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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-10 · Heft 50 (10.12.1867) · p. Seite 998

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 50 (10.12.1867)
Date
1867-12-10
Page
Seite 998 (sequence 10)
Language
German
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998 und ungefähr hundert und sechzig Millionen Jslamiten; auf der andern fünf Millionen Hebräer. Ein jeder kennt den Ingrimm, womit man sie auszurotten trachtete, den letzten Keim jenes unüberwindbaren Stammes Jacob mit Füßen zu treten, auszulöschen. Wer hat am Ende gesiegt? Gesiegt haben die fünf gegen die vierhundert und sechzig." Rußland. Petersburg, 4. Nov. «Petersburger Briefe. II.)*) Als wir Ihnen in unserem vorigen Briefe über den Artikel der „Moskwa“ schrieben, dachten wir wahrhaftig nicht, daß derselbe so schnell Früchte tragen würde. Und nun lesen wir schon ein Circulair des Gencralgouverneurs zu Wilna, welches ganz im Geiste der „Moskwa“ geschrieben ist, wiewohl manches aus diesem Circulair, unserer Ansicht nach, sehr zweckmäßig und sehr nöthig für die Juden selbst. Hätte Graf Baranosf dies Circulair ohne besondere Einleitungen und Erklärungen erlassen, so hätten es die gebildeten Juden Rußlands gewiß mit Freuden ausgenommen und ihm dafür Dank gewußt. Aber der Ton, in welchem dies Document geschrieben ist, die besonderen Erklärungen dabei, verwandeln das sonst, wie schon erwähnt, zweckmäßige Circulair in ein judenfeindliches Edict. Das genannte Document bezweckt nämlich die gänzliche Vereinignrg der jüoischen und christlichen Gemeinden der Westgouverncments, damit dieselben in allen außerreligiösen Hinsichten einen Vorstand haben, und daß sie zusammen alle Abgaben entrichten sollen, nicht wie es jetzt der Fall ist, wo die Juden ihre besonderen Gemeinden bilden und auch in nichtreligiösen Angelegenheiten ihren eigenen Vorstand haben. „Eine solche privilegirte Stellung der Juden — sagt das Circulair — trägt nur dazu bei, die Ausschließlichkeit der Juden noch zu erhöhen, und das nicht zum Nutzen, sondern zum Schaden der Regierung. Diese Jsolirung hat viele Mißbräuche zur Folge, und fällt der Mehrzahl der Juden selbst zur Last, da sie *) Obgleich das Circulair des Generalgouverneurs bereits in Nr. 45 von uns besprochen worden, so ist die Angelegenheit zu wichtig, um nicht auch von Petersburg selbst aus noch einmal kritisirt zu werden. Redaktion. dazu beiträgt im Geheimen die Kahal-Herrschaft fortbestehen zu lassen, die von der Regierung abgeschafft worden." Bis hieher, das Wort privilegirt ausgenommen, ist, wie Sie sehen, das Circulair doch ganz erträglich. Aber nun hören Sie weiter. „Zu gleicher Zeit — schreibt Herr Baranosf — giebt diese Besonderstellung der Juden, indem sie sie ganz unabhängig von den christlichen Gemeinden macht, (und warum sollten sie denn von ihnen abhängig sein?) ihnen die Möglichkeit ihre Stellung hinsichtlich der Christen zu mißbrauchen (?), da doch ein jeder Jude dessen gewiß ist, daß er in solchen Fällen (in welchen denn?) immer Stütze und Schutz bei dem Vorstand seiner Gemeinde finden wird. Außer den Städten wohnen die Juden noch in Flecken und Dörfern und bleiben dabei Mitglieder des Bürgerstandcs; diese letzter» exploitiren besonders den armen christlichen Landmann, und gegen sie besonders erhebt sich die allgemeine Meinung." Also auch bei uns in Rußland wird die allgemeine Meinung in Betracht gezogen! Das ist wahrhaftig doch ein Schritt vorwärts, den nicht Jedermann erwartet hätte. Aber hören wir weiter. „Diese Abgesondertheit der jüdischen Gemeinde muß meiner Meinung nach — sagt Herr Baranosf — durchaus aufgehoben werden, und müssen die Juden, die in den christlichen Dörfern oder Städtchen, die keinen besonderen Gemeinde-Vorstand haben, wohnhaft sind, zu denjenigen Dorfgemeinden gezählt werden, in deren Bezirke sie ihren Aufenthalt haben, diejenigen sellbstverständlich ausgenommen, die zum Kaufmannsstanve gehören. Als Mitglied derjenigen Dorfgemeinden, in deren Mitte er seinen Aufenthalt har, betrachtet, wird der Jude zwar nun nicht mehr der allein herrschende Herr sein, als welcher er heut zu Tage erscheint." (Wie leicht der Mensch sich irren kann! Wir haben bis jetzt immer geglaubt, daß Rußland zu denjenigen wenigen Ländern gehört, wo der Jude noch am meisten bedrückt wird, wo seine Stellung noch immer eine sehr bedrängte ist, und nun — sehen Sie den gewaltigen Jrrthum — erfahren wir, daß die Juden in Rußland gar alleinherrschende Herren ausmachen! Ja es giebt Vieles in der Welt, mein Freund Horatius, was unsren Weisen unverständlich ist!) In diesem Tone fährt das Circulair noch weiter

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