Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1867)
- Date
- 1867-12-03
- Page
- Seite 976 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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976 stehen, ohne darum eine wirkliche Gleichstellung in dem von uns Juden angestrebten Sinn zu bezwecken. Es rührt diese sg. Emancipation aus dem Jahre 1863 her, wo eine Reihe von Gesetzen, die Berhältniss: der Juden in den Herzogthümern betreffend, von den damaligen holsteinischen Ständen mit voller Gesetzeskraft versehen, publicirt wurden. Gestatten Sie mir auf zwei Punkte näher einzugehen. Unter anderen, die Verwaltung der Gemeinden und ihre Autonomie näher beleuchtenden Paragraphen finden wir nämlich ein Gesetz, welches den israelitischen Knaben und Mädchen die Verpflichtung einer öffentlichen Religionsprüfung, alias Conftrmation auferlegt; im Zusammenhänge damit steht die den Gemeinden gebotene Anstellung von Geistlichen, event.. der Anschluß kleinerer Gemeinden an die mit einem Geistlichen versehen größeren. Die Vortheile beider Gesetze fallen leicht in's Auge. Der Religionsunterricht ist in seinem ganzen Umfange den israel. Eltern zu einer Nothwendigkeit gemacht, der sie sich nicht entziehen können, ohne die Consequenzen tragen zu müssen. Selbst die neuen staatlichen Verhältnisse, die sich hier Bahn gebrochen, waren nicht im Stande, die Executive dieser Verordnungen zu verhindern, s wenn sie dieselbe auch für einige Zeit verzögert haben? Bon allen Städten Holsteins war nämlich nur Altona^ im. Genüsse eines Geistlichen im Sinn des Gesetzes. Wandsbeck und Rendsburg haben solche erst anstellen müssen, während andere Orte, wie Elmshorn, sich bis auf Weiteres dem Altonaer Oberrabbiner unterordneten. Diese Verzögerung hatte zur Folge, daß erst im Laufe dieses Jahres alle das vorschriftsmäßige Alter seit dem Juli 1863 überschrittenen Confirmanden zur Prüfung gelangen konnten. In Altona fand die erste im Sommer d. I. an einer bedeutenden Anzahl statt, und auch in unserer Gemeinde sind durch die am 10. d. M. stattgehabte Prüfung endlich jene Schwierigkeiten gelöst, welche die verzögerte Durchführung des Gesetzes veranlaßt hatte. Die Betheiligung an der Confirmation war von Juden und Christen eine sehr rege. Die einleitenden und schließenden Worte des die Prüfung leitenden Oberrabbiners Ettlinger aus Altona erregten eine allseitige Befriedigung, ebenso der Gang der Prüfung selbst. Der Actus legte Zeugniß ab von der Heiligkeit der israel. Religion und gab den Anwesenden einer anderen Confession den Beweis, daß das Judenthum von jeher Träger aller Lehren gewesen, welche Moral und Tugend von uns als Menschen fordern. Hoffentlich werden die jetzt geregelten Verhältnisse die Durchführung des Gesetzes auch in den noch übrigen zurückgebliebenen Orten fördern. Zu wünschen wäre nur, daß die kleinen Gemeinden nicht durch allzuhäufigen Wechsel der Lehrer, die in Vertretung der Geistlichen den Religionsunterricht ertheilen müssen, von Neuem zu Verzögerungen Veranlassung geben. Wie wenig ein solcher Wechsel den Schulen, ebenso wie den Gemeinden und Familien zum Vortheil gereicht, ist bekannt genug. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im November. (Privatmitth.) Verflossenen Sonntag hat die zweite von der Repräsentanz veranstaltete Trauerfeier zu Ehren des sel. Rapoport stattgefunden. Diesmal sprach Di-. Stein; er betonte die Verdienste des Heimgegangenen auf dem Felde der Wissenschaft. Die gehaltvolle Rede fand bei dem wieder zahlreich versammelten Publicum verdiente Anerkennung. Der im Bau begriffene Tempel ist nun bereits unter Dach; jetzt, wo die Räume geschlossen sind, gewinnt man eine richtige Vorstellung von der Großartigkeit und Pracht des Baues. Es ist vorherrschend ein Geviertbau, gekrönt von einer Glaskuppel im geschmackvollsten Style; durch den Vorsprung aber, den das Podium in östlicher Richtung bildet, gewinnt das Haus auch das Gefällige eines Längenbaues. Es soll im Innern des Hauses den ganzen Winter hindurch ununterbrochen gearbeitet werden, damit es zum kommenden Frühjahr eingeweiht werden kann. Prof. Weffelh ist von dem Professoren-Collegium der juridischen Facultät in das Bibliotheks-Comits gewählt worden, wieder ein Forffchritt auf der Bahn der Toleranz?) *) Wir haben bereits zwei hebräische Klagegedichte auf den Tod Rapoports erhalten, für deren Mittheilung wir den Verfasiern unseren Dank sagen, nämlich: o’i-'p von Peter Smolenski hebr. und deutsch, und -ri: b'p von Jonas Spitz. Redaktion.