Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1867)
- Date
- 1867-12-10
- Page
- Seite 1007 (sequence 19)
- Language
- German
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1007 sie ihr Licht weithin erstrahlen lassen könnte — vwvw MNTirt Nttn. — Das wäre die entsprechendste und angemeffenste Weise, das Andenken eines Mannes, wie Salomon Jeduha Rapoport zu ehren, dessen ganzes Leben und Streben der jüdischen Wissenschaft geweiht und gewidmet war. Die Wissenschaft ist die sicherste Bürgschaft für die religiöse Freiheit — nt* min — denn die Thora ist Licht! in ihrem Bereiche ist kein Platz für die Finsterniß; da weichen die Schatten, da herrscht Wahrheit und Klarheit, da winkt ein hohes Ziel, das Alle einigt, verbindet und verbrüdert in Eintracht und Liebe. Das wäre ein würdiges Denkmal! nicht minder ehrend die Feiernden, als den Gefeierten .... Zum Schluffe hob Redner es rühmend hervor, daß die Gemeinde-Repräsentanz in richtigem Takte es herausgefühlt, daß eine Feier, wie diese, nicht den einzelnen Körperschaften überlaffen werden durfte, sondern daß aus dem Centrum heraus die Veranstaltung geschehen mußte. Redner hob ferner anerkennend hervor, daß die Autoritäten in diesem Bethause (der Meysel- Synagoge) die geistliche sowohl als auch die weltliche, dem Verlangen der Repräsentanz bereitwillig entgegen gekommen, so daß die Gesammtgemeinde hier als zusammengehöriges Ganzes erscheine, den Hintritt des gemeinsamen Hirten gemeinsam betrauernd. Es bewähre sich hier der Ausspruch des Talmuds: niE3» nippst ba$ inn1» — „der Tod der Gerechten übtauf die Hinterbliebenen eine sühnende, eine versöhnende Wirkung aus".... Redner giebt sich der Zuversicht hin, daß diese Einigung keine vereinzelte Erscheinung bleiben, sondern daß sie fortwirkend Heilsames und Ersprießliches für die Folgezeit herbeiführen werde.. . Nochmals hebt Redner hervor, wie sehr wir Ursache haben, dem Verewigten eine dankbare Erinnerung zu bewahren; nicht für seinen Ruhm brauchen wir zu sorgen — der steht fest für alle Zeit. Doch eine dankbare Erinnerung ihm zu bewahren, das ist heilige Pflicht für uns — eine Pflicht, durch deren strenge Erfüllung wir zunächst nur uns selber ehren. Es ist wohl überflüssig, hervorzuheben, welchen mächtigen und nachhaltigen Eindruck diese Rede, durch die Vortragsweise noch bedeutend gehoben, auf alle Klaffen der Zuhörer-, die in so großer Anzahl sich eingefunden, daß das geräumige Bethaus sie kaum zu faffen vermochte — hervorgebracht hat. — Nach der Rede hielt Hr. Prediger Dr. Stein, der Geistliche der Meysel- Synagoge, vor geöffneter Bundeslade ein kurzes hebr. und deutsches Gebet entsprechenden Inhaltes in weihevoller Weise, womit die großartige Trauerfeier ihren würdigen Abschluß fand. — Eine wichtige militärische Angelegenheit. (Buchstäblich wahr.) Herr K. ist einer der fleißigsten und strebsamsten Mitbürger unserer preußischen Haupt- und Residenzstadt und die Schneiderei, welche er betreibt, erfreut sich des gedeihlichsten Aufschwungs. Seinem stark markirten Gesicht und seiner noch stärker markirten Sprachweise merkt man es an, daß, wenn jemals die Decoration des rothen Adlerordens an ihn gelangen sollte, dieselbe mit dem Abzeichen für Nicht-Christen versehen sein würde. Herr K. hat einen Sohn, der ihm in seinem Geschäft zur Seite steht und der sich ihm durch seine Tüchtigkeit unentbehrlich gemacht hat. Dieser Sohn ist, gemäß dem über jedem gesunden Preußen schwebenden, dunklen Fatum, zum Militär ausgehoben worden, und liegt in dem Städtchen Allenstein in Garnison. Der, ob der „Dislocirung" seines Sohnes ganz rathlose Vater läuft von Pontius zu Pilatus, um die Versetzung seines Sprossen nach Berlin auszuwirken, aber vergebens! Kein Jammern über den gestörten Geschäftsbetrieb will verfangen; überall weis't man ihn kurz ab, an einer Stelle soll er sogar hinausgegangen worden sein. Da erfaßt Verzweiflung die ehrliche Schneiderseele, und er beschließt, direct zu Sr. Majestät dem Könige zu gehen, denn: „mehr wie rausgeworfen kannst Du doch nicht werden". — Gesagt, gethan. Er zieht sich das „gute" Zeug an, und begiebt sich schnurstracks in das Palais Unter den Linden. Hier angekommen wird er von den Bedienten nach seinem Begehr gefragt, und da er antwortet er müsse dm König sprechen, wird ihm bedeutet, daß das so schnell nicht ginge, daß er schriftlich einkommen müsse rc. rc. Selbstverständlich remonstrirt K. auf das entschiedenste gegen diese Verzögerung, und dringt darauf, sofort gemeldet zu werden. Statt auf seinen Wunsch einzugehen, beginnen die Bedienten ihn mit aller Höflichkeit nach der Richtung der Ausgangsthür hin zu „drängeln." K. darüber nichts weniger als erfreut, protestirt gegen dieses summarische Verfahren mit einem so ausreichenden Aufgebot von Lunge, daß sich sofort die Thür des Vorzimmers öffnet, in welcher ein dienstthuender Adjutant erscheint, der sich nach der Ursache des Lärms erkundigte. — Ich muß den König sprechen, sagte K. mit dem Tone gekränkten Stolzes. — Das müssen Sie erst schriftlich- — Weiß ich Alles, unterbrach K. den Adjutanten. Sagen Sie nur Sr. Majestät, ich müßte sie in einer „wichtigen militärischen Angelegenheit" sprechen. Der Adjutant wird stutzig. Er geht in das Cabinet und meldet dem Könige, es wäre ein Mann da, der ihn in einer wichtigen militärischen Angelegenheit zu sprechen habe. Lasten Sie den Mann eintreten. —