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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-10 · Heft 50 (10.12.1867) · p. Seite 992

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 50 (10.12.1867)
Date
1867-12-10
Page
Seite 992 (sequence 4)
Language
German
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SSL trüben Ereignisse lebten noch in der Erinnerung fort und ließen ähnliche Auftritte für die Zukunft fürchten. Die gebildeten Männer, Anhänger der Adath-Jeschurun, konnten unmöglich die Hartnäckigkeit der Gegenpartei und deren beschränkte Anschauung von der Stellung der Juden zur Gesellschaft vergessen haben. «Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 25. Novemb. (Privatmitth.) In meiner Mittheilung vom 10. d. habe ich einen fünften Abgeordneten jüdischen Glaubens, Herrn Moritz Marburg, übersehen. In der Sitzung vom 21. wurde derselbe mit anderen Abgeordneten vereidigt. Der Bericht hierüber lautet wie folgt: „Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Vereidigung von 82 neu eingetretenen Mitgliedernauf die Verfassung, welche diesen Eid noch nicht geleistet haben. Dieselben treten in die Mitte des Saales zwischen den Stenographentisch und das Centrum und leisten, während sich alle Anwesenden im Saale und auf den Tribunen erheben, in der üblichen Weise den Eid. Die meisten — darunter auch Abg. Domherr Künzer — schwören ohne Hinzufügung confessioneller Formeln: „Ich N. N. schwöre es, so wahr mir Gott helfe!" Der Abg. Moritz Marburg schwört ohne Aufhebung der Schwurfinger. (Ruf: Hand erheben!) Abg. Marburg: Ich kann nicht anders schwören, ich bin Jude!" Wir billigen es gewiß, wenn der Jude Glaubenstreue und Charakterfestigkeit genug besitzt, um, wie es sich eigentlich von selbst versteht, in religiösen Dingen Nichts zu thun, was dem Judenthum widerspricht. Zu bedauern ist es aber, wenn hierbei Unkenntniß zu unrichtigen Schritten verleitet. Wer hat dem Herrn Abg. gesagt, daß der Jude beim Schwören nicht die Hand erheben dürfe, während dies doch die erste und echteste Form ist. Er braucht nur nachzusehen 1. Mos. 14, 22; 2. Mos. 20, 5; 4. Mos. 14, 30; 5. Mos. 32, 40; Ezech. 20, 5. 15. 28. 42; 36, 7; 47, 14; Nehem. 9, 15. Eine solche Unkenntniß wirft denn ein trauriges Streiflicht auf die gebildeten Juden un serer Zeit, zu denen doch der Herr Abggehört, hinsichtlich ihrer religiösen Bildung, namentlich der Kenntniß der heil. Schrift, in welcher nicht selten die sonst wissensreichsten Juden von einem evangelischen Dorfknaben übertroffen werden. — Wenn der Freiherr Meyer v. Rothschild in das preußische Herrenhaus berufen wird, so haben wir das eigenthümliche Schauspiel, daß ein Glied dieser Familie im österreichischen, eines im preußischen Herrenhause und zwei im englischen Unterhause sitzen. Stettin, 25. November. (Privatmitth.) Die Vorgänge bei der letzten Wahl zum Abgeordnetenhause am hies. Orte, welche in der Nachwahl heute zu Ende gegangen ist, dürften wohl auch in diesen Blättern einer Erwähnung verdienen; die Gründe werden dem Leser einleuchten, ohne daß wir nöthig Hätten, sie vorauszuschicken, oder am Schluffe zu erörtern. Nachdem bereits Ende 1866 auch hier eine Scheidung der früher dominirenden Fortschrittspartei in eine „liberale" (fortschrittliche) und „national-liberale" eingetreten war, zugleich aber auch die Conservativen, welche sonst einen verschwindenden Bruchtheil von Wahlmännern gestellt und an Aufstellung eines eigenen Candidaten gar nicht gedacht hatten, es auf eine sehr erhebliche Minorität gebracht hatten, wurde diesmal von der einen Seite Löw e-Calbe, von der anderen Laster aufgestellt. (Der Name des conservativen Candidaten ist auswärts unbekannt.) Beide Parteien erklärten ausdrücklich, daß sie einen imponirenden, glänzenden Namen ihrer Farbe aufstellen, vom Lokal-Candidaten daher absehen müßten. Also Lasker Wahlcandidat in Stettin und zwar, wie man von vornherein wußte, auch der conservativen Partei, die „nur des Prinzips wegen" im ersten Wahlgange ihrem Candidaten die Stimmen gab, dann aber mit den Nationalen stimmte. Ein Jude für Stettin, wo nicht nur bis 1815 kein Jude ohne spezielle polizeiliche Genehmigung über Nacht verweilen durfte, sondern wo noch bis heute eine tüchtige Schicht von vulgärem altpommerschem Rischus, feineren oder gröberen Gemenges, lagert. Das >vurde denn auch gebührend hervorgehoben, und zwar — von einigen Führern der Nationalen, christlichen Kaufleuten, welche zu einflußreichen jüdischen Börsenbesuchern sagten: „Wie haben wir es doch so herrlich weit gebracht, wer hätte vor nicht langen Jahren das gedacht, wir stellen einen Juden auf, dafür werdet Ihr doch ohne Zweifel die-

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