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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-10 · Heft 50 (10.12.1867) · p. Seite 996

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 50 (10.12.1867)
Date
1867-12-10
Page
Seite 996 (sequence 8)
Language
German
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996 Gemeinwohl Mitwirken sehen, und wenn wir dort die Gleichberechtigung aller Confessioncn verkünden hören. Dieser Umstand erweckt in uns stets den drückenden Gedanken, daß, während wir - hier diesseits der Leitha als Bürger angesehen und geachtet werden, wir nur den Boden unseres Heimatlandes betreten müssen, um in politischer Beziehung alsogleich Parias zu werden. Die Regierung, und mit ihr die Majorität des Reichstages, glaubte — wie es scheint — dem Geiste unserer Zeit Genüge geleistet zu haben, wenn sie die Gleichberechtigung der Juden im Principe annimmt, aber das Jnslebentreten derselben auf eine spätere bessere Zeit — ad graccas calendas — verschiebt. „Wir verlangen Brot, und sie geben uns Steine!" Die Ausflucht der Negierung tvar bisher, es mangle hiefür die gelegene Zeit. Wahrlich, als ob der Gesetzentwurf für den Bau einer Eisenbahn wichtiger wäre, als die Aufhebung des rechtlosen Zustandes einer halben Million Menschen, welche, wenn sie zu Stande kommt, dem Lande in den Augen der ganzen gebildeten Welt nur zur Ehre gereichen würde. In dieser Zeit der Verzögerung waren Sie es, geehrter Herr Abgeordneter, der die BeschleimszuUg dieser, sowohl gerechten als auch allgemein wichtigen Angelegenheit mit Ihren gewichtigen Worten herbeizuführen bemüht waren. Genehmigen Sie dafür unseren aufrichtigen Dank, und gestatten Sie, daß wir Sie, geehrter Herr Abgeordneter, um die erneuerte Befürwortung unserer Angelegenheit behufs deren glücklichen Erledigung ersuchen, um so mehr, als wir Ursache haben zu befürchten, daß dieselbe auch noch bei Schluß dieser Session keine Entscheidung gefunden haben wird. Indem wir uns im Namen der die civilisirte Welt beherrschenden humanitären Principien gegen die bisherige Verschleppung unserer Angelegenheit feierlichst verwahren, erneuern wir unsere Bitte und verharren Ihre hochgeehrter Herr Abgeordneter ergebenste Diener. Wien, November 1867. (Folgen circa 200 Unterschriften.) Pest, 26. Nov. Endlich konnte doch das Ministerium dem allgemeinen Andrang nicht widerstehn, und der Ministerpräsident, Graf Andrassy, hat in der Sitzung der Deputirtentafel vom 25. folgenden Gesetzentwurf vorgelegt. §. 1. Die israelitischen Bewohner des Landes werden zur Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte mit den christlichen Bewohnern für gleichmäßig befähigt erklärt. §. 2. Alle Gesetze, Gepflogenheiten und Verordnungen, welche hiemit im Widerspruche stehen, werden aufgehoben. Dieser Entwurf wurde vom Hause mit lautem Eljen aufgenommen, und an die Sektionen zur Vorberathung überwiesen. Die Beurtheilung, welche dieser Gesetzentwurf findet, können wir in folgenden Notizen kennzeichnen Naplö sagt bezüglich des die Juden betreffenden Gesetzentwurfes: Der Entwurf hat fast alle empfehlenden Eigenschaften, er ist kurz, verständlich, entschieden, präcis und doch überraschend, denn die öffentliche Meinung erwartet nicht die Juden-Emancipation, sondern die Gleichstellung der Confessionen. Dem kann noch abgeholfen werden. In demselben Sinne spricht sich Tisza im Hon aus. Es soll im Gesetz einfach ausgesprochen werden, daß die bürgerlichen und politischen Rechte vom Glauben unabhängig sind. Magyar orszäg ist mit dem Entwurf zufrieden und sagt, daß er binnen kürzerer Zeit zum Gesetz erhoben werden wird. Donaufürstenthürner. Bukarest, 15. Nov. (Privatmitth.) Der Bürgermeister von Bacau folgte dem Beispiele des Bürgermeisters von Jassy und veröffentlichte ein Verbot, daß Christen bei Juden und Juden bei Christen dienen dürften. Der Bürgermeister machte Anstalten das Verbot in Ausführung zu bringen. Die dortigen Juden wandten sich an den Minister in Bukarest und dieser untersagte jede desfallsige Maßnahme durch folgendes Telegramm: „Herr Präfect! Lesen Sie auf der Poststation das Telegramm der Juden aus ihrer Stadt. Heben Sie die von der Polizei in Bezug auf die Dienstboten erlassenen Maßnahmen auf und bringen Sie zur Kenntniß der Bürgermeisterei, daß Sie nicht wieder solche Maßnahmen treffe, weil ich sonst

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