Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1867)
- Date
- 1867-11-26
- Page
- Seite 967 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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967 Gemeinden die gesetzliche Geltung entzog und den Beistand des Gesetzes versagte? Da wir gerade im Augenblick der Ankunft Sr. H. des regierenden Fürsten in Jassy ankamen, haben wir leider eine große Kälte in dem Empfang, der ihm wurde, bemerkt. Welcher anderen Ursache kann man die apathische Gleichgültigkeit der Einwohner von Jassy gegen einen so loyalen und redlichen Fürsten zuschreiben, wenn nicht den tadelnswerthen Handlungen, denen sich seine Minister überlassen haben? Es ist fast banal hinzuzufügen, daß diese Unzufriedenheit die separatistische Partei beträchtlich verstärkt hat und daß sie im Stande ist, zu Resultaten zu führen, die für die Zukunft unseres Landes sehr unheilvoll werden können. In Jassy wie anderswo ist die jüdische Bevölkerung unzähligen Quälereien und selbst einer wahren Verfolgung unterworfen, hier mißhandelt man sie vor den Augen Aller,'.dort beschimpft man sie ungestraft. Das schöne Wort Recht „Dreptatea“ profanirend, welches sie auf ihre lügnerische Fahne schreiben, hören die Verfolger in ihren Pamphleten nicht auf, die Israeliten zu verläumden und den Haß und die abscheulichsten Leidenschaften gegen sie zu erregen. Mit traurigem Herzen über all' diese Ungerechtigkeiten, beeilten wir uns, Jassy zu verlassen und nach Bottnschan zu gehen, wo uns ein erfreulicheres Bild erwartete. Dank dem aufgeklärten Geiste des ehemaligen Präfekten, Herrn Boiauo, und seines würdigen Nachfolgers, Herrn Hasnachi, die den Bratianaden nicht die Hand gereicht haben, haben die jüdischen Fortschrittsmänner eine jüdisch-rumänische Schule gründen können, die in voller Thätigkeit ist und welche, Dank den edlen Bemühungen ihres gelehrten Direktors, Herrn Hillel Caha ne, auf vortreffliche Früchte hoffen läßt. Ebenso haben wir die Befriedigung, eine jüdischrumänische Schule in Folticheni zu finden; aber leider reichen die edlen Bemühungen ihres vortrefflichen Direktors, Herrn Rabbener, nicht aus', die Freunde der Finsterniß zu entwaffnen. Dort ist die Existenz dieses Etablissements noch durch ihre abscheulichen Jntriguen bedroht. In Folticheni hat uns der glückliche Zufall einem Concerte beiwohnen lassen, das der berühmte Violoncellist Szepanowski unter der freundlichen Mitwirkung der vortrefflichen Clavierspielerin Fräulein Sabina Rabbener gab. Gleich einem frischen Frühlingsmorgen, von Rosen duftend, erschien die junge schöne Künstlerin auf der Bühne voll bezaubernder Anmuth und wurde von einem zahlreichen Publikum mit wärmstem Beifall ausgenommen. Ihre liebenswürdige Schüchternheit und ihr vortreffliches Spiel haben die Zuhörer entzückt, welche sie oft mit lebhaftem Beifall unterbrachen midiste mit Blumen überschütteten. Unsere Ankunft in Roman siel gerade auf den Tag, welcher zu einer Zusammenkunft der moldauischen Deputirten bestimmt war. Wir haben es auf unangenehme Weise gemerkt; denn wir hatten nicht auf die Polizei gerechnet, welche darauf bestand, uns eine Lection ihres Constitutionalismus zu geben. Ein Polizeicommissar hatte sich als unser alter ego eingestellt und wollte uns seiner Gegenwart nicht berauben. Er zeigte derart das Bedürfniß, mit uns zu sein, daß er uns mehrere Male aus dem Schlafe aufweckte, um mit uns eine Unterhaltung zu führen, in der die Abgeschmacktheit mit der Unschicklichkeit sich den Sieg streitig machte. Nichtsdestoweniger wiffen wir ihm Dank, daß er uns gelehrt hat, wie er die Unverletzlichkeit des Hauses, welche die Constitution gewährt, versteht. Die Zudringlichkeit dieses Herrn verhinderte uns jedoch nicht, die israelitisch-rumänische Schule zu besuchen, die nur erst nach Schwierigkeiten, Opfern und Kämpfen gegründet werden konnte. Folgendes sind die Namen der grvßmüthigen Herren, aus welchen das Schulcomitö besteht: Herr M. N. Schwarz, I. Segall, I. Grünberg, B. Schwartz und S. Goldenstein. Erwähnen wir noch die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde von Roman, Herrn M. Abramsohn, A. Kramer, H. Käß und L. Fochaner, welche jetzt thätig am Wohle der Schule mit arbeiten. Dank der freundlichen Unterstützung des Präfekten Herrn Vucenicu und ,des ehemaligen Bürgermeisters Hrn. Johann Zamfiresco, scheint die Existenz dieser Schule für lange gesichert zu sein. Die Thätigkeit, der Eifer und die Befähigung des Directors der Schule, Herrn Alfred Ravin, verdienen alles Lob. Wir wünschen dem israelitischen Schulcomitö von Roman Glück zum Ankauf des vortrefflichen Gebäudes, in dem die Schule eingerichtet ist. In Bacau zeigte sich unseren Blicken eines der herzzerreißendsten Schauspiele. Die Verwaltung mißhandelt und verfolgt die Israeliten auf eine empörende Weise. Ein Ausländer, Herr C. Radu, ist Polizeichef der Stadt; er entwürdigt seine Functionen, indem er seine Macht gegen die Israeliten wendet, die sie ihm gegeben haben; die strengsten Strafen, die größten Geldbußen werden den Israeliten bei der geringsten Uebertretung auferlegt. Aber trotz der Verfolgung dieses Mannes hat die Fortschrittspartei der Stadt ein jüdisches Hospital geschaffen; die schlechten Menschen können die Männer von Herz nicht verhindern, Gutes zu thun. In Moinechti entfalten die Israeliten eine seltene industrielle Thätigkeit. Es giebt dort viele Theerquellen, deren vortheilhafte Ausnutzung der Gegenstand der Thätigkeit der jüdischen Bewohner ist.