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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-12-03 · Heft 49 (3.12.1867) · p. Seite 970

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 49 (3.12.1867)
Date
1867-12-03
Page
Seite 970 (sequence 2)
Language
German
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Gesundheit und Leben des Kindes, überdies aber ganz zwecklos und unvernünftig sei, weil es nicht denkbar, daß der Schöpfer einen wenn auch noch so kleinen Theil des menschlichen Körpers gebildet habe, der ganz unnütz und werth wäre, alsbald wieder weggeschnitten zu werden. Diese Urtheile bekömmt man nicht nur überall unter der christlichen Bevölkerung zu hören, sondern sie werden auch von einer verhältnißmäßig großen Zahl zumal solcher Glaubensgenoffen getheilt, welche sich zur Klaffe der Gebildeten und AufgeÄärten zählen. Sie sind zumeist .der Grund, daß sehr viele jüdische Familien ungern oder doch sicherlich nicht mit dem befriedigenden Gefühle freudiger, religiöser Pflichterfüllung die Ceremonie an ihren neugebornen Söhnen vornehmen lassen, während einige andere sich entweder gar nicht oder nur unter dem Zwange äußerer Verhältnisse dazu verstehen, gewöhnlich aus Rücksicht auf den entschiedenen Wunsch ihrer noch strenggläubigen Eltern und sonstiger naher Anverwandten, oder weil die staatlichen Gesetze ihnen nur die Wahl zwischen Beschneidung und Taufe übrig lassen. Je verbreiteter nun und eingewurzelter solche, die Ceremonien verdammenden Anschauungen sind, um so mehr dürfte die Frage berechtigt erscheinen, ob und in wie weit dieselben in der ärtztlichen Beobachtung und Erfahrung, die hier wohl unbestritten ein entscheidendes Wort mitzusprechen hat, ihre Begründung und Bestätigung finden. Eine Antwort hierauf giebt ein Aufsatz des Dr. Kersch, der kürzlich im letzten Hefte der Prager Vierteljahrschrift für praktische Heilkunde*), einer der angesehensten medicinischen Zeitschriften, erschienen ist. Der Verfasser behandelt darin den von den Aerzten Phimosis genannten, häufigen Kränkheitszustand der männlichen Vorhaut, d. i. die Verengerung derselben, welche theils angeboren ist, theils erst später in Folge von Krankheiten sich ausbildet. Er kommt nach einer eingehenden Untersuchung zu dem bemerkenswerthen Resultate, daß unter sämmtlichen gegen dieses Uebel gebräuchlichen Operationsmethoden die uralte der Juden, nämlich die Beschneidung, fast in allen Fällen unbedingt den Vorzug verdient. Im weiteren Verlaufe der Abhandlung wird constatirt, daß örtliche Geschlechtskrankheiten unter der christlichen Bevölkerung nicht nur verhältnißmäßig häufiger Vorkommen, als bei den Juden, was allenfalls *) Jahrgang 1867, Bd. III. x. 30. auf Rechnung eines mehr moralischen Lebenswandels der letzteren gestellt werden könnte, sondern daß sie auch durchweg viel bösartiger verlaufen und der Heilung viel hartnäckiger widerstehen, wovon einzig und allein, wie auseinander gesetzt wird, die Gegenwart der Borhaut die Schuld trägt. Der Verf. hält sich somit überzeugt von dem Werthe der Beschneidung im Kindesalter als eines prophylaktischen Mittels, um gewisse, häufige Krankheitszustände der Vorhaut nebst ihren üblen Folgen von vorn herein ganz unmöglich zu machen, bei manchen anderen dagegen, welche nicht verhütet werden können, wenigstens einen milderen und günstigern Verlaus zu erzielen. Er schließt seine hierher gehörigen Betrachtungen mit folgenden, charakteristischen Worten: „Biele Autoritäten, sogar sehr hocherfahrene und intelligente Männer, Autoritäten von Fach stellen die Beschneidung der Kinder als etwas Veraltetes, als ein aus einem barbarischen Zeitalter herübergezerrtes, mit den humanistischen Bestrebungen unserer Zeit gar nicht mehr verträgliches Verfahren hin, von dem sie mit unbewußter Ironie behaupten, daß es zu unserer vorgeschrittenen Cultur gar nicht paffe, daß es nur etwa in heißen Klimaten einige Jndicationen hätte. Aber ein unparteiischer, unbefangener Beobachter, der gerade unsere vorgeschrittenen Culturverhältnisse begreift, wird mir zugeben, daß die Ausführung dieser Operation schon im kindlichen Alter zu einer Wohlthat für den künftigen Jüngling und Mann werden könne, besonders da, wie bekannt, diese Operation bei nur einiger Aufmerksamkeit und Pflege von Seiten des Arztes eine vollständig gefahrlose ist." Es ist freilich wahr und wird durch die eben citirten Sätze bestätigt, nicht alle ärztlichen Fachgenossen stimmen mit dieser beredten Vertheidigung der jüdischen Sitte überein; allein es giebt wenigstens einige tüchtige Chirurgen, darunter hochberühmte Namen, welche sich genau in demselben Sinne, wie unser Autor ausgesprochen haben, und kaum ein einziger, sachkundiger Arzt wird leugnen wollen, daß die Beschneidung im Kindesalter den angedeuteten, prophylaktischen Nutzen, wie hoch oder wie gering man ihn immerhin veranschlagen will, doch in Wahrheit besitzt und daß sie, kunstgerecht ausgeführt, eine sehr wenig eingreifende, ganz gefahrlose Operation ist. Und dieses Eingeständniß genügt mindestens, um von ihr den hergebrachten Vorwurf der Rohest, der Zwecklosigkeit und Gefahr abzuwälzen und sie, vom medicinischen Standpunkte aus betrachtet, in die

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