu gründen, so daß die Verwaltung dieser Kasse in den Händen der Gemeinden selbst liege. Es versteht sich, daß sich auch mehrere Provinzen zu diesem Zwecke vereinigen könnten. Wir werden uns hierüber bald des Weiteren auslassen. Redaktion. früher, denn selbst in den Häusern, in welchen das Ceremonielle noch beobachtet werde, mache es bei den Mädchen, die sonst ganz anders erzogen werden, einen ganz anderen Unterricht genießen und einen ganz anderen Umgang haben, den früheren Eindruck nicht mehr; es müsse deshalb das Mädchen einen systematischen Religionsunterricht erhalten, die jüdische Geschichte kennen lernen, besonders die Frauenbilder aus der jüdischen Vorzeit, und zum Besuche des Gottesdienstes angehalten werden. — Der zweite Theil führte den Gedanken aus, das jüdische Mädchen in unserer Zeit müsse für seinen künftigen Lebensberuf mit Rücksicht auf seine jetzige Lebensstellung erzogen und ausgebildet werden. Früher lag es schon in den Verhältnissen und in der Stellung der Juden, daß die Mädchen zu guten Hausfrauen erzogen wurden: ein fach und arbeitsam, häuslich und sittsam, jetzt müsse das mit Vorbedacht erzielt werden; früher gab es unter Juden keine Standesunterschiede, jetzt dürfte die Verschiedenheit der Lebensstellung und des künftigen Lebensbernfs nicht unbeachtet: gelassen werden. Der dritte und letzte Theil zeigte den verderblichen Einfluß, den die Zeitrichtung auf das jüdische Mädchen leicht ausüben könnte, wenn die Erziehung es nicht vor demselben bewahre. Der Beweis hierfür wurde in dreifacher Weise geliefert. Man spricht viel von Frauenlist und Frauenränken, als ob diese den Frauen angeboren wären, der Redner bestritt es und behauptete das Gegentheil, daß nämlich die Mädchen in ihrer Kindheit vorzugsweise zur Aufrichtigkeit und Offenheit geneigt seien, aber das Mädchen ist mehr für den Glauben, als für das abstrakte Denken geeignet, und wenn der Verstand auf Kosten des Glaubens entwickelt wird, ist das Mädchen in Gefahr, listig und ränkesüchtig zu werden. Ebenso sei es ein Jrrthum, daß die Gefallsucht angeboren sei, sie wäre nur die Folge der Erziehung. Dem liebenden Frauen- Herzen seien die kleinlichen häuslichen Verrichtungen nicht zu klein und gewähren ihm eine wohlthuende Befriedigung. Geht in Folge der unweiblichen Erziehung diese verloren, dann trete die Gefallsucht an die Stelle der häuslichen Wirthschaftlichkeit. Eine durchaus irrige Behauptung und ungerechte Beschuldigung sei es auch, daß Frauen zur Rachsucht geneigt wären, im Gegentheile sei es ja die Geduld, welche die Frauen besonders auszeichne. Der Ursprung dieser sei aber, daß während der Mann die Hoffnung

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