Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1867)
- Date
- 1867-12-10
- Page
- Seite 997 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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997 gezwungen wäre, den Art. 66 des Comnmnalgesetzes in Anwendung zu bringen." Wir freuen uns, endlich einmal eine solche vernünftige und gerechte Maßregel des rumänischen Ministeriums, die erste dieser Art, mittheilen zu können. Freilich suchte die Partei des Bürgermeisters eine Petition zu Gunsten desselben zu Stande zu bringen, und brachte 186 Unterschriften zusammen. Mit Recht bemerkt aber das Echo Danubien, daß Nichts leichter sei, als in Rumänien bei der Unwissenheit und Leichtgläubigkeit der ungebildeten Masse Unterschriften für alle möglichen Petitionen zusammen zu bringen. Italien. Aus Dberilattcn, 24. Nov. (Privatmitth.) Die so sehr gefürchtete Schließung des Collegium rabbinicum von Padua hat auch für dieses Jahr nicht Statt gefunden, und in diesen Tagen hat daselbst der Unterricht für dieses Jahr begonnen. Hoffen wir, daß im Lauf des Jahres guter Rath für diese wichtige Angelegenheit wird gefunden werden. Die europäische Sammlung als Dankeszoll für das Andenken an S. D. Luzzatto zu Gunsten seiner Familie ist im vergangenen August liquidirt worden. Das Resultat ist ein recht befriedigendes. Eine Rente von 660 Fr. in ital. Staatsobligationen wurde dem Paduaner Rabbiner M. Osimo eingehändigt, damit dieser jährliche Betrag zur Veröffentlichung von Luzzatto's noch ungedruckten Schriften zu ermäßigten Preisen verwandt werde; und eine eben solche Rente von 675 Frs. ist der Familie Luzzatto zur freien Verfügung gestellt worden. Ein Resultat, das der europäischen Judenheit so recht zur Ehre gereicht. In der That ist vor einiger Zeit das 5. Heft von S. D. L.'s hebräischer Grammatik veröffentlicht worden, dessen Preis auf nur Einen Franken gestellt worden ist. Von der nach Luzzatto benannten italienischen Bibelübersetzung ist vor Kurzem das 4. Heft verthcilt worden. Die oberste Verwaltung der vom Staate eingezogenen, zur Liquidation und Versteigerung bestimmten Kirchengüter ist dem Cavaliere Epaminonda Segre aus Modena, der schon seit längerer Zeit als General -Secretär im Ministerium der Finanzen fungirt, anvertraut worden. Ad vocern Liquidation der Kirchengüter finde ich mich veranlaßt, eines kleinen Scharmützels Erwähnung zu thun, welches vor mehrern Wochen zwischen zwei Provinzial - Blättern Statt gefunden hat. Die geistreich sein wollende Idee eines französischen Publicisten, ich glaube der Presse von Paris, welche den hohlen Begriff eines israelitischen Asse ecclesiastico aufs Tapet brachte, das ebenfalls eingczogen werden sollte, wurde von dem Scribler des in Alessandria (Piemont) erscheinenden Eco del Tanaro aufgefangen, und seinen Lesern als Leckerbissen aufgetischt, freilich in höchst absurder, judenfeindlicher Form. Es sollte nämlich, da kein Asse israelitico existirt, den Juden Italiens eine besondere Contribution auferlegt werden, da sie ihre Emancipation (seit 1848) noch nicht bezahlt haben. Die Concordia von Casale hat den Handschuh ausgenommen, und dem sonderbaren Kämpen bessere Begriffe von Freiheit und Gerechtigkeit beigebracht. Kein tonangebendes Blatt weder von Turin noch von Mailand oder Florenz hat diesen Gegenstand einer Besprechung oder Erwähnung werth gefunden. In Triest hat am 15. Juli im isr. Tempel ein Trauergottesdienst für die Seele des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexico Statt gefunden. Die Rede des Oberrabbiners ist veröffentlicht worden. Es muß hiebei bemerkt werden, daß der Verewigte als oberster Chef der k. k. Kriegsmarine eine längere Zeit in Triest feinen Sitz hatte, und sich stets auch gegen unsere Glaubensgenossen sehr human und freigebig bewiesen hatte. Ich kann mich nicht enthalten Ihnen zum Schlüsse eine höchst bedeutende Stelle aus Massimo D'Azeglio's voriges Jahr veröffentlichem Werke „I miei ricordi“ zu übersetzen. Massimo DÄzeglio, und dessen Bruder Roberto sind ein edles Brüderpaar, denen Italien vieles von seiner Freiheit, und die italienischen Israeliten hauptsächlich ihre Emancipation zu verdanken haben. Im ersten Bande dieses Werkes S. 317 findet sich folgende Stelle: „Das Recht wird wahrhaft unsterblich nicht durch die active Kraft, sondern durch die passive. Einen der sonderbarsten und bewunderungswürdigsten Beweise für diese Wahrheit liefert das israelitische Volk. Heut zu Tage erlangt es allgemein die Anerkennung seiner Rechte, welche ihm von Titus angefangen bis nun verweigert worden. Achtzehn Jahrhunderte hindurch standen aus der einen Seite zwei bis dreihundert Millionen Christen, 50