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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-11-26 · Heft 48 (26.11.1867) · p. Seite 968

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 48 (26.11.1867)
Date
1867-11-26
Page
Seite 968 (sequence 20)
Language
German
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968 Weit entfernt, sich mit diesem einfachen Grubenbau zu begnügen, haben die Israeliten von Moinechti zwei Gesellschaften gebildetdie hinreichende Capitalien besitzen, zwei Paraffinkerzen- und Gas-Fabriken zu gründen. Eine dieser Fabriken geht unter der Firma M. Edelstein und L. Leiserovich und die andere unter dem Namen H. Lak, I. Theiler u. Comp. Die Baulichkeiten sind schon errichtet, die Maschinen sind aus dem Auslande herbeigeschafft und binnen Kurzem werden sie schon in Thätigkeit sein. Es ist wünschenswerth, daß die Regierung diese industriellen Bestrebungen zu schätzen wisse und daß sie die ersten Schritte dieser neuen industriellen Etablissements erleichtere, sei es durch Erhöhung der Jmportationstaxen für Paraffin, sei es durch Abschaffung aller Steuern auf nationale Fabrikationen. Gern berichten wir, daß ein neues Element zum Wohlstände der Landesindustrie durch die Juden hinzugefügt worden, die aus diese Weise vielen Dorfbewohnern um Moinechti die Mittel zur Existenz verschaffen. In Adjud übt der Unterpräfekt, Herr Eduard Ghergheli, welcher Bratiano gern gleichkommen will, auf den das civilisirte Europa mit dem Finger zeigt!, mit Eifer sein trauriges Amt des ofsiciellen Verfolgers der Israeliten. Es widersteht uns, die Grausamkeiten', mit denen er die Juden verfolgt, zu schildern, so verächtlich sind sie. Ein Mord aus religiösem Fanatismus. (?) Wenn wir die folgende traurige und geheimnißvolle Geschichte mittheilen, so thun wir dies nicht, weil wir von der Richtigkeit der Darstellung und von der Voraussetzung religiös-fanatischer Motive, wie die russischen Zeitungen viese geben, überzeugt sind^, sondern um. dem Borwurfe zu entgehen, daß wir alle Fälle besprächen, in welchen fanatisch gegen die Juden gehandelt wird, nicht aber, wenn die fanatische Wuth von Juden geübt wird. > Wir glauben nicht, daß Juden durchaus vom Fanatismus frei seien, daß es unter diesen nicht Individuen gäbe, welche einer fanatischen Gewaltthat, eines Verbrechens aus Fanatismus fähig wären. Aber dergleichen düstere Fälle giebt es doch so äußerst wenige, daß sie erst objectiv erwiesen sein müssen, bevor wir sie als solche anerkennen mögen, und dieser Beweis ist in dem folgenden Falle noch nicht geführt. Wir theilen den Vorgang wörtlich nach dem l’Echo de la Presse russe mit. Der Messager d’Odessa erzählt ein Verbrechen, das noch von Geheimniß umgeben ist und welches in dem Dorfe Stavrovka (Gouvernement Cherson, Distrikt Ananiew) große Bestürzung hervorgerufen hat: Ein Jude, der in diesem Dorfe wohnte, hatte eine junge und schöne Tochter, welche, da sie einen jungen Mann heirathen wollte, den sie liebte und von dem sie geliebt wurde, den Entschluß faßte, zur orthodoxen Kirche überzugehen. Um Hindernisse zu umgehen, welche ihre Eltern dieser Heirath entgegensetzen würden, floh das junge Mädchen in der Nacht aus dem Vaterhause und ging mit ihrem Bräutigam zu Fuß nach Maliagonow, einem von dem ihrigen weit entfernten Dorfe, um dort den Geistlichen des Ortes aufzusuchen. Als das junge Paar in Maliagonow ankam, stellte es sich unter den Schutz des Besitzers des Dorfes, welcher dieses Vertrauen auch vollkommen rechtfertigte. Ein Onkel des jungen Mädchens, ein reicher Israelit, forderte von diesem Letzteren, daß seine Nichte ihren Eltern wieder zurückgegeben werde, aber dieser antwortete mit einer Verweigerung und stand bei seinem Schützling Gevatter, als sie getauft wurde. Nachdem sie ihren Liebhaber geheirathet, kehrte sie mit ihm in ihr Dorf zurück, wo sie sich niederließen und in eine Hütte zogen, welche ihnen gehörte. Alles schien dem Glücke hold zu sein, welches ihre gegenseitige Liebe ihnen schuf; jedoch öfter als ein Mal seit ihrer Rückkehr mußte die Neuvermählte bittere Vorwürfe über ihren Religionswechsel seitens der Juden hören, Vorwürfe, in die sich oft Worte der Rache mischten. In der Nacht vom 27. Juli wurde die junge Frau, die sich allein in dem Hause befand, da ihr Mann ziemlich weit mit Feldarbeiten beschäftigt war, das Opfer eines abscheulichen Ueberfalls. Am folgenden Morgen fanden die Nachbarn die Hütte leer: die junge Frau war verschwunden und die Mauern, sowie die Kopfkissen ihres Bettes und die Vorhänge der Thüre waren mit Blut befleckt. Ein Korallenhalsband, das die Unglückliche getragen, lag zerbrochen auf dem Fußboden. Doch war Nichts in der Hütte gestohlen, Alles war unberührt und eine Summe Geldes, die in einem Koffer eingeschlossen war, lag noch unversehrt darin. Die erste Untersuchung, die von dein Vorsteher des Dorfes und dem ländlichen Commissar angestellt worden, hat Nichts Nachweisen können, das auf die Spur des Verbrechens geführt hätte, dessen Opfer die junge Christin geworden und zu dem gewiß ein trauriges Rachegefühl die Veranlassung gewesen." Man sieht aus dieser ganzen Darstellung, daß das „gewiß" nur dem Berichterstatter angehört. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur V» H. Lotze.

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