Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1867)
- Date
- 1867-12-03
- Page
- Seite 988 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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988 Schicklichkeit und doch voller Feuer und Lebhaftigkeit, seine Sprache ist zugleich keusch und elegant. Er ist im vollsten Sinne des Wortes ein ausgezeichneter Redner." Herr Cohen ist ein Jsraelite und hängt mit ganzer Seele an der Religion seiner Väter. *) Sein Privatleben ist ein musterhaftes, und nicht einmal die Verleumdung wagte es, dasselbe jemals anzugreifen. Herr Cohen ist noch (1853) in der Blüthe seiner Jahre und seiner Wirksamkeit, der Baumeister seines eigenen Glückes und im Besitze eines ehrenvollen Rufes. Wohl mögen sowohl sein Geburtsals sein Adoptivstaat stolz auf einen solchen Sohn sein und ihn zu ihren kostbarsten Schätzen (jeweis) zählen. — Soweit die Skizze des (nichtjüdischen) Biographen im „Charleston Courier". Wir fügen noch hinzu, daß Herr Cohen nach Beendigung des Bürgerkriegs von seinem Staate i Georgia) als Abgeordneter für das Repräsentantenhaus in Washington gewählt wurde; da aber bis jetzt bekanntlich noch kein Abgeordneter der südlichen Staaten Zutritt erhielt, so konnte auch Herr Cohen bis jetzt seinen Platz noch nicht einnehmen. Gegenwärtig befindet er sich mit seiner Familie in London. Eine Anekdote aus dem Jahre 1837. . Wir haben in Nr. 42 einen Artikel „Aus der Zeit der Reaction" mitgetheilt, wo gerade die nach „Freiheit und Brüderlichkeit" strebende deutsche Partei sich durch ihren Judenhaß bemerkbar machte. Daß diese Zeit in Deutschland eine recht lang andauernde war, ersahen wir in diesen Tagen aus einer Geschichte, die Arnold Rüge im zweiten Bande seiner Selbstbiographie „Aus früherer Zeit" Seite 106 erzählt, und wo er von den Bierhäusern und Biergärten in Stuttgart spricht. Es heißt da: „Eines Abends trat in einer recht zahlreichen Versammlung in Stuttgart ein französischer Jude aus, der uns schon bekannt war, und las mit vielem Unwillen eine Stelle aus der Zeitung vor. Die Juden in Landshut seien bei der Münchener Regierung eingekommen um Abschaffung einer Steuer von sechzehn Gulden jährlich, welche die Juden an die Universität Landshut, jetzt München, zu zahlen hätten, um Schutz gegen die Studenten zu finden, die allemal, wenn sie einem Juden begegneten, ihn mit dem Ausruf: „Jud', mach Mores!" zum Gruße gezwungen hätten. Nun sei die Universität nach München verlegt, also keine Veranlassung mehr zum Schutzgelde von sechzehn Gulden. Die Regierung habe aber das Gesuch zurückgewiesen, und die Juden von Landshut müßten nach wie vor ihr Moresgeld an die Universität entrichten. Welch eine Schmach! rief der französische Jude aus; da sieht man's doch, wie weit ihr hinter Frankreich zurück seid! So etwas wäre bei uns ganz unbegreiflich. Wir gaben ihm natürlich alle Recht, und er freute sich schon, daß wir denn doch ein solches Verfahren ebenso sehr mißbilligten, als er, wenn wir auch augenblicklich für die Landshuter Juden nichts thun könnten. Als er sich aber zur Thür wandte und eben seine Verbeugung machen wollte, erscholl es von allen Seiten: „Jud', mach Mores!" Er unterbrach sich in seiner Verbeugung, kehrte zurück, schalt Klein und Groß, und zu seinem Erstaunen gab ihm wieder Alles vollkommen Recht, sobald er aber gehen wollte und sich zur Thür wandte, erscholl wieder das Unvermeidliche: „Jud', mach Mores!" womit er denn auch endlich abziehen mußte, ohne daß er auf den Scherz eingegangen wäre, was ihm natürlich einen stürmischen Beifall eingetragen haben würde." — Allerdings hätte der „französische Jude" klüger handeln sollen; er hätte sich umdrehen, der witzigen Gesellschaft den Theil zeigen sollen, auf welchem der Mensch gewöhnlich sitzt, und mit einer solchen Verbeugung zum Zimmer hinausgehen. Das Behagen, mit welchem Herr Rüge diesen Auftritt erzählt, würde durch diesen Schluß etwas gemindert worden sein. Kuriosa nud Notizen. Die alten jüdischen Satzungen und Gebräuche kommen immer mehr in guten Ruf. So auch jüngst die Bedeckung des Hauptes in den Gotteshäusern. Von Braunschweig schreibt man unter dem 8. November. Der Kirchenvorstand der Ulricikirche macht bekannt, daß er sich geeinigt habe, wegen der in den Kirchen herrschenden Kälte während tyÄ M-vUesdienstes den Hut auf dem Kopfe zu behalten; er fordert die Gemeinde auf, das Gleiche zu thun. In den Hansestädten herrscht diese Sitte längst. Bekanntlich herrscht bei manchen Personen die Sucht vor, alle Celebritäten und hervorragende Persönlichkeiten für Juden oder jüdischen Ursprungs auszugeben. Jüngst sprach Jemand von einem sowohl an Körpergröße, als durch seine Kunststücke und klugen Manieren bewunderungswürdigen Elephanten. Er fügte hinzu: „Der Elephant ist jetzt sechs Jahre alt, und wie man sagt, ist er ein Jude." *) Freilich eine große Seltenheit bei unseren Politikern. -:— Anmerk, des Uebers. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.