Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1867)
- Date
- 1867-12-03
- Page
- Seite 979 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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tränkt. Du hast uns in der Wüste ernährt. Du führtest uns am Tage durch eine Wolkensäule und des Nachts durch eine Feuersäule. Wer gleichet Dir, Dir, der Du in der Versammlung der Engel angebetet wirst. Welcher Gott ist wie unser Gott, Du bestehest ewig, und Deine Tage haben kein Ende. O Ewiger, gedenke des Bundes Moses', welchen Du auf Horeb befohlen hast. Lobet Gott in allen Ewigkeiten. Amen. Amen. Ich schreibe diesen Brief noch bei den Ruinen des ehemaligen Adulis, das 5 Stunden südlicher von Massauah liegt. Ich bewohne eine Hütte inmitten einer wüsten Ebene vor dem indischen Lager, welches die Engländer soeben aufgeschlagen haben. Ich bin entschlossen, der englischen Expedition bis in's Innere zu folgen. Da werde ich noch lange zu warten haben, bei der Langsamkeit der Engländer, aber es giebt kein anderes Mittel, da das Land in vollem Aufruhr und jede Verbindung unmöglich geworden ist. Jndeß kann man sich die Leiden, die man in diesem dürren Lande zu ertragen hat, in Europa garnicht vorstellen. Seit einem Monat fehlt das Brot, ich esse Durra in morastigem Wasser gekocht, dessen ekelhafter Geruch die Nerven empört. Die Bewohner des Landes kennen kleines Geld garnicht, sie lassen sich das Geringste in Talares (Maria-Theresienthaler) bezahlen, so kostet ein Pfund Fleisch oder Del nicht weniger als fünf bis sechs Franks. Doch ich bin zufrieden und froh, denn ich hoffe, daß die Aufgabe meiner Reise im Laufe des Winters gelöst werden wird. Schließlich befinde ich mich Gottlob! sehr wohl, trotz des Klimas; in diesem Augenblicke (2 Uhr Nachmittags) haben wir 45 Grad Rsaumur Hitze, während die Nächte sehr kalt sind. Ich bitte Sie, mir einen Brief zu schreiben, in dem Sie mir die Lösung gewisser Fragen vorschlagen, welche Ihre Gesellschaft interessiren, Sie werden die Güte haben, mich die Entscheidung des Londoner Comitss in Bezug auf die chinesische Mission wissen zu lassen. Herr Munzinger, der franz. Consul, wird mir die Briefe zukommen lassen, welche in Massauah auf meine Adresse einlaufen. Genehmigen Sie ff. I. Halsvy. Nachträge. Leipzig, 22. Nov. Die K. Regierung hat den Entwurf zu einem neuen Wahlgesetze den Ständen vorgelegt. Auch in diesem ist das active und passive Wahlrecht von keiner confessionellen Beschränkung beengt. Pest, 21. Nov. Wie Hirnök vernimmt, ist Herr Moriz Gans v. Ludassh, ein Israelit, Eigenthümer der „Debatte", in das Ministerium des Grafen Andrassh für Preßangelegenheiten als Sectionsrath ernannt worden. Vor einigen Tagen überreichte eine Deputation von ungarischen Studenten mosaischer Religion, die in Wien studiren, eine mit fast 200 Unterschriften versehene Adresse dem Deputirren Tisza, den Dank für seine bisherigen und die Bitte um weitere Bemühungen zu Gunsten der bürgerlichen Gleichstellung enthaltend. (Wir werden diese frisch und kräftig verfaßte Adresse in der nächsten Nummer mittheilen.) Wien, 21. Nov. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, wo das Delegationsgesetz beschlossen ward, wurde auf Antrag des vr. Rechbauer ein Zusatzparagraph votirt, nach welchem dieses Gesetz erst dann in Wirksamkeit treten darf, wenn dies zugleich mit dem vom Abgeordnetenhause beschlossenen Gesetze über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger, nemlich deren staatsbürgerliche, politische und religiöse Freiheit geschieht. Correspondenz. Monatsberichte aus Angarn. IV?) Neu-Verbaß im Novbr. 1867. „Ouousque tandem?“ muß man zu fragen sich versucht fühlen, wenn man wahrnimmt, wie der seit einem Monate wieder berathende Reichstag — ab gehend von dem ihm bei seiner jüngsten Einberufung ad hoc seitens des Ministeriums vorgelegten Verhandlungsprogramme — in die Debattirung verschiedener Gegenstände eingeht, *) Die mitgesandte Broschüre dankend erhalten. Redakt. 49*