Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1867)
- Date
- 1867-12-03
- Page
- Seite 987 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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987 Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 14. Solomon Cohen. Die Lebensskizze dieses als Jurist, Redner und Staatsmann gleich ausgezeichneten Mannes findet sich im elften Jahrgange (1853) von Leeser's „Occident", der sie dem „Charleston Courier" entnahm. Wir geben hier einen Auszug. Solomon Cohen wurde am 15. August 1802 in Georgetown, im Staate Süd-Carolina, von gebildeten, in großem Ansehen stehenden Eltern geboren, die große Sorgfalt auf seine Erziehung verwendeten. Noch sehr jung, besuchte er die Universität (College) zu Columbia, S.C., und verließ dieselbe im Jahre 1820, geschmückt mit den höchsten Ehren, welche diese Anstalt zu erlheilen vermochte. Gleich nach seinem Abgänge gab er sich dem Studium der Rechte mit großem Eifer hin, zuerst in seiner Vaterstadt, dann in Charleston bei dem seiner Zeit so sehr gerühmten Juristen Hon. Mitchell King. Schon im Jahre 1823 wurde er zur Advocatur zugelassen. Er practicirte zuerst einige Jahre lang in Savannah im Staate Georgia, woselbst er in kurzer Zeit sich das allgemeine Vertrauen erwarb. Das vorgeschrittene Alter seines Vaters rief ihn indeß bald wieder nach Georgetown zurück, woselbst er eine ausgezeichnete und gewinnreiche Praxis erhielt, so daß weder in seiner Vaterstadt, noch in der ganzen dortigen Umgegend irgend ein Proceß von Bedeutung geführt wurde, in welchem nicht Cohen die eine oder die andere Partei zu vertreten hatte. Bald hatte er das allgemeine Zutrauen seiner Mitbürger nicht bloß zu seiner geschäftlichen Tüchtigkeit, sondern auch zu seiner Redlichkeit und politischen Bildung in so hohem Grade gewonnen, daß er, der noch so junge Mann, im October 1830 zum Mitgliede der Staats-Legislatur ^n§e'rd-Carolina gewählt wurde. Sechs Jahre hindurch h-eÄerdete er diese Ehrenstelle, sie durch seine Beredsamkeit schmückend und an allen Geschäften und Verhandlungen lebhaften Antheil nehmend. Ein Correspondent der „Charleston City Gazette" beschreibt sein erstes Auftreten lvedul) mit folgenden Worten: „Dann folgte Herr Cohen von Georgetown und rechtfertigte den hohen Ruf, der ihm in das Haus vorangegangen war. Seine Manier (his inanner) ist anmuthig und eindrucksvoll; seine Stimme hell (deartoned), melodisch und von bedeutendem Umfange, ja, sein bloßer Blick schon ist beredt." Im Jahre 1836 wurde er von der Legislatur zum Kommission er in Equity (es fehlt mir im Augenblick die entsprechende deutsche Bezeichnung) für den Bezirk von Georgetown gewählt, einem Amte von großer Verantwortlichkeit und mit richterlicher Gewalt. Herr Cohen verwaltete dieses Amt zwei Jahre, indem er sich der Pflichten desselben zur Zufriedenheit des Richterstandes (öench), des Advokatenstandes und des Publikums entledigte, legte dann dasselbe nieder, um sich ein größeres Feld für seine juridische Thätigkeit zu suchen. Im Jahre 1838 bereiste er mehrere der westlichen Staaten und wählte endlich (and foriunately „glücklicherweise" fügt sein nicht jüdischer Biograph hinzu) Savannah im Staate Georgia zu seiner künftigen Heimath. Im Januar 1839 begann er hier seine Praxis als Advocat, und obgleich noch jung, nahm er einen ehrenvollen Platz unter den ältesten und tüchtigsten seiner Collegen ein, Ehren und Einkünfte in gleich reichem Maße einerntend. Im Jahre 1840 wurde er von dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Martin van Buren, zum Districts-Anwalt der V. St. für den Staat Georgia ernannt, welches Amt er jedoch schon im Jahre 1842 niederlegte, da er von Chatam County zum Abgeordneten für das Staatenhaus von Georgia gewählt wurde. Als ein weiterer Beweis der hohen Achtung, in welcher Herr Cohen bei seinen Mitbürgern in Georgia stand, sei erwähnt, daß er kurze Zeit nach seinem Austritt aus der Staats-Legislatur von der demokratischen Partei als deren Candidat für den Congreß aufgestellt und stark unterstützt wurde gegen den Hon. Thomas Butler King. Von den Aemtern, die er nach dieser Zeit noch bekleidete, wollen wir bloß das wichtige des B. St. Postmeisters von Savannah erwähnen, das ihm vom Präsidenten Franklin Pierce (1853) fast aufgedrungen werden mußte. Herr Cohen war stets ein thätiger und rühriger Politiker. Er war ein warmer Verehrer des Herrn Calhvun und ein strenger Anhänger jener politischen Schule, die die Verteidigung der Staatsrechte zu ihrer Aufgabe gemacht (a strict adherent of the Stale Rights’ school of politics). Im Jahre 1844 nahm er lebhaften Antheil an dem Kampfe um die Präsidentenwahl und war einer der Hauptredner auf den Hustings, der für den demokratischen Candidaten (und nachmaligen Präsidenten der V. St.) James R. Polk in die Schranken trat. Als im October jenes Jahres beide Parteien (die Whigs und die Demokraten) in Augusta (Georgia) eine Massenversammlung zur freien Besprechung hielten, wurde Herr Cohen als der Sprecher der demokratischen Partei gewählt und rechtfertigte vollkommen die ihm gewordene Ehre. Ein Whigcorrespondent des „Charleston Courier", der diese merkwürdige Scene beschreibt, sagt Folgendes von Herrn Cohen's Auftreten: „Nachdem dieser tüchtige Kämpfer für die Grundsätze der Whigs <Herr Dawson) geschlossen hatte, erwiderte Herr Sol. Cohen aus Savannah, vormals ein ausgezeichnetes Mitglied der Legislatur von Süd-Carolina, und später von Georgia, im Namen der Demokratie .... Herr Cohen ist ungefähr 41 oder 42 Jahre alt, von kleiner Statur, aber von angenehmer Erscheinung und Haltung, mit dunkeln und sprechenden Augen, feinen und lebhaften Gesichtszügen. Der Ton seiner Stimme ist männlich, von bedeutendem Umfange und gefälliger Modulation, sein Vortrag und feine Manier sind voller Grazie und