Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1867)
- Date
- 1867-12-03
- Page
- Seite 977 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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977 Donaufürstenthümer. Bukarest, 8. Nov. Die Verfolgung der Juden in Rumänien nimmt ihren Verlauf Schritt vor Schritt weiter. Wir entnehmen dem „Echo Danubien“ Folgendes : „Wir geben in Folgendem einen Auszug des Ausspruches des Tribunals von Kraiova, durch welchen man der jüdischen Gemeinde dieser Stadt die Hypothekeneinschreibung verweigert: „Das Tribunal verweigert die Forderung um Hypothekeneinschreibung, welche die Vorsteher der jüdischen Gemeinde eingereicht haben, kraft des Art. 1769 in Verbindung mit dem Art. 1366 des Civilcodex, weil nach dem reglementairen Gesetze und dem Gesetze vom Jahre 1864, es nur Ausländern christlicher Religion und unter bestimmten Bedingungen gestattet ist, Immobilien in dem Lande zu kaufen. Folglich können die Juden dieses Recht nicht genießen; sie dürfen weder kaufen noch verkaufen, noch hypothecisiren. „Dieser Beschluß ist dem Appel des Cassationshofes unterworfen, gemäß dem Artikel 36 des Gesetzes über den Cassationshof, welches in Bestimmung und Form von dem §. 44 des citirten Gesetzes vorgeschrieben ist." Nach der oben erwähnten Entscheidung haben die Israeliten, welche Grundeigenthum besitzen, wegen ihres Glaubens nicht das Recht, darüber zu verfügen. „Also können den Juden ihre Güter unter gesetzlichem Vorwände genommen werden. „Wir hoffen, daß der Cassationshof diese Entscheidung modifiziren und die gesetzlichen Körper anerkennen werden, daß ein Besitzthum, welches seit mehreren Jahren erworben worden, demjenigen, der es besitzt, nicht entrissen werden kann." —. Einer der heftigsten Verfolger der Juden in Galatz, der Advokat Pandeli Popassu ist vom Gericht zu 15 Monaten Gefängnissen und zu 5 Dukaten Strafe verurtheilt worden. Doch darf man nicht meinen, daß dies wegen seiner schändlichen Handlungen gegen Juden geschehen ist; vielmehr war dieser Held der Rothen von der Bürgermeisterei wegen Mißbrauch des Vertrauens, Betrügereien u. s. w. angeklagt. Wir haben jedoch doch die Befriedigung, einen Verfolger weniger zu haben und ihn genugsam characteri'sirt zu sehen. Rußland. Petersburg, 15. Nov. Die handeltreibenden Juden in den nordwestlichen Gouvernements haben fortan ihre Handelsbücher durchaus in russischer Sprache zu führen. Amerika. Baltimore, 28. Oct. (Privatmitth.) Die neue Constitution des Staates Maryland, die im vorigen Monate in Wirksamkeit trat, nachdem sie vom Volke mit ungeheurer Mehrheit angenommen wurde, hat end> lich den sogenannten test-ooib fallen lassen, so daß, wie in der Constitution der Vereinigten Staaten, so auch in dieser von irgend einer bestimmten Religion keine Rede ist. Es hat einen vierzigjährigen Kampf gekostet, bis wir es dahin gebracht. Die früheren Constitutionen waren alle mehr oder weniger christlich gehalten. Die älteste schloß die Juden, freilich nicht aus Rischus — denn man dachte damals gar nicht an Juden — von einer jeden Theilnahme am Staate ganz und gar aus, weil sie einen Eid „auf den wahren Glauben eines Christen" verlangte; den immerwährenden Demonstrationen und Protestationen der Israeliten Baltimores gelang es später, daß eine Klausel zu Gunsten der Juden ausgenommen wurde, d. h. für den Christen blieb der Eid stehen, war aber der den Beamten-Eid Schwörende ein Jude (being a Jew), so mußte er schwören, daß er an eine jenseitige Belohnung und Bestrafung glaube. Die vorletzte Constitution ließ diese Worte (being a Jew) weg und ließ auch dem Christen die Wahl, ob er auf das Christenthum schwören wolle, oder, daß er an jenseitige Vergeltung glaube; erst die neue Constitution hat die letzte Schranke hinweggeräumt. Zu besonderem Danke sind wir dafür Colonel Mendes I. Cohen verpflichtet, der, mit den meisten Abgeordneten auf vertrautem Fuße stehend, seinen ganzen Einfluß aufbot, dieses günstige Resultat herbeiznführen. Wir dürfen jedoch nicht zu erwähnen vergessen, daß in der gesetzgebenden Versammlung die democratisch-conservative Partei das Ruder führte, die weit weniger religiöse Vorurtheile hat als die radicale. — 49